Endlich (Ho ho ho)

What’s up, Grinches?
Totensonntag ist vorbei, die Weihnachtsbeleuchtung ist an, wir befinden uns damit ganz offiziell in der Weihnachtszeit. Das ist keine Übung. Ich wiederhole: Weihnachtszeit. Bewaffnet euch mit Pfefferkuchen, füllt die Wassertanks mit Glühwein und befüllt die Streuer bis zum Anschlag mit bunten Streuseln.
Aber jetzt mal ernsthaft: Wenn ihr jetzt langsam endlich alle mal in Weihnachtsstimmung kommen würdet, das wäre nett. Wenigstens ein bisschen. Bitte! Einer vielleicht? Hallo…jemand da?
Denn ich selbst bin schon seit August im Weihnachtsmodus – und ich muss sagen, damit steht man im Spätsommer ziemlich alleine da. Ganz recht. August. Ich habe bereits immer Sommer eine Playlist auf Spotify mit Weihnachtsliedern erstellt und höre diese seither und summe seit dieser Zeit auch O du fröhliche. In aller Öffentlichkeit! (Fragt meine Kollegen, die können das mit einem Augenrollen bestätigen). Im September habe ich dann Lebkuchen gekauft und im Oktober bereits Plätzchen und Spekulatius Muffins gebacken. Als ich dann neulich mal ein Wochenende damit verbracht habe, alle Harry Potter Filme zu gucken, war es dann in weihnachtlicher Hinsicht absolut um mich geschehen. Denn, ihr müsst wissen, Weihnachten in der Zaubererwelt und besonders in Hogwarts ist absolut super. Mal abgesehen von dem einen Jahr, in dem Harry zu Weihnachten das Grab seiner Eltern in Godric’s Hollow besucht, dort weint und dann später von einer riesigen Schlange angegriffen wird, die aus dem Körper der alten Bathilda Bagshot kriecht (Ups, Spoiler Alert). Aber das kann man ja verdrängen.
Seitdem horte ich jedenfalls Christbaumschmuck in meiner Wohnung. Aber ich kaufe ihn nicht nur, ich bastle in auch selbst. Der Anspruch ist nämlich den diesjährigen Baum ausgesprochen geeky zu gestalten – und das, was ich da dranhängen will, gibt’s eben nicht zu kaufen. Und außerdem ist basteln halt einfach super. Als Erwachsener hört sich das aber immer irgendwie doof an, wenn man sagt man bastelt grad was. Nur zu Weihnachten, da geht das. Und guckt mal, was dabei schon schönes rausgekommen ist: Kugeln mit Geschichten drin. Zitate aus Harry Potter, Sherlock Holmes und aus der Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens. Weil Weihnachtszeit nämlich so eine gute Zeit ist sich Geschichten zu erzählen:

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Ich meine, die sind mir ganz gut gelungen. Und es hat bestimmt nur 3 Stunden gedauert die Zettel alle auszuschneiden, sie zu rollen und dann da reinzustecken. ABER das war’s wert. Finde ich zumindest. Weihnachtszauber und so.

Zwischen den Zeilen könnte man unterdessen vielleicht herausgelesen haben, dass ich Weihnachten mag. Das gebe ich jetzt zu, ganz offiziell. Aber ich weiß ehrlichgesagt nicht so genau, wie es dazu kommen konnte. Vielleicht lag es an den Geistern, die mich im letzten Jahr aufgesucht haben. Der Geist der vergangenen, der gegenwärtigen und der zukünftigen Weihnacht…Okay, das ist natürlich Humbug (aber trotzdem ‘ne gute Story).
Aber es ist mir tatsächlich bereits letztes Jahr aufgefallen, als ich plötzlich im Takt zu Jingle Bells mit dem Kopf wippte. Der Wandel vom Grinch zum Weihnachtself vollzog sich schleichend, von “Ich hasse Weihnachten” über “Eigentlich ist Glühwein ja doch ganz lecker” dann zu “Last Christmas ist gar nicht so schrecklich wie alle immer behaupten” bis hin zum heutigen Stadium, in dem mein Hirn quasi nur noch goldenen Sternen und kleinen Weihnachtsmützen besteht.
chandler - exited

Und ja, ja, ich weiß, viele können Weihnachten nicht leiden. Und vielleicht habt ihr da alle auch gute Gründe zu. Und ja ich weiß, auf der Welt geschehen so viele schreckliche Dinge, dass es eigentlich nichts zu feiern gibt. Aber auf der anderen Seite, wird die Welt auch nicht besser wenn ich mich nicht freue. Und schließlich das Top-Argument der Grinche: Weihnachten ist doch nur Kommerz. Und ja klar, das mag vielleicht teilweise sogar stimmen. Aber man muss sich dem ja nicht hingeben.
Mir geht es ja auch gar nicht um Geschenke. Mir geht’s um bunte Lichter und darum, flauschige Weihnachtspullis anzuziehen, mit Freunden zusammenzukommen, Punch zu trinken, über Weihnachtsmärkte zu schlendern, Die Geister, die ich rief und das Wunder von Manhattan und Doctor Who Weihnachtsspecials zu gucken, Weihnachtsbäume zu schmücken, Geschichten zu lesen, dankbar zu sein, für das was man hat, Plätzchen zu backen und an Heiligabend Kartoffelsalat mit Würstchen zu essen.

