Junkie ohne Stoff – Wenn Watchever Doktoren und Detektive klaut

Ich habe miese Laune. Denn ich habe unlängst eine E-Mail von Watchever mit dem Betreff: “Sherlock wird ab dem 30.07.2014 eine Pause einlegen” bekommen.

Versteh ich nicht, dachte ich da zuerst. Sherlock geht schließlich nach jeder Staffel 2 Jahre in die Pause. Ein Kreuz das man eben zu tragen hat, wenn man diese Serie liebt. Das scheinen da ja ziemliche Blitzmerker zu sein. Aber weil es eben um Sherlock ging, öffnete ich die Mail sicherheitshalber und musste mit Schrecken feststellen, dass Watchever die Staffeln 1 und 2 vorerst aus dem Programm nimmt (Staffel 3 gab es dort sowieso nicht), angeblich wegen zu hoher Lizenzkosten.
Ich muss sagen, damit hatte Watchever schon mal recht arg bei mir verschissen. Man kann mir nicht meinen Detektiv wegnehmen. Nein, nein, nein. Diese Leute scheinen offenbar nicht zu verstehen, dass die meisten Sherlock Fans die Pause nur dadurch überbrücken, dass sie sich die alten Folgen wieder und wieder anschauen. Watchever, was soll denn der Scheiß?

Aber damit nicht genug. Ein Freund wies mich darauf hin, dass Sherlock nicht die einzige Serie ist, die aus dem Programm genommen wird (was die E-Mail übrigens verschwiegen hatte). Das betrifft unter anderem Serien wie Little Britain, Criminal Minds und am allerwichtigsten die Staffeln 1 bis 6 von Doctor Who. Diese kleine Information reichte aus um mir komplett die Laune zu verderben. Denn in diesem Fall ist es noch schlimmer als bei Sherlock: Ich habe nämlich noch nicht alle Folgen von Doctor Who gesehen. Ich bin erst am Ende von Staffel 3, aber leider emotional bereits so weit involviert, dass ich weitergucken MUSS. Und um mir alles auf DVD zu kaufen bin ich momentan leider nicht reich genug. Das heißt, ich habe quasi keine Wahl und muss bis zum 30.07 noch Staffel 4,5 und 6 gucken. Das würde natürlich gehen wenn ich arbeitslos wäre. Aber leider wird meine Freizeit beinahe täglich von 8 Stunden Arbeit und teilweise anschließenden sozialen Kontakten und persönlichen Projekten unterbrochen. Was stellen sich die Leute von Watchever also vor, wie ich das schaffen soll. Hä? Hä? HÄ?????

Tief durchatmen. Beruhigen wir uns doch erstmal. Ich könnte verstehen, dass einigen Menschen dieses Problem und die recht starke emotionale Reaktion befremdlich erscheinen mag. Insbesondere in einer Welt die im Größeren betrachtet momentan viel dringendere Probleme hat. Aber für meine kleine Welt ist das eben von Bedeutung und sie kann durch soetwas erschüttert werden. Weil gute Geschichten – wie sie in den Serien, Filmen und Büchern, die ich liebe erzählt werden – wichtig für mich sind. Sehr sogar. Und ja, diese Geschichten spannen mich emotional ein. Manchmal wenn ich darüber spreche, werde ich so Sachen gefragt wie: “Du weißt schon dass das nicht echt ist, oder?”
Natürlich weiß ich, dass kein Harry Potter mit dem Feuerblitz unbemerkt über unsere Köpfe hinwegsaust, dass Sherlock Holmes nicht wirklich Verbrechen in London löst und dass es keinen Doctor gibt der in einer blauen Polizeibox durch Zeit und Raum fliegt (das wäre allerdings der Knaller). Aber ich habe halt Spaß daran, mich mit der Story und dem Drumherum zu beschäftigen. Jeder hat halt so seine Hobbies und Laster. Manch einer pflanzt Rosen, manch einer kokst und ich lese, schaue und höre halt leidenschaftlich gern gute Geschichten. Jeder amüsiert sich eben auf seine Weise.

Man könnte jetzt natürlich sagen, wenn es mir so wichtig ist, dann könnte ich es ja einfach woanders gucken. Aber das Video On Demand Pack ist überall das gleiche. Maxdome und Amazon Instant Video bieten beispielsweise von Vornherein nicht alle Staffeln Doctor Who an. Und überhaupt, bin ich den Deal mit Watchever nur eingegangen, weil es dort die Serien gab, die ich schauen wollte. Und jetzt nehmen die mir die einfach wieder weg. Ich fühle mich betrogen. Das war nicht der Deal! Da kann ich quasi gleich wieder kündigen.
Ich meine, ich bin ja sogar schon vorbildlich – anstatt das alles illegal irgendwo zu streamen bezahle ich monatlich artig Geld damit ich legal Serien und Filme gucken kann, die ich mir, wenn ich Geld übrig habe dann zusätzlich sogar noch auf DVD kaufe. Ich bin ein quasi ein Bilderbuchkonsument. Aber nein, dann kommt der geschätzte Seriendealer daher und sagt, dass er sich aus dem Geschäft zurückzieht. Wo soll man jetzt den Stoff herbekommen? Da kommt es mir fast so vor, als würde man quasi dazu gezwungen Sachen auf dubiosen Seiten zu streamen. Sieh her Serienindustrie, ich bin doch bereit für deine Unterhaltung zu zahlen – nimm mein Geld, nimm es! Bitte führe mich nicht in Versuchung!
Das ist ein bisschen so, als würde man mir meine Harry Potter Bücher wegnehmen und sagen, dass ich sie zwar lesen darf aber nur nachts am U Bahnhof Osloer Straße (für alle Nicht-Berliner: das ist nicht so die beste Gegend). Gut würd’ ichs nicht finden, aber hinfahren würd’ ich letztendlich doch.
In Deutschland wird man als Serienjunkie sowieso irgendwann in die semiillegalität getrieben, weil man auf deutsche Fassungen von Serien (die dann auch noch schlecht sind) gerne mal über ein halbes Jahr warten muss, während das halbe Internet voller Spoiler ist und alle Welt sich über die neuesten Theorien austauscht wie Soundso wohl dies und jenes überlebt haben könnte. Wer es nicht gesehen hat ist nicht eben nicht dabei, so läuft das im Internet. Aber selbst wenn man fürs reine Streamen von Serien vermutlich nicht verknackt wird, weil sich Rechtsgelehrte nicht darüber einig sind, ob es sich hierbei um ein Verbrechen handelt oder nicht, komme ich mir dabei wie ein kleiner Dieb vor. Insbesondere weil das Drumherum dieser Seiten meist etwas schmutzig ist. Pussies, Pop-Ups, Penisse und Poker - das ist doch kein Umgang für eine Lady. Wenn möglich sollte man dieses Milieu meiden.