Die Grinche dürfen sich jetzt gerne angewidert abwenden während mir hier die weihnachtliche Suppe noch einen Monat lang aus den Ohren läuft.
An alle anderen: Fröhliche Weihnachten! Tralalalalalalalala. La!
doctor who - christmas

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How Not To: Bartpflege

Neulich saß ich nach Feierabend mit meiner frisch erworbenen Brigitte in der Regionalbahn nach Potsdam. Ich las mich gerade durch die neuesten Innovationen in der Kartoffelküche (der ausschlaggebene Artikel für den Kauf). Aber nicht nur, dass die Gerichte eigentlich auch nur alte Hüte mit neuen Schleifen waren, auch noch etwas anderes störte das Lesevergnügen. Es war ein brummendes, schabendes Geräusch. Brrrrrrrrrbrrrbrrr. Ich begann mich zu fragen, ob dieser Zug wohl ein kleines bis mittelschweres technisches Problem haben könnte, bis ich dann aufsah und schnell die Ursache des Geräusches ausfindig machen konnte: der Business-Typ mir gegenüber rasierte sich mit einem elektrischen Rasierer die Visage. Achso, na dann ist ja alles in Ordnung, dachte ich und widmete mich wieder meinem Magazin.
Moment mal. Das kann nicht stimmen. Ich schaute nochmals hin, er rasierte sich immernoch. Bizarr. Was wohl jetzt mit den Überresten seines Dreitagebarts geschieht? Als Mädchen kenne ich mich ja nicht so gut mit Elektrorasierern aus. Und die Exfreunde waren alle Nassrasierer. Ziehe kurz in Betracht, dass dieses Gerät die abgeschnittenen Barthaare vielleicht auch gleich aufsaugt wie ein kleiner Staubsauger. Andererseits hatte ich meinen Vater nie zu meiner Mutter sagen hören: “Wenn du einkaufen gehst, bring bitte noch neue Bartsaugerbeutel mit, der ist bald schon wieder voll.” Es war also viel wahrscheinlicher, dass die Haare einfach auf den Boden rieselten und wenn eine frische Briese durch die Türen wehte, sich mit der Atemluft im Raum verteilten. Ich buchte das öffentliche Bartschneiden deshalb direkt mal in die Kategorie “reudig”.
Merkwürdigerweise zeigten sich meine Mitreisenden äußerst unbeeindruckt. Die guckten nichtmal schräg. Ich begann mich zu fragen, ob ich wohl die einzige hier bin, die dieses Verhalten ungewöhnlich findet. Eventuell ist das ja auch heutzutage eine gewöhnliche Freizeitbeschäftigung. Und was sind deine Hobbies? Reiten, schwimmen und rasieren…
Die Dame auf der anderen Seite des Ganges brach allerdings nun in schallendes Gelächter aus. Na ein Glück, ich war nicht allein. Ich sah mit einem fragenden Blick zu ihr herrüber, der mit jeder Unze schrie: What the Fuck? Sie erwidert diesen. Wir lachten beide.
Mister Elektrorasierer fühlt sich von unserem Gegacker nun aber offenbar belästigt und setzte sich zwei Sitzreihen hinter uns ohne dabei den Rasierer abzustellen. Ich persönlich finde ja, er hatte wenig Recht dazu, sich belästigt zu fühlen, wo er doch hier seine Barthaare im ganzen Zug verteilte. Ich schabe mir hier ja schließlich auch nicht öffentlich mit einem Zungenreiniger den Belag von der Zunge.
Ich frage mich außerdem auch, wie es überhaupt zu dieser Situation kommen konnte. Hatte er das schon morgens so geplant? Schaff es jetzt nicht mich zu rasieren, muss aber gut aussehen für mein Date mit Agathe. Muss ich dann später im Zug machen. Oder war das mehr so eine plötzliche Eingebung? Fuck, ganz vergessen mich zu rasieren. Na zum Glück hab ich immer meinen Elektrorasierer dabei.
So oder oder so, die meisten Leute würden dafür vielleicht auf die Toilette gehen. Aber das war ihm hier im Zug vermutlich einfach zu eklig…

 

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Ärger im Bällchenbad

Gestern, am Tag des Mauerfalls, stand ich wie eine Million anderer Menschen an der Lichtergrenze. Dieses eine Mal störten mich auch die vielen Menschen nicht, weil ich es irgendwie schön fand, dass so viele gekommen waren um dem Anlass zu gedenken.
Ich stand dort mit Freunden, die ich vermutlich nicht kennen würde wenn die Mauer nicht gefallen wäre, oder zumindest nicht an einer Universität in Westberlin getroffen hätte.  Ich war also guter Laune, ohnehin schon den ganzen Tag irgendwie ergriffen, glücklich darüber wie viele Freiheiten wir hier heute genießen und vollkommen beseelt, was wohl auch vor allem damit zu tun hatte, dass ich auf der Fahrt zum Hauptbahnhof Wind of Change in Endlosschleife gehört hatte und nun quasi bis obenhin gefüllt war mit Mauerfallfreude. Die Ballons an der Lichtergrenze leuchteten munter vor sich hin, so wie ich in mir drin.