Ich muss es deshalb einfach versuchen – es bleiben mir 8 Tage. In dieser kurzen Zeitspanne werde ich in meiner knapp bemessenen Freizeit weniger Freunde treffen und mehr Binge-Watching betreiben um alle verbleibenden alsbald verlorenen Staffeln von Doctor Who zu schauen. Anschließend werde ich mein Watchever Abo kündigen – denn es wird nichts mehr geben, das mich dann noch dort hält. Meine letzten Stunden bei klarem Verstand möchte ich nutzen um euch zu warnen, denn ich werde mich vermutlich in einen emotional instabilen Zombie verwandeln, der selbst gerne mit der TARDIS fliegen würde und den Bildschirm anbrüllt weil er den Doctor heiraten möchte. Aber man muss Opfer bringen wenn man den Beitrag für diesen Monat nicht umsonst gezahlt haben will.
“Hast du eigentlich nichts besseres zu tun?”, werdet ihr fragen und die Antwort lautet: “Offensichtlich nicht.”Allons-y. Ich bin bereit.

giphy

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Filed under Internet, Mein Leben

Aus dem Interweb (2) – Kartoffelsalat

Kickstarter-Projekte sprießen heutzutage wie Unkraut aus dem Boden. Das ganze Internet ist voll davon. Mal will ein Musiker dadurch sein Album produzieren, mal ein Start-Up seine neueste Innovation finanzieren. Spende 20 Euro und dein Name erscheint im Booklet der CD – so weit so gut. Aber das Internet wäre nicht das Internet wenn die ganze Sache nicht manchmal ein bisschen aus dem Ruder laufen würde. Denn alles kann zum Kickstarter werden. Alles. Sogar, sagen wir mal, Kartoffelsalat.

Screenshot_2014-07-07-13-27-52Mit den Worten: “Warum machen wir sowas eigentlich nie?”, machte mich ein Freund nämlich auf folgendes Projekt aufmerksam: I’m making Potato Salad. Und der Titel sagt es auch schon. Da ist ein Typ namens Zack Danger Brown  (wenn das mal kein cooler Name ist…), der einen Kartoffelsalat machen will und dafür von diversen Internetusern bereits über 40000 Dollar gespendet bekommen hat. Spendet man 2 Dollar oder mehr erhält man beispielsweise ein Foto von Brown, wie er Kartoffelsalat zubereitet. Bei größeren Spenden bekommt man einen thematisch passenden Hut oder eine Kartoffel in die der eigene Name eingeritzt wird. Sowas hab ich mir ja schon immer gewünscht.
Nach der Motivation befragt sagte Brown übrigens: “I realized that I really liked potato salad, but had never made it. Then I wanted to make potato salad“. Und im Internet, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, kann man diesen Traum leben – vom Kartoffelsalatzubereiter zum Millionär.
Ich möchte am Wochenende übrigens einen Kuchen backen. Wer mehr als 2 Dollar spendet, darf die Schüssel auslecken.
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Filed under Aus dem Interweb

Okay Google, zeig mir dämliche Suchanfragen

Google weiß alles…und Google ist ein Petze, es verrät mir nämlich unter anderem mit welchen Suchanfragen Leute auf meinen Blog kommen.
Damit könnte ich mich ja auch mal wieder befassen, dachte ich gestern, nachdem ich ungefähr zum 1000. Mal mit der “Okay Google, zeig mir Bilder von Bonobos….”-Werbung beschallt wurde.
Und siehe da, seit ich mich das letzte Mal damit auseinandergesetzt habe, sind wieder einige Schmuckstücke hinzugekommen. Wie immer handelt es sich dabei um Manifeste der Dummheit, Denkmäler des ewigen Kampfes des Menschen gegen die Technik und Zeugnisse der weitgehenden Sinnlosigkeit der menschlichen Existenz. Wie gewohnt werde ich mich bemühen, die Anfragen zu beantworten. Denn wer googelt, der findet…

hugo nuttenDu meintest nicht vielleicht eher die Hugenotten?
komm du mir mal nach hause freundchen
– Nee, lieber nicht. Weiß ja auch gar nicht wo du wohnst.
halte meinen partner für einen freak – Na da würd’ ich dann vielleicht mal über eine Trennung nachdenken. Das hat dir Google sicher auch geraten.
wie ruft man ein einhorn – Ich will dir ja jetzt keine Illusionen nehmen, aber ich bin mir ziemlich sicher dass kein Einhorn erscheinen wird – egal wie du es rufst. 
warum ist internet nicht scheiße????????????????????????????????? – Aus der Anzahl der Fragezeichen schließe ich, dass dir eine Antwort sehr wichtig ist. Das Internet wird auch noch scheiße, wart nur ab. Die Nassbirnen sind nämlich offenbar auch hier auf dem Vormarsch…
oh man woher weiss der typ das mit uns das ist ja ein totaler vollidiot vielleicht weil der nicht bei mir landen konnte – Ich denke, du müsstest deine Anfrage vielleicht ein bisschen präzisieren. Oder einfach das Internet verlassen. Für immer. Danke.
wo ist das scheiß e-mail von t-online – Weiß denn eigentlich keiner wie man scheiß Google benutzt?
fakt ist kein mensch scheisst parfüm – Eindeutig. Gut, dass wir das mal geklärt haben.
wie viel prozrnt der menscgheit glaubt wenn ein geräusch ertönt das es explodiert – Ich bin mir nicht sicher ob zu diesem speziellen Problem schon Studien durchgeführt wurden. Sicher ist aber dass 100% der Betreiber dieses Blogs glauben, dass das eine dämliche Frage ist.
wie stelle ich mir ein leben ohne internet vor – Findest du es nicht ein bisschen ironisch dass du diese Frage in eine INTERNET-Suchmaschine eingibst? Früher haben die Leute so eine Sache gemacht, die nannte sich “nachdenken”, ist aber ziemlich oldschool.
Weil meine Eier raushängen – Das ist zwar schlimm, aber noch lange keine Entschuldigung für alles.
frau vergisst scheiße im beutel nach one night stand – Ehhm. Die drängendere Frage ist doch wohl eher, wieso sie einen Beutel mit Scheiße dabei hatte.
harry potter und seine huren - Oh, endlich ein neuer Harry Potter Band. Scheint sich dann wohl an erwachseneres Publikum zu richten.
Swag online Klamotten kaufen, Swag online Klamotten kaufen – Wenn man es öfter eingibt werden die Ergebnisse besser (und haben doppelt so viel Swag). Das ist wie beim Fahrstuhl – der kommt ja auch schneller wenn man öfter drückt.
warum heißt es rechtsradikal obwohl hitler links händer war -
picard-facepalm2