Dann um 19.20 Uhr sah man in Richtung Brandenburger Tor die ersten Ballons aufsteigen. Wir waren bis dato nicht ganz sicher gewesen, ob die Ballons alle auf einmal oder einer nach dem anderen losfliegen würden. Einer nach dem anderen also. Bis die Ballons in unserer Nähe in den Himmel steigen würde, würde also noch ein wenig Zeit vergehen. Wie kann man diese gut nutzen? Nicht etwa damit, andächtig die Lichterkugeln zu bewundern oder sich mal darüber zu freuen, dass man  hier stehen kann, völlig frei in seinen Entscheidungen, in der Lage über diese ehemalige Grenze zu schreiten wann immer man will.
Nein, die Menschen in unserem Umkreis hatten eine viel bessere Idee: sie beschwerten sich. Darüber, dass es viel zu neblig war beispielsweise (da kann man das nämlich gar nicht so gut sehen). Oder darüber, dass man im Dunkeln ja mit dem Handy keine besonders guten Fotos machen kann. Und an allem, so schien ist, waren die Organisatoren dieser Veranstaltung oder vielleicht sogar der Mauerfall selbst Schuld.
Mir widerstreben ja Leute zutiefst, die immer nach dem Negativem Ausschau halten, insbesondere dann wenn ich gerade etwas gut finde. Nicht dass etwas falsch daran wäre, den Mund aufzumachen, Misstände anzuprangern, Kritik zu üben, oder mal zu meckern. Das ist alles kein Problem, ich mache das ja auch…Aber man muss doch auch mal in der Lage sein, etwas zu würdigen und sich an Dingen zu erfreuen. Diese Eigenschaft scheint aber vielen Menschen irgendwo abhanden gekommen zu sein. Denn warum sollte man sich freuen, wenn man kritisieren kann? Restaurantbesuche sind dafür ein gutes Beispiel. Es scheint eine gewisse Befriedigung damit einherzugehen, jeden Mangel aufzudecken, und möge er auch noch so nichtig erscheinen. Was, die haben hier kein Tiramisu auf der Speisekarte? Das ist eindeutig der schlimmste Tag meines Lebens. Und überhaupt, diese Bratkartoffeln hier sind viel zu knusprig und der Teller war auch viel zu heiß. Und der Orangensaft war halt auch nicht frisch gepresst. Ärger im Paradies. Jedes Mal.
Dann schauffeln sie sich den Teller voll mit dem 8 Euro All you can eat beim Chinesen, um dann aus den vollgestopften Mundwinkeln verlauten zu lassen: In den gebratenen Nudeln sind viel zu wenig Sojasprossen.
Aber so ist er eben, der Deutsche. Will was sehen für sein Geld, im Idealfall ein 300g Rumpsteak vom Koberind an Biobackkartoffel für 4,99 Euro. Und auch wenn er nichts bezahlt hat, sondern einfach nur erschienen ist: er will was sehen.
Von diesem Schlag war auch die  Familie die ich gestern besonders ins Herz geschlossen hatte. Sie standen ein paar Meter hinter uns und sie waren ganz besonders unzufrieden. Zunächst wegen der Kälte, die an einem Novembertag wohl tatsächlich überraschend gekommen zu sein schien und weil sie hier blöd rumstehen mussten. Man könnte meinen, man hätte sie gezwungen hier zu sein. Aber als dann die ersten Ballons in den Himmel aufstiegen war schnell klar, was das wirkliche Problem dieses Abends war. Die Mutter des Clans ließ lautstark verlauten „Warum lassen die denn jeden einzeln hoch? DIT IS DOCH BLÖD!!“ Klar, es hätte mehr “Aaahh”s gegeben wären die alle gleichzeitig aufgestiegen wären, aber Rom wurde halt auch nicht an einem Tag erbaut. Kein Grund hier Terror zu machen und Dinge zu kritisieren, an denen man selbst keinen einzigen Deut mitgewirkt hat. Vermutlich stand diese Frau auch vor 25 Jahren an der Mauer und wunderte rum: Ey kloppen die jetzt hier jeden Stein einzeln raus? Dit is doch blöd!!
Aber dann endlich flogen die Ballons auch in unserer Sichtweite. Jetzt trieb sie Ihren Mann an: “Guck doch, da fliegense! Guck mal, mach doch mal n Foto!” Denn wenn Sie sich hier schon hinstellt, dann will sie auch ein Foto um das dann hinterher rumzuzeigen und zu sagen: Guckt mal die Ballons. Ich wollte die ja alle zusammen hochfliegen lassen, aber auf mich hört ja keiner.
Dann war das Fliegen vorbei, ein kurzes Feuerwerk war noch hinter dem Bundestag zu sehen. „Und dit wars jetzt?“, kann man sie fragen hören. Ja dit wars jetzt. Ach nee, wartet, David Hasselhoff wollte doch eigentlich noch nackt mit einem lustigen Hut, auf einem gespannten Drahtseil mit einem winzigen Fahrrad, I’ve been lookin for freedom singend, die Spree überqueren. Aber der ist leider durch einen Riss im Raum-Zeit Kontinuum gefallen und Silvester 1989 am Brandenburger Tor gelandet. Boaah wären wir mal lieber dahin gefahren.