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Filed under Internet

Alles gelogen?

Auf Stern.de habe ich heute einen Artikel über ein Video entdeckt. Es geht darin um einen Mann, der ein vollkommen gewöhnliches Leben führt. Weil man dafür aber auf Facebook keine Likes bekommt, malen seine Facebook-Status – das ist übrigens tatsächlich der korrekte Plural von Status, ich habe nachgeschlagen – ein ganz anderes Bild (siehe Video unten).
So überspitzt diese Darstellung auch sein mag, spiegelt sie doch eines der Probleme der Internet-Kultur wieder. Wenn man sich im Internet und seinen sozialen Netzwerken bewegt, muss einem klar sein, dass das was man dort zu sehen bekommt nicht unbedingt der Wahrheit entspricht – oder durch gezielte Auslassungen eben nur ein unvollständiges Bild zeichnet. Insbesondere der jüngeren Gruppe von Internetnutzern ist dies nicht immer bewusst. Das wird recht deutlich wenn man sich einschlägiger mit tumblr und dem YouTube Fankult der Generation Z – die ich insgeheim übrigens die YouTube Generation nenne, weil ihre Aufmerksamkeitsspanne meist nicht länger als ein durchschnittliches YouTube Video ist – auseinander setzt. Ich beschäftige mich mit diesem Thema beinahe unweigerlich schon eine Weile, weil es dazu in der von mir geschätzten (britischen) Vlogger Gemeinde unlängst einige Diskussionen gab. Nachzuverfolgen beispielsweise hier, und hier und besonders schön hier.

All das was man im Internet und seinen Social Media Gefilden preisgibt, ist eben nur das, was man bereit ist preiszugeben. Dazu kommt natürlich noch eine gehörige Portion Selbstinszenierung und das Streben nach Perfektion, das unserer Gesellschaft innewohnt. Wer postet schon ein Selfie auf dem das Doppelkinn zu sehen ist? Das würde ja keiner liken. Selfies sind, anders als es den Anschein macht sowieso nur selten super spontane Momentaufnahmen. Denn in den allermeisten Fällen gehen dem finalen Ergebnis 20, mehr oder weniger, hässliche voran. Niemand instagramt die Portion Topfwurst die er auf dem Teller hat. Es sind immer nur die Austern, das Steak, der geile Burger – und selbst über die legt man Filter damit sie leckerer aussehen, als sie in Wirklichkeit sind. Und wer schon mal Online-Dating betrieben hat, der weiß, dass auch Menschen eigentlich nie so aussehen wie auf ihrem Profilfoto.
Komischerweise sieht man auch höchst selten Statusupdates wie: „Wieder die ganze Nacht geheult.“ oder „Gerade allein eine ganze Tüte Chips gegessen. “ Und auf Twitter hält man seine Follower auch nicht über alles auf dem Laufenden. Dabei würden 140 Zeichen durchaus ausreichen für: „Mal eben eine Stunde auf dem Klo gesessen und dabei Zeitung gelesen #kacken #badezimmer“. Sowas würde offenbar keiner lesen wollen und kaum jemand “liked” die ungeschönte Realität. Der Mensch mag nun mal schöne Dinge. Und, noch viel wichtiger, der Mensch vergleicht sich gern mit anderen. Mein Haus, mein Pferd, mein Boot – meine Likes, meine Twitter Follower, meine Abonnenten.
Ich würde ja auch gerne behaupten, dass ich mich davon ausnehmen kann – dem ist aber natürlich nicht so. Man nehme dafür ja schon allein diesen Blog. Erstens schaue ich mir jeden Tag relativ ausführlich meine Besucherzahlen an – und wenn es viele waren, dann freue ich mich. Zweitens kommt natürlich hinzu dass dieser Blog, auch wenn er recht persönlich ist, längst kein vollständiges Bild zeichnet. Es gibt eine Grenze, die ich nach außen hin natürlich nicht definiere, die ich aber mit dem was ich hier preisgebe nicht überschreiten werde. Mittlerweile beschränkt sich meine Leserschaft schließlich längst nicht mehr nur auf meinen Bekanntenkreis. Mir schreiben manchmal Leute, die mir noch nie begegnet sind, die aber trotzdem meinen, mich anhand dieses Blogs gut einschätzen zu können. Aber ich könnte auch ein dicker bärtiger Mann sein, der nackt vor seinem Rechner sitzt und dabei an einer Bockwurst lutscht. (Bin ich nicht). Aber ich bin beispielsweise weniger schlagfertig, ein bisschen trauriger, sehr viel müder und vermutlich ein wenig fetter als man anhand dieses Blogs und meiner Social Networking Profile so denken würde.