Da nun aber kein Entertainment mehr zu erwarten war, löste sich die Menschenmasse schnell auf, auch unser Grüppchen. Ich wollte vollgestopfte S-Bahnen vermeiden und lief deshalb an der Spree entlang erstmal in Richtung Bahnhof Friedrichstraße und weil es da so voll war noch 2 Stationen weiter. Viele Menschen begutachteten auf dem Weg die Ständer, an denen einst die Ballons befestigt waren. Sie sahen nun aus wie eine große Ansammlung von hässlichen Stehlampen. lampen
Ich fragte mich, was wohl jetzt damit geschehen würde. Vermutlich würden Sie für weitere Lichtinstallationen verwendet werden können. Als ich den Bahnhof Naturkundemuseum betrat wurde mir allerdings vor Augen geführt was wirklich mit den Lampen geschah: Die Leute nahmen sie mit nach Hause. Stolz wie Oskar standen da zwei mit den erbeuteten Lampen in der Hand. Ich stand da und ein leises “What the Fuck?” kullerte mir aus dem Mund. Die Leute klauen auch echt alles… Und nicht nur diese beiden. In ganz Berlin gingen die Lampen verloren. Man braucht sich gar nicht die Frage stellen, ob diese Lampe mit dem Interieur des Wohnzimmers harmoniert, oder was man überhaupt damit will. Die Lampen sind umsonst, und deshalb nehmen wir die mit. Punkt aus. Eine Gratislampe ist ja wohl auch das mindeste was man erwarten kann, wenn schon nicht alle Ballons auf einmal fliegen und man hier stundenlange Warterei aushalten musste. Nein, das deutsche Volk lässt sich nicht mehr alles gefallen. Am 09. November 2014 steht es wieder für seine Sache ein und holt sich zurück was es verdient…

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Endstation Ödigkeit

Ich erstelle gerne Hitlisten. Deshalb ist so ziemlich alles in meinem Kopf mit einem Ranking versehen. Ich erstelle diese Listen um sie dann im mentalen Aktenschrank zu verwahren – der Übersichtlichkeit halber. Beste Serien (Sherlock auf Platz 1), Lieblingsbücher, die wohlschmeckensten Lebensmittel…ihr versteht das System. Diese Listen können und müssen natürlich von Zeit zu Zeit überarbeitet werden. Erst jüngst habe ich mein persönliches Ranking für den öffentlichen Nahverkehr in Berlin überdacht. Die Hitliste ist geordnet von annehmbar nach widerlich. Letztgenanntes ist also das verhassteste: 5. S-Bahn, 4. Bus, 3. Regio, 2. Tram, 1. U-Bahn.
Lange Zeit hielt sich die Tram auf Platz 1. Da ich aber nun seit einem Jahr vermehrt die U-Bahn nutze, war ich gezwungen die Liste umzustrukturieren.
Ich fahre nämlich jetzt  jeden Tag zwei mal 25 Minuten am Stück mit der Untergrundbahn und ich sage euch, 25 Minuten in der U-Bahn sind gefühlt 10 Jahre verlorene Lebenszeit. Seestr. – Ullsteinstr – hin und zurück, insgesamt 50 Minuten am Tag. Wenn man den Punkt erreicht hat, an dem man so routiniert und vertraut mit der Route ist, dass man anhand der Anzahl der ein- und aussteigenden Personen abschätzen kann, an welcher Haltestelle man sich befindet ohne rauszugucken, verliert das Ganze irgendwie an Reiz. Nicht, dass der Reiz jemals groß gewesen wäre. Aber nun ist er eben vollständig verschwunden und wurde mit einer äußerst ausgeprägten Langeweile und einer Abneigung gegen ebendiese und das Verkehrsmittel an sich ersetzt. Wenn ich mich nicht langweile oder meine Abneigung vertiefe, denke ich nach. Generell hat man während einer U-Bahnfahrt ja viel Zeit, einige Dinge zu überdenken. Ergo: das neue und verbesserte Nahverkehrsranking. Ich habe außerdem ergründen können, warum mir die tägliche U-Bahnfahrt so zuwider ist. Es hat mehrere Ursachen, die Abneigung ist quasi multikausal.

Zum einen wäre da die Tatsache, dass die Bahn unterhalb der Erde verläuft und somit eher selten Tageslicht in den Waggon dringt. Wie eine gelbe Ringelnatter schlängelt sie sich durch den Berliner Untergrund und verschluckt Leute hier um sie dort wieder rauszupupen. Der Menschheit ist natürlich für diese glorreiche Erfindung zu beglückwünschen und hat sicherlich für die Tatsache, dass sie die Natur mal wieder ausgetrickst hat ein aufmunterndes Schulterklopfen verdient. Allerdings ist der Mensch nun von der Natur nicht dazu vorgesehen, unter der Erde zu leben. Wenn dem so wäre, würde er das auch tun. Er tut es nicht – denn er braucht Licht, die Abwesenheit desselbigen führt belegtermaßen zu Stimmungsverdunklungen (Stichwort: Winterdepression). Heißt also: Viel U-Bahn = viel Dunkelheit = viel Traurigkeit.
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Vielleicht ist das auch einer der Gründe dafür, dass die Menschen in der U-Bahn in der Regel eher griesgrämig daherkommen. Der Berliner an sich ist jetzt ja sowieso nicht der fröhlichste und schon gar nicht der freundlichste. Es liegt nicht in seiner Natur, die ganze Zeit dummdreist grinsend durch die Weltgeschichte zu stolpern. Aber in der U-Bahn wird dieser Eindruck noch verstärkt. Vielleicht liegt es auch am stroboskopartigen Licht, aber wenn man sich die Fahrgäste mal genau anguckt – und das tue ich, weil ich während der Fahrt ja nichts anderes zu tun habe außer Musik zu hören – sehen die alle irgendwie unglücklich aus. Das liegt vielleicht auch an der U6, mit der ich täglich fahre und in der diese Gedanken entstanden sind, die weder eine große Anzahl von Assis und Halunken (U8, U5 oder U9) noch Touristen (U2) sondern eher Leute die zur Arbeit fahren, befördert. Die arbeitende Bevölkerung scheint – anders als beispielsweise das Partyvolk in der Ringbahn – nicht glücklich zu sein. Reflektieren offenbar ständig, dass sie früher Astronaut, Pirat, Radiomoderator oder Heißluftballonkapitän werden wollten und jetzt stattdessen mit der U-Bahn zu einem ganz anderen Job fahren. Boulevard of broken dreams. Kurzum: Die U-Bahn ist die Trauerfeier des öffentlichen Nahverkehrs.

Natürlich könnte man sich von dem ganzen Elend ablenken. Man könnte zum Beispiel aus dem Fenster gucken. Ach nee, halt. Man sieht nur U-Bahntunnel. Und die Reflektion der eigenen Visage. Schön ist echt anders. Der Blick an die Wände des U-Bahntunnels ruft bei mir außerdem ein Gefühl der Beklemmung hervor. Was, wenn der Zug jetzt steckenbleibt? Zssschchhhh. Oh psssst, hört hier das? Das ist das Geräusch meiner langsam hochkochenden Panikattacke. Jedes Mal wenn der Zug kurz im Tunnel zum Stehen kommt, denke ich: Oh Gott, jetzt ist es soweit, wir sind im U-Bahntunnel gefangen. Wir werden ALLE sterben. Ich weiß natürlich, es gibt Notfallpläne für solche Situationen. Aber wir sprechen hier von der BVG – wer weiß schon, ob diese Pläne nicht aus Versehen, durch eine unglückliche Verkettung von Zufällen, als Füllung für die Polsterung der Sitze verwendet wurden… In Filmen in denen sowas passiert, gibt es immer einen Charakter, der ausgesprochen panisch reagiert und dann entweder an den Folgen des Nervenzusammenbruchs stirbt, oder – wenn es einen kriminellen Hintergrund gibt – vom Täter als erstes erschossen wird – einfach weil er so nervt. Das wäre mein Part.
Und wo wir auch schon von unguten Gefühlen sprechen. In einer vollbesetzten U-Bahn sind die Leute halt einfach ziemlich nah an dir dran. Der Wohlfühlabstand zu Fremden beträgt in der Regel rund einen Meter. Was in den wenigsten Verkehrsmitteln gegeben ist, aber in der U-Bahn ist der Platz noch weiter eingeschränkt als beispielsweise in der S-Bahn. Mal ganz davon abgesehen, dass die U-Bahn in Zeiten des GDL-Streiks eher Sardinenbüchse als Transportmittel ist. Was weder den U- noch die S-Bahnfahrenden gefällt. Die wollen nicht hier sein und wir wollen die hier nicht haben.

Hinzu kommen täglich die Charaktäre, denen man direkt beim ersten Zusammentreffen freundlichst eine schöne große Tasse Instant-Hass aufbrühen möchte. Leute wie Frau HierSitztMeineTasche, Fräulein AufrückenWirdÜberbewertet, die Herren LeseMeineÜbergroßeTageszeitungObwohlHierKeinPlatzIst und RückeImmerEinBisschenZuNahAnDichRan, der junge HörtEuchMalMeinenNeuenKlingeltonAn, Reisegruppe Ahnungslos, das Ehepaar RedenSoLautDamitIhrAlleDieLangweiligeGeschichteHörenKönnt (die auch der Hauptgrund dafür sind, dass ich in der Bahn meistens nicht lese) sowie der allseits beliebte Lord StinkeNachPisseUndBier.
Aber ich könnte diese Geißeln der Menschheit vielleicht ignorieren wenn mich Fahrt und Strecke nicht mitlerweile so anöden würden, dass es mich ärgert. Ich kann damit nicht umgehen, denn ich langweile mich wirklich nicht oft. Ich kann mich nämlich gut selber beschäftigen. Aber in der Öffentlichkeit sind diese Möglichkeiten begrenzt, sodass ich mich spätestens 15 Sekunden nach Fahrtantritt frage: Sind wir endlich da?