 

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Filed under Internet

Aus dem Interweb (1) – Jagger und Bowie kleinlaut

Ich will euch mal ein Geheimnis verraten: Manchmal hab ich echt keinen Bock einen langen Text zu schreiben. Aber auf meinen Reisen durch das Internet begegnen mir häufig Dinge bei denen ich denke: “Ey, das müsste man eigentlich teilen.”
Ich habe deshalb entschieden, hier eine neue Kategorie einzuführen, die sich ausschließlich mit Internetfundstücken und -trends beschäftigt. Fortan werde ich also, vermutlich wöchentlich, ohne viele Worte etwas vorstellen, dass mich in der vorangegangenen Woche in den Landschaften des Internet beeindruckt, belustigt oder verstört hat.

Alle drei genannten Eigenschaften treffen übrigens auf das dieswöchige Fundstück zu, das mir mein Freund P.  freundlicherweise auf die Pinnwand gepostet hat. Es handelt sich dabei um ein musikloses Musikvideo. Erst vor 2 Tagen hochgeladen, verzeichnet das Filmchen bereits über 600000 Hits und wird in den kommenden Tagen garantiert so oft aufgerufen werden, dass es Ende nächster Woche in den ProSieben oder RTL2 Nachrichten als Webtrend auftauchen wird (vielleicht ist das auch schon passiert – habe schon lange kein Fernsehen mehr geguckt). Mark my words!

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Filed under Aus dem Interweb

Die Hauptstadt der Räudigkeiten

Vorwort: Wer Kaka, Pipi und Brechi nicht ertragen kann, möge jetzt bitte aufhören diesen Text zu lesen. Einen schönen Tag noch!

Berlin ist toll. Aber in Berlin liegt auch verhältnismäßig viel Scheiße auf der Straße. Das kann man nicht bestreiten. Das ist einer der Hauptgründe dafür, dass die Hauptstadt – so sehr ich sie auch mag – mir manchmal wirklich zuwider ist. Ich frage mich auch immer, wie die betreffenden Bello-Halter es wohl finden würden, wenn Ihnen mal jemand so richtig schön vor die Tür scheißt. Aber das nur mal so am Rande. Weil in Berlin nun die Bürgersteige voller Hundekacke und gefühlt jeder zweite Hauseingang und jede Ecke nach dem Wochenende mit Kotze bedeckt sind, entwickelt der Berliner offenbar so eine Art Ekelresistenz. Wo andere schon kotzen – da lacht der Berliner noch. Und wo andere eine Ekelgriebe entwickeln, zuckt der Berliner nur gelangweilt die Schultern.

Ich wohne zwar schon fast 7 Jahre hier, kann auch einiges aushalten und doch werde ich diese Stufe der Gleichgültigkeit wohl nie erreichen. Aber anders als meine Mama auf Berlin-Besuch muss ich, in Anbetracht der allgegenwärtigen Hundescheiße, nicht mit meinem Würgereiz kämpfen.
Aber in den öffentlichen Verkehrsmitteln Berlins habe ich Dinge gesehen, die ich nie verstehen und vermutlich auch nicht vergessen werde.
Zum einen wäre da der Scheißhaufen-auf-U-Bahn-Sitz-Vorfall, bei dem sich ein Mann nicht sonderlich an dem Exkrementberg auf dem Sitz neben ihm störte. (Die ganze Story gibt’s hier.)
Dann vor ein paar Monaten fuhr ich wie gewohnt mit der S-Bahn zur Arbeit. Kaum drinnen, kotzt auch schon ein Jungspund aus heiterem Himmel auf den Boden – ich war glücklicherweise außerhalb des Spritzradiuses. Er stieg dann aus – seine Kotze blieb. Am Gesundbrunnen wurde die Bahn dann ziemlich voll. Die meisten Menschen machten jedoch artig einen Bogen um den Brechsuppe. Aber eine Frau stand dann irgendwann mittendrin.
“Entschuldigung, aber sie stehen da in Kotze”, sagt einer zu ihr.
“Och naja..”, sagt sie und bleibt stehen. Och naja? Im Angesicht der Kotze: OCH NAJA? Geht’s vielleicht noch ein bisschen gleichgültiger? Allein als Beobachter dieser Szene hatte ich die restliche Fahrt über große Mühe meinen Mageninhalt bei mir zu behalten.

Heute auf dem Nachhauseweg dann ein neuerlicher Angriff der Ekligkeit. Ich befand mich in der allseits beliebten U6 – Tempelhof steigt ein Herr ein und setzt sich auf die Sitzbank mir gegenüber. Einige Minuten später bildet sich ein Rinnsal und läuft über die Bank. Scheiße ey, der hat doch hier jetzt nicht hingepisst? Er holt ein Bier aus der Innentasche seiner Weste. Ah, das wird wohl nur ausgelaufen sein. Am Mehringdamm erhebt er sich, seine Hose ist an Schritt und Hintern verdächtig nass. Scheiße, ist wohl doch Pisse.
Was nun? Gehe ich weg oder warne ich zusteigende Menschen, sich nicht auf den Platz zu setzen? Ich kann sie heute eh nur bis zur Friedrichstraße retten… Aber schon steigt ein nett aussehender, lächelnder, älterer Herr ein und steuert zielsicher auf den nassen Sitz zu.
“HALT!”, schreie ich, “da isset nass!”
“Aber darf ich mich dann neben Sie setzen?”, fragt er.
“Ja, dit is unjefährlich.”
Er setzt sich und wir warnen fortan gemeinsam jeden der sich auf den vollgepissten Sitz setzen will – wir sind quasi wie Batman und Robin. Aber dann kommt einer, der hat etwas, mit dem wir nicht gerechnet haben: Beratungsresistenz und ein Taschentuch.
“Vorsicht, da ist es nass”, sagt mein Sitznachbar.
“Na denn wisch ick’s halt weg”, sagt er in einem Ton als wollten wir ihm die Zuckerwatte auf dem Rummel verwehren. Er holt sein gelbes Taschentuch hervor und fängt an zu wischen.
“Dit is aber Pisse”, sage ich erschüttert.
“Macht doch nischt”, erwidert er, steckt sein, nunmehr uringetränktes, Taschentuch in seine Tasche zurück, setzt sich und fügt stolz wie Oscar hinzu: “So einfach jeht dit.”
Ja, meinen allerherzlichsten Glückwunsch, diesen Sitzplatz haben Sie sich redlich verdient.