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Ihr kennt sicherlich das Gefühl, dass ihr etwas so langweilig findet, dass es euch ankotzt. Insbesondere seit ich angefangen habe Doctor Who zu schauen, der in einer Polizeibox durch Zeit und Raum reist, kommt mir die U-Bahnfahrt nicht nur unglaublich langsam sondern auch äußerst ereignislos vor. Aber selbst ohne Doctor Who Einfluss: U-Bahntunnel kommen in etwa dem Spannungslevel eines abgestandenen Wasserglases gleich. Und auch U-Bahnhöfe sind nach 500 Stops doch irgendwie nicht mehr so übermäßig interessant.

Einmal möchte ich auf dem Heimweg aus dem Fenster gucken, und feststellen, dass die Tunnel jetzt aussehen wie der Sternenhimmel oder dass am Bahnhof Mehringdamm alle Kopfstand machen und dabei gleichzeitig die Ode an die Freude singen. Das ist doch wohl wirklich nicht zu viel verlangt. Aber nein, jeden Tag der selbe Mist. Täglich grüßt das U-bahntier. Immer nur fahren, fahren, fahren. Deshalb verlasse ich dieser Tage öfter mit dem Gedanken „Fuck This Shit!!!!“ verfrüht die Bahn um Teile des Weges zu Fuß zurückzulegen. Erschreckenderweise ist die Erdoberfläche auch nur mäßig spannender, aber immerhin sehr viel besser belüftet.
Und morgen früh fahre ich dann endlich wieder mit der U-Bahn. So wie jeden Tag. Ich kann’s kaum erwarten.

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Blogparade – Halloween Edition

Es ist mal wieder soweit: Blogstöcken! Oder auch Blogparade – man kann es nennen wie man will. Fakt ist, die wunderbare Robin hat mich nicht nur nominiert, nein, sie hat sogar selbst eine Blogparade erschaffen und sich dafür höchst selbst einige Fragen ausgedacht. Saisonal bedingt geht es dabei um Halloween und alles was man so damit verbindet – Tod, Geister, Jenseits, Horror  – quasi all das, über das ich eigentlich versuche nicht zu oft nachzudenken, aber es jetzt mal trotzdem tue.

Die Regeln der robin’schen Blogparade sehen wie folgt aus:
– Die Fragen beantworten. Es sind ursprünglich 9 gewesen (auch wenn Robin 10 gezählt hat), aber weil ich ungerade Zahlen unbefriedigend finde, habe ich noch eine hinzugefügt. Frage 10 ist also variabel und kann ausgetauscht werden.
–Anschließend die Fragen weitergeben (fast wie eine Nominierung im BigBrother Haus aber cooler weil netzwerken fetzt.)
– Einen Link hinterlassen, wenn ihr die Fragen beantwortet habt.

Wissen alle was zu tun ist? Ja? Na dann mal los.

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1. Für die einen ist es ein blöder Ami-Brauch, für die anderen ein ernsthafter Feiertag: Wie ist deine Meinung zu Halloween?
Ich persönlich feiere Halloween nicht. Was zum Großteil daran liegt, dass ich nicht damit aufgewachsen bin und das hier in Deutschland generell keine traditionelle Verwurzelung hat. Ich kann die Begeisterung allerdings irgendwie verstehen – soll halt jeder feiern was er will. Und vielleicht in ein paar Jahren, finde ich Halloween vielleicht sogar gut – wer weiß das schon. Kürbisse mag ich jedenfalls – insbesondere wegen ihres Geschmacks.

2. Feierst du Halloween und wenn ja, wie?
Glücklicherweise fällt Halloween in diesem Jahr auf einen Freitag. Dementsprechend werde ich an Halloween das tun was ich freitags immer tue: arbeiten, dann nach Hause gehen, die Jogginghose anziehen, mir was schönes kochen (aus gegebenem Anlass vielleicht ‘ne Kürbissuppe) und in meinem Bett liegend sinnlos im Internet surfen. Traditionen müssen gewahrt werden.

3. Was ist dein Lieblingskostüm?
Es ist tatsächlich schon lange her, dass ich mich verkleidet habe. Im Kindergarten hatte ich ein Pipi Langstrumpf Kostüm was meine Oma selbst genäht hatte. Das war ziemlich cool.
Würde ich mich jetzt verkleiden, wäre es vermutlich nichts gruseliges sondern irgendwas geekiges. Harry Potter, Doctor Who oder Sherlock Holmes. Und gesetzt den Fall, dass ich irgendwann mal wieder einen Partner habe und wir gemeinsam auf eine Halloween Party gehen, werden wir uns als Chip und Chap verkleiden (ich bin Chip(!) und mein hypothetischer Freund wird das akzeptieren).

4. Was war dein Kindheitsmonster? 

Nope.

Nope.

Uuurghhhs.

Uuurghhhs.

Gremlins! Natürlich nicht der süße kuschlige Gizmo sondern die nassen, zähnefletschenden, spitzzähnigen, fiesen Gremlins.
Und dann natürlich General Woundwort aus dem Film Watership Down, der eigentlich nun wirklich kein Kinderfilm ist aber fälschlicherweise allen Kindern in meiner Grundschule gezeigt wurde. (Ist ja ein Trickfilm mit Hasen. Voll süß).
Um mal ganz ehrlich zu sein, beides gruselt mich immernoch ein bisschen. 

5. Viele Leute schwören, nicht abergläubisch zu sein. Aber Hand auf’s Herz: Jeder glaubt doch irgendwie, Glück und Pech beeinflussen zu können. Welchem Aberglauben hängst du an? 
Dreimal auf Holz klopfen wenn man sich die Zigarette an einer Kerze anzündet (sonst stirbt ein Seemann!)

6. Glaubst du an Geister?
Kurze Antwort : Nein. Lange Antwort: Jein.
An “richtige” Geister glaube ich nicht. Alle derartigen paranormalen Phänomene die beobachtet wurden, können entweder bereits physikalisch erklärt werden und werden in der Zukunft mittels neu entdeckter Verfahren und Entdeckungen aufgeklärt werden können.
Geister sind allerdings meist metaphorisch. Sagt man so etwas wie: “Er wird vom Geist seiner verstorbenen Frau heimgesucht” meint man entweder psychische Störungen oder in den meisten Fällen eine Erinnerung. Ich denke außerdem, dass der Gedanke, dass Menschen, wenn sie von uns gehen, etwas wie ihre Seele zurücklassen, nur aus dem Wunsch heraus entsteht, sich nicht endgültig trennen zu müssen. Müssen wir aber auch gar nicht, Menschen leben ja in Erinnerungen weiter. Heißt also: Geister sind Erinnerungen.

Sollte ich mit dieser Antwort irgendwelche echten Geister verärgert haben: Bitte sucht mich nicht heim um mich eines Besseren zu belehren.

7. Der Tod lauert überall… In welcher Situation ist dir mal der Gedanke gekommen: “Ich hätte gerade sterben können?”
Vor ein paar Jahren hatte ich es eilig und bin bei rot über die Ampel. Ein Typ hat mich noch an der Jacke festgehalten sonst hätte mich die heranfahrende Tram vermutlich voll erwischt. Danke, Unbekannter, ich schulde dir echt was und werde nicht zögern dich mal an der Jacke festzuhalten!
Und was lernen wir daraus liebe Kinder? Wenn die scheiß Ampel rot ist, dann bleibt man stehen!

8. In unserer heutigen Zeit wird der Tod gerne ausgeblendet. Wie gehst du persönlich damit um?
Ich bin mir durchaus bewusst, dass wir alle irgendwann sterben müssen. Das heißt aber nicht, dass ich keine Angst davor habe. Soweit es geht, versuche ich die Gedanken an den Tod auszublenden. Schon allein deshalb weil der Gedanke an meinen eigenen oder noch viel mehr der Gedanke an den Tod von Familienmitgliedern oder Freunden in einer Panikattacke mündet. Darauf kann ich verzichten. Die Hände schwitzen bereits, ich höre jetzt auf darüber nachzudenken.

9. Ich lege dir 1000 Euro in bar auf den Tisch und einen Zettel, auf dem steht “Hiermit verkaufe ich dem Besitzer dieses Vertrags meine Seele”. Würdest du das Geld nehmen und ihn unterschreiben?
Ich weiß nicht so genau. Das hinge davon ab, wie dringend ich grad Geld brauche. Man will natürlich nichts riskieren aber ich habe in meiner Jugend mal die Seele eines Pfarrerssohns für läppische 50 Cent erworben. Und dem ging’s gut. Unglücklicherweise habe ich den Zettel verloren. Aber lieber A.S., deine Seele gehört rechtmäßig immernoch mir. Muahhahaahahhahahahahaah!

10. Karos Bonus Frage: Wem würdest du gerne mal einen Halloween Streich (Haus in Toilettenpapier wickeln oder gerne auch kreativer) spielen?
Ich persönlich hätte da eine ehemalige Lehrerin im Sinn, die mich mal vor der ganzen Klasse gefragt hat ob ich so doof bin, oder nur so tue. Blöde Kuh.

Ich gebe die Fragen nun weiter an querkeks (weil es auf diesem Blog mehr Artikel geben muss!), erdmannlibob, Mama007, thorgefährlich, Carla und 3vorDrei (wenn die Beantwortung der Fragen thematisch nicht zum Blog passt, könntest du ja vielleicht was halloweeniges häkeln). Und natürlich an alle, die sonst noch mitmachen wollen. Wer keinen Blog hat oder ihn nicht nutzen will, kann auch gerne was in die Kommentare schreiben.