Räudigkeit kennt keine Grenzen, Räudigkeit kennt kein Pardon…

Bildquelle: http://derpdan.tumblr.com

 

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Filed under Bahn, Berlin

Für Freaks

Bei manchen meiner Angewohnheiten frage ich mich ja schon irgendwie ob irgendwas nicht so ganz richtig läuft mit mir.
Manchmal lege ich ein beinahe zwanghaftes Verhalten an den Tag. So musste ich zum Beispiel eine Zeit lang immer auf der gleichen Straßenseite zu meiner Wohnung laufen. Und wenn jemand dabei war und wir nicht auf der richtigen Seite waren musste ich sagen: “Können wir vielleicht auf der anderen Straßenseite laufen?” Ja, Freak, gar kein Problem…
Außerdem streichle ich Stoff. Bettdecken, T-Shirts, Schals…Und im Zuge dessen verbringe ich manchmal mehrere Stunden damit, die kleinen Kügelchen von Baumwollprodukten zu entfernen. Jeder hat halt so seine Laster…
Glücklicherweise muss man sich mit derartigen Angewohnheiten im Zeitalter des Internets nicht mehr alleine fühlen. Das ganze Netz  ist voll von Freaks. Und die allermeisten sind auf meiner Lieblingsplattform tumblr zu finden. All jenen, die sich auch manchmal Abseits der Norm fühlen, möchte ich deshalb dringlichst den wunderbaren tumblr-Blog Spleen24 ans Herz legen. Hier können Menschen ihre vermeintlich abnormen Angewohnheiten teilen damit der Rest der Welt sich entweder denken kann: “Gott sei Dank, ich bin nicht der einzige” (dafür gibt es sogar einen Button) oder “Na im Vergleich dazu hab ich ja nochmal Glück gehabt”.

Hier mal ein paar Auszüge:
“Wenn ich grad keine neuen Mails bekomme (was ich häufig checke) lese ich meine eigenen, gesendeten. Und erfreue mich an meinen eigenen Formulierungen.”

“Wenn in Filmen geklopft wird (an Türen, auf Tischen, wasweißich) behalte ich das Gehörte im Kopf, wiederhole es und zähle, wie oft geklopft wurde. Dann stelle ich mir vor, dass nur ich das kann.”

“Werde ich mit den Schuhen anderer Menschen allein gelassen, habe ich oft das Bedürfnis, daran zu riechen. Es ist nicht so, dass ich Schuhe/ Füße besonders toll finde. Eher so, also würde ich ein intimes Geheimnis über die Person erfahren, wenn ich weiß, wie ihre Füße riechen. Zum Glück waren noch nie richtige Stinkfüße dabei. ”

 “Ich hatte als Kleinkind richtig Angst vor dem Lied ”Eine Insel mit zwei Bergen.” Ich kann noch nicht mal erklären warum, aber ich fand die Stimme wirklich gruselig. Noch heute, mit 20, läuft es mir kalt den Rücken runter , wenn ich dieses Lied höre. ”

“Ich spreche gerne mit spanischem “Akzent” und hänge überall nur Os an. Hola alles gutos? Si Si! Geht auch mit Griechisch. ”
Also Freaks, hier geht’s zum Blog und hier zur Facebookseite.

You are not alone.

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Filed under Internet

Entzug

Ich habe jetzt seit 10 Tagen, 10h und 45min nicht mehr geraucht. Toll, nicht wahr? Okay, das mit den 10h und 45 würde ich mal nicht so genau nehmen, aber man musste bei meiner Rauchentwöhnungsapp die Uhrzeit der letzten Zigarette angeben. Und ich weiß noch, dass es irgendwann in der Mittagspause war.
Geschmeckt hat diese letzte Zigarette nicht. Ich war nämlich krank und hatte eigentlich gar keine Lust zu rauchen. Aber hätte ich gewusst, dass es meine letzte ist, hätte sie vielleicht besser gemundet. Da hätte ich den Teer vielleicht nochmal richtig schön genießen und den Kippenstummel dann ganz theatralisch mit einem lauten Seufzer wegschnippen können. Aber das Leben ist halt kein Wunschkonzert.

Wenn ich krank bin, höre ich normalerweise für 2 Tage auf zu rauchen und dann wird der Drang so stark, dass ich wieder anfange. Diesmal hatte ich aber mit härteren Keimen zu kämpfen und als sich das Verlangen zum ersten Mal wieder meldete, waren bereits 5 Tage vergangen. Aber dann kam der Gedanke, den ich mittlerweile manchmal verfluche: Wenn du schon 5 Tage nicht geraucht hast, dann brauchst du jetzt auch eigentlich nicht wieder anfangen. Das machte auch total Sinn. Das Gröbste des körperlichen Entzugs müsste sich nach 5 Tagen ja bereits erledigt haben und mit dem Fieber verschwunden sein.
Klar, ich hatte zwar immer gesagt, dass ich sowieso aufhöre zu rauchen, wenn ich schwanger werden will, aber der Fehler in dem Plan ist, dass ich nicht weiß, ob ich tatsächlich irgendwann mal Kinder haben will. Und wenn ich mich für nein entscheide, würde das bedeuten, dass ich immer weiter rauchen würde und dann irgendwann so eine alte, Auswurf aushustende, Oma mit Sauerstofftank werde. Und das will ich komischerweise nicht.
Und nun hatte ich schon 5 Tage nicht mehr geraucht. In Worten: Fünf! Man muss halt die Gelegenheiten auch mal nutzen die sich einem bieten…
Doch als ich dann gesund genug war, meine Wohnung wieder zu verlassen, stellte mich das Nichtrauchen vor ungeahnte Probleme. Denn erstens verspüre ich den Drang,  fremde Leute zu bitten, mir ihren Rauch ins Gesicht zu pusten und zweitens: Was macht man denn eigentlich wenn man auf den Bus wartet, wenn man nicht raucht? Und was macht man, wenn man auf einem Balkon sitzt? Und was macht man, wenn man irgendwohin läuft? Kurzum, was machen normale Menschen? Ich weiß es nicht…
Es ist ja schon irgendwie tragisch, dass ich das nicht weiß. Aber man vergisst eben, wie es ist Nichtraucher zu sein. Insbesondere wenn man, als man das letzte Mal Nichtraucher war, 12 Jahre alt war. Ja genau…12…es ist sowieso viel zu schrecklich, dass man da schon mit dem Rauchen angefangen hat, aber so war das damals in Brandenburg. Da hat man eben mit 12 geraucht - heimlich hinter dem Gemeindezentrum – weil es ja sonst nichts zu tun gab und auch weil es eben alle gemacht haben. Die coolen Kids haben schon in der 6. Klasse hinter der Turnhalle geraucht. Ich habe immerhin gewartet, bis ich auf dem Gymnasium war.
Cool ist rauchen natürlich schon lange nicht mehr so wirklich. Mit dem Alter stellen sich ja auch recht uncoole Nebeneffekte ein. Zum Beispiel, dass man, wenn mal der Fahrstuhl in den 4. Stock ausfällt, ganz kurz vor der Ohnmacht steht, wenn man dann im Schneckentempo die letzten Stufen erklommen hat. Uncool auch das erhöhte Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko. Und natürlich der Lungenkrebs – an Uncoolness quasi kaum zu überbieten. Ich kenne also die Gefahr und doch hat mein Gehirn nur positive Erinnerungen abgespeichert: Laue Sommerabende auf dem Balkon mit der Mitbewohnerin und einer Schachtel Kippen zum Beispiel oder wie ich meinen ersten Kumpel in Berlin fand, weil wir vor der Einführungsveranstaltung unseres Studiengangs beide aufgeregt rauchten…Und dann wären da ja noch die postkoitalen Zigaretten – die mochte ich am liebsten. Aber es wird keine mehr geben. Weil rauchen nämlich schlecht ist.

Ich komme mal besser und mal schlechter mit dem Nichtrauchen klar, im Moment ist es aber besonders schlimm. Ich habe so unglaublich Bock auf eine Kippe, ihr könnt euch das nicht vorstellen. Es gab auch einen Moment in dieser Woche, in der das ganze Unterfangen zu scheitern drohte. Ich hatte nämlich, durch die Installation eines Plugins diesen Blog hier zerstört. Es ging gar nichts mehr. Whitescreen of Death. Mein Baby war tot – wenn das keine Stresssituation ist, weiß ich auch nicht. Aber ich blieb stark. Und eine Freundin reparierte den Blog am nächsten Tag heldenhaft. Alles wieder gut. Und wenn ich das schaffen kann – dann kann ich auch alle anderen Situationen überwinden, nicht wahr? Nicht wahr? Nicht wahr?
Unglücklicherweise fahre ich nächstes Wochenende auch noch auf ein Festival. Das ist keine gute Situation um frisch gebackener Nichtraucher zu sein. Denn da wird es Bier geben. Wenn ich Bier trinke, habe ich Bock zu rauchen. Oh Herr, führe mich nicht in Versuchung…

Interessant ist auch, wie sich der Entzug so auf die Stimmung auswirkt. Ich bin entweder super gut drauf, beflügelt durch den Gedanken, dass ich so unglaublich willensstark bin und schon so gut durchgehalten habe oder so richtig schön aggro. Was glotzt du eigentlich so blöd? N’ paar aufs Maul, oder was?
Zudem schwitze ich von Zeit zu Zeit unkontrolliert. Ich glaube, das macht am meisten Spaß.
Ich halte mich über Wasser indem ich mir Bilder von Benedict Cumberbatch angucke (hilft gegen alles) und indem ich meine Erfolge überwache. Laut meiner Smoke-Free App habe ich nämlich bereits 26.05 Euro und 8 Stunden Zeit gespart und werde 18 Stunden länger leben. 18 Stunden ist eigentlich ganz gut. Da kann man eine ganze Menge machen. Wird vermutlich nicht reichen um den Weltfrieden herzustellen, aber vielleicht um ein bisschen auf den Fingernägeln rumzukauen um etwaige Nikotinreste aufzusaugen.

Ich schreibe das jetzt hier hin, weil es mir normalerweise hilft, mit einem Thema abzuschließen.
Außerdem müsste ich, wenn ich scheitere, gegenüber der ganzen verehrten Leserschaft zugeben, dass ich ein willensschwacher Loser bin. Und wer will sowas schon?
Vielleicht hat ja auch jemand Lust mit mir zusammen die gelb gepflasterte Straße in der fantastischen Welt des Rauchentzugs entlang zu wandern. Und am Ende wünschen wir uns vom großen Zauberer eine Lunge. Aber dann stellt sich heraus: wir hatten schon immer eine. Wow. Oder vielleicht hat auch jemand ein paar tolle Tipps auf Lager. Die könnte ich tatsächlich gut gebrauchen.
Und natürlich zu guter Letzt um als abschreckendes Beispiel zu dienen. Liebe Kinder: Rauchen ist scheiße. Trinkt doch lieber Bier.

So jetzt ist der Artikel fertig. Da würde ich jetzt normalerweise eine rauchen. Vielleicht weine ich heute stattdessen mal. Macht auch Spaß.

P.S. I feel your pain, Sherlock:

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Filed under Mein Leben

Gelangweilt und krank

Habt ihr euch eigentlich auch schon mal gefragt, wie ihr ohne Nase aussehen würdet? Ich schon. Und ich habe es auch ausprobiert. Und überraschenderweise sieht man irgendwie komisch aus (vgl. Bild).

Nasenlos und Spaß dabei.

Nasenlos und Spaß dabei.

Ja , so verbringe ich also meinen Samstagabend: ich entferne auf Fotos meine Nase. Und ein paar Nasen von meinen Freunden habe ich auch entfernt. Man könnte in Anbetracht dessen eventuell die Vermutung äußern, dass mir langweilig ist. Und damit könnte man recht haben. Noch dazu bin ich krank. Und weil ich schon seit Dienstag krank bin und dementsprechend seit Dienstag Zuhause bin, ist die Langeweile doch jetzt langsam maximal ausgeprägt.

Am Anfang war das natürlich noch nicht so schlimm mit der Langeweile, weil ich damit beschäftigt war, Fieber zu haben.
Ich hatte schon am Dienstagmorgen bemerkt, dass ich Halsschmerzen hatte. Im Laufe des Arbeitstages kamen noch die üblichen Verdächtigen, Kopf- und Gliederschmerzen, hinzu. Macht ja nix, dachte ich, da legste dich nachher zu Hause gleich hin und dann ist das morgen wieder gut. Aber die Zeichen wiesen eigentlich schon darauf hin, dass dem nicht so sein wird. Denn erstens hatte ich keinen Bock zu essen, zweitens keine Lust zu rauchen und drittens war ich äußerst weinerlich. Und das meine ich buchstäblich – immer bevor ich krank werde, kommen mir die Tränen. Ich denke es ist der verzweifelte Bitte meines Gehirn an meinen Körper bitte nicht krank zu werden. Aber es war zu spät. Mir war kalt. Unglaublich kalt. So kalt, dass ich mir, als ich nach der Arbeit zur Bahn lief, wünschte, dass die Bahn schön voll ist und einer ganz, ganz nah neben mir sitzt damit mir wärmer wird. Ich habe mich dann auch tatsächlich unbemerkt etwas näher an meinen Sitznachbarn geschmiegt.  Wer mich kennt weiß, dass ich es nicht sonderlich mag, wenn Fremde mich auch nur ansatzweise berühren – besser gesagt: ich hasse es. Da stimmte also irgendwas ganz gewaltig nicht. Dementsprechend war es keine Überraschung, dass ich bereits 38° Fieber hatte als ich zuhause ankam. Also ab ins Bett, schlafen und morgen früh ist wieder alles gut. Eine Stunde Halbschlaf später lagen wir allerdings schon bei 39°. Ich machte mir dann jetzt doch ein wenig Sorgen. Insbesondere weil mir nun auch zusätzlich noch schlecht war. Vorsorglich platzierte ich einen Eimer, aber kotzen wäre mir wirklich zu anstrengend gewesen, deshalb schlief ich lieber wieder ein.
Beim nächsten Aufwachen dann fast 40° und leichte Panik. Auf der Plusseite: mir war nicht mehr schlecht. Dafür drehte sich alles. Außerdem murmelte ich vor mich hin: So kalt, so kalt, so kalt- als ob das irgendwas an der Situation geändert hätte. Vermutlich war es die Verwirrung darüber, dass mir kalt war, obwohl mir eigentlich hätte heiß sein müsste.
Ich dachte außerdem immer an die Fernsehserie Es war einmal das Leben. Fieber war da immer die Körperpolizei. Und wenn das stimmte, dann war das hier wohl so eine Art Sondereinsatzkommando. Ich verfluchte es außerdem zum ersten Mal alleine zu wohnen, denn wenn ich jetzt verrecke, dann findet mich so schnell vermutlich keiner und außerdem ist keiner da der mir mal liebevoll über das Köpfchen streicheln könnte. Das war scheiße. Noch scheißiger allerdings das Fieber. Das musste irgendwie in den Griff bekommen werden, bevor das Eiweiß in meinem Blut gerinnt. Ich wusste auch dass ich, als ich noch 39° Fieber hatte, vorsorglich fiebersenkende Tabletten in Griffnähe platziert hatte. Da sich jetzt aber alles drehte und ich zu schwach zum suchen war, schlief ich einfach wieder ein. Vielleicht war ich auch ohnmächtig – wer weiß das schon so genau. Als ich das nächste Mal aufwachte schwitzte ich wie ein Schweinchen – aber meine Temperatur betrug nur noch 38°. Ha! Ihr dämlichen Viren könnt mir gar nichts! Körper, das mit dem Nicht-Sterben, das hast du gut gemacht!
Am nächsten Morgen dann aber sicherheitshalber doch zum Arzt und mal fragen ob das mit dem hohen Fieber normal ist. “Jahaa, der Virus greift in Berlin grad um sich”, sagt er. Ausruhen, viel trinken, Krankschreibung etc, etc.

Ich verbrachte die folgenden Tage also größtenteils auf der Couch beim Fernseher. Und ein bisschen Super Nintendo habe ich auch gespielt. Als man noch jünger war, fand man das Kranksein wegen eben diesen Beschäftigungsmöglichkeiten ja ganz okay – tagsüber konnte man sowas ja sonst nicht. Jetzt erfüllt einen das allerdings nicht mehr so unbedingt. Man hat immer das Gefühl, dass man etwas Nützliches tun könnte anstatt hier so dämlich rumzuliegen. Hätte ich natürlich auch gekonnt, wenn das Stehen nicht so anstrengend gewesen wäre. Na gut, dann könnte man ja wenigstens versuchen nicht zu verblöden und was zu lesen. Aber wenn ich krank bin, entscheidet mein Gehirn die meiste Zeit Furzgeräusche abzuspielen um zu demonstrieren, dass es ohnehin nicht aufnahmefähig ist. Es bleibt einem deshalb nur sich von TV, YouTube und Co. berieseln zu lassen.
Mittlerweile geht es allerdings bergauf mit der Verfassung und das heißt auch, dass man sich nach mehr Beschäftigung sehnt. Ich war deshalb heute schon im Supermarkt – ein toller Ausflug, der nur dadurch getoppt wurde, dass ich wie ein Eichhörnchen fiepte als ich die Treppen zu meiner Wohnung wieder erklomm. Offenbar bin ich noch nicht ganz so fit wie gewünscht. Ich habe außerdem noch Husten. Und zwar die Art von Husten bei der man sich angewidert wegdreht wenn man derartige Geräusche vom Nebenmann in der U-Bahn hört. Dementsprechend entschied ich mich, mich auch den Rest des Wochenendes noch auszuruhen und in meinem Bett King of Queens zu schauen und im Internet abzudödeln. Da war aber heute keiner online – weil es ein sonniger Samstag war und noch dazu weil alle Fußball geguckt haben. Alle außer mir versteht sich – mir blieb nichts anderes als Nasen zu entfernen…In Anbetracht dessen bin ich ganz froh, Montag wieder arbeiten gehen zu können.

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Die Whoo-Girls vom Heimathafen

Es gibt kaum etwas, das ich lieber mag als auf Konzerte zu gehen. Der Moment wenn das Licht ausgeht und die Musik anfängt, ist eindeutig einer der besten in diesem Universum.
Letztes Wochenende war ich deshalb mal wieder auf einem Konzert, bei Marcus Wiebusch um genau zu sein. Der ist der Sänger meiner Lieblingsband kettcar und derzeit mit seinem Soloprojekt unterwegs. Sowas kann ja voll nach hinten losgehen, ist es aber in diesem Fall nicht. Herr Wiebusch hat ein super Album produziert, das, wie man es von kettcar schon kennt, mit außergewöhnlich tollen Texten brilliert. Nur irgendwie mit mehr Bumms als gewohnt.
Wir fanden uns also am Sonntag im beschaulichen Heimathafen Neukölln ein, einer wunderschönen Location. Herr Wiebusch glänzte auf der Bühne, von der riesigen Diskokugel beschienen und zeigte während der Sprechgesangsparts sogar seine Danceskills, weil er – anders als bei kettcar- keine Gitarre halten musste. Alles war super, wären da nicht die drei Frauen neben mir gewesen.

Diese Damen hatten augenscheinlich schon einiges intus. Man könnte sagen, sie waren dicht. Und wenn ich sage dicht, dann meine ich hackedicht. Sie tanzten nicht, sie torkelten. Sie schauten nicht, sie schielten. Sie sangen nicht, sie lallten. Ich frage mich ja sowieso immer, warum man auf ein Konzert geht um sich dann da volllaufen zu lassen. Wenn ich, sagen wir mal mindestens 20 Euro für eine Karte ausgegeben habe, dann will ich mich doch auch am nächsten Tag daran erinnern können. Sonst kann ich mir das ja auch gleich sparen.
Im Umkreis von einem Meter hatten diese Damen jedenfalls bereits Alkohol verschüttet. Dementsprechend hielten die Menschen Abstand von ihnen. Aber nicht nur deshalb, sondern auch weil sie alles mit einem ohrenbetäubenden “Whooooooooooooooooooo” kommentierten.
Bei How I met your mother hatte man für solche Damen mal den Begriff Whoo-Girls entwickelt. Wie der Kuckuck sind sie nach dem Laut benannt, den sie von sich geben.
Konzerte sind natürlich eine der spärlichen Gelegenheiten für jeden von uns mal sein Whoo-Girl rauszulassen. Aber diese Damen übertrieben es irgendwie. Sie whooten nämlich immerzu. Während der Songs und dazwischen und auch wenn Herr Wiebusch etwas erzählte.
Whoooooooooooooo.
Das nervte schon ein bisschen. Wenn der Künstler spricht, dann hält man nämlich die Schnauze – Konzert-Regel Nummer 1.
Man muss außerdem noch erwähnen, dass die Musik von Herrn Wiebusch jetzt nicht unbedingt so gestaltet ist, dass man dazu ausrasten müsste. Wir sprechen hier nicht von Liedern wie Song 2 von Blur, bei denen es quasi Pflicht ist, zu whoohen. Nein, es geht hier um Songs, die vor allem durch Ihre Texte überzeugen. Da muss man halt auch mal zuhören und nicht nur kreischen.
Diese Damen gingen mir also ziemlich auf den Zeiger. Meinen Respekt hatten sie sowieso schon verloren. Denn als Herr Wiebusch den kettcar Song 48 Stunden anstimmte, was einer meiner absoluten Lieblingssongs ist, sangen sie mit – was an sich ja überhaupt nicht verwerflich ist. Aber sie sangen zum einen sehr laut, und zum anderen konnten sie den Text nicht. Danach whooten sie wieder gehirnverbrannt. Vermutlich weil sie so schön gesungen hatten. Wenn ich den Text nicht kann, singe ich nicht lautstark mit – Regel Nummer 2.
Ab und an fühlte ich mich schlecht weil sie mich so nervten, kann ja schließlich jeder Spaß haben wie er will. Wer bin ich, dass ich anderen Leuten mental vorschreibe, wie sie sich zu amüsieren haben? Aber auf der anderen Seite schmälerten die Damen halt mein eigenes Amüsement ein wenig, insbesondere das Amüsement meines Trommelfells. Glücklicherweise merkte ich aber schnell, dass ich mit meiner Abneigung nicht alleine war. Denn als die Mädels wieder zu einem Whoooooooo Ausbruch ansetzten, brüllte jemand ganz laut von hinten: SCHNAUZE!
Nicht, dass sie sich dadurch von irgendwas hätten ablenken lassen. Ich bezweifle ja, dass sie überhaupt noch irgendwas mitbekommen haben. Genauergesagt wunderte ich mich, wie die überhaupt noch gerade stehen konnten.
Ich will auch eigentlich gar nicht so tun, als ob ich nie das eine oder andere Bier trinken würde. Nein, ich hab auch ab und an mal gerne einen im Tee. Aber es gibt Grenzen, die man eigentlich auch kennen sollte wenn man nicht mehr 16 ist. Und diese Grenze hatten diese Damen weit überschritten. Als ich zu ihnen herüberblickte, konnte ich nämlich sehen, wie eine von ihnen versuchte in die Hände zu klatschen, aber so besoffen war, dass sie nicht mehr traf. Ihre Hände verfehlten sich einfach. Mehrmals. Ich an ihrer Stelle hätte mich eventuell gefragt, ob das jetzt vielleicht der absolute Tiefpunkt in meinem Leben war.
Ich hatte ja mal einen Ex-Freund, der konnte nicht im Takt klatschen, aber immerhin konnte er seine rechte und linke Hand zusammenführen. Das ist an sich auch keine große Leistung. Jeder kann klatschen. Nun ja, fast jeder. Deshalb lautet die dritte und wichtigste Regel, die im übrigen nicht nur auf Konzerten Anwendung finden sollte: Wenn du nicht mehr in die Hände klatschen kannst, geh Heim.

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