Zum Schluss noch ein paar halloweenige Links damit die Halloween Party an der ich nicht teilnehmen werde ein Erfolg wird:
Wie man man einen köstlichen Brownie Friedhof zur Verköstigung bäckt, lernt man in diesem Video mit den vermutlich schönsten britischen YouTubern.
Was man aus seinem Kürbis so schnitzen kann, lernt man hier und was man besser nicht schnitzen sollte, hier.
Wer noch keine Ideen für Kostüme hat, wird bei 437 Halloween Costume Ideas For Absolutely Everyone bestimmt fündig, oder zumindest richtig weitergeleitet. Oder geht lieber gleich zu 23 Halloween Costume Ideas For The Pun-Lover In You (*kichert unkontrolliert*). Damit sieht man beim Sich-vor-Angst-fast-ins-Hemd-machen auf jeden Fall gut aus.
In diesem Sinne: Happy Halloween. Und bitte seid lieb zu Geistern, die haben es echt nicht leicht.
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Hirnis Gutenachtgeschichten

Wusstet ihr eigentlich, dass Delfine die Fähigkeit haben jeweils nur mit einer Hälfte Ihres Gehirns zu schlafen, während die andere Hälfte ganz normal weiterarbeitet? Dadurch können sie gleichzeitig wach sein und schlafen. Wenn das mal kein evolutionärer Vorteil ist weiß ich auch nicht. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Delfine diesen Planeten beherrschen werden, das sag ich euch jetzt mal.
Aus diesem und anderen Gründen, wäre gern ein Delfin. Bin ich aber nicht. Ich muss ganz regulär schlafen, wie alle anderen auch. Das Problem ist, ich bin ein Nachtmensch und als solcher erreicht mein Hirn so zwischen 23 und 2Uhr seine Höchstleistung. Das ist aus vielerlei Hinsicht ungünstig aber insbesondere weil man ungefähr zu dieser Zeit schlafen sollte, wenn man am nächsten Tag nicht permament den Wunsch verspühren möchte, den Kopf mal kurz auf der Tischplatte auszuruhen.
In der letzten Woche hatte ich Urlaub. Urlaub haben fetzt, insbesondere weil ich um 4 Uhr schlafen gehen und um 14 Uhr aufstehen konnte. Der Tag nach dem Urlaub ist aber immer schrecklich und lässt alle, im Urlaub errungene, Entspannung wieder schwinden. Der Tag der Müdigkeit. Der Tag nachdem man nicht einschlafen konnte.
Dabei bin ich extra 8 Kilometer gelaufen um abends schön müde zu sein und ich lag um 23 Uhr artig im Bett, fest entschlossen zu schlafen. Nichts würde mich von meiner wohlverdienten Erholung abhalten. Aber dann kam er und piesakte mich mit einem Stock. Puff, puff, puff. Der Teil meines Gehirns, der mich unter allen Umständen vom Schlafen abhalten will. Ich vermute es ist der gleiche der auch für Ablenkungen a la “Oh guck mal, ein Schmetterling” und “Ich sollte unbedingt alle 10 Minuten meine Mails checken” verantwortlich ist.
Nachdem ich gestern nun circa eine Stunde im Dunkeln gelegen hatte, sickerte ich langsam in ein wohliges Stadium der Müdigkeit, denn ich wusste genau, wenn ich nicht schlafe, wird morgen alles in einem dunklen Nebelschleier aus Müdigkeit liegen. Das war aber egal denn der ADHS Teil meines Hirn war nun wach. So wie er immer kurz vor dem Schlafen erwacht und ließ mich über willkürlichen Scheiß nachdenken. Hier ein kurzer Ausschnitt:
“Hey. Hey. Hey! Karo? Bist du wach?”
“Hmmm.”
“Lass uns einen Kuchen backen.”
“Nein”
“Warum nicht?”
“Es ist 0 Uhr. Ich muss morgen wieder arbeiten und will nicht wie ein Zombie aussehen.”
“Karottenmuffins….Spekulatius-Cupcakes…Brownies…Schokotorte”
“Alter, nein.”
“Wie wärs dann mit einer Sherlock Holmes Geschichte? Lass uns was lesen. Nur 10 Seiten. Komm schon. UNTERHALTE MICH!”
“Nein.”
“Dann vielleicht eine Folge Doctor Who? Staffel 8 ist großartig, was? Willst du nicht mal eine Hitliste der Doktoren erstellen?”
“Nein.”
“Du weißt, du willst es”
“4. Matt Smith, 3. Christopher Eccleston, 2. Peter Capaldi, 1. David Tennant?”
“David Tennant hat ja auch mal bei Harry Potter mitgespielt”
“Und?”
“Nichts, wollt ich nur mal gesagt haben. Harry Potter ist cool. Wie geht eigentlich der Erlkönig?”
“Wer reitet so spät durch Nacht und Wind, es ist der Vater mit seinem Kind. Er hat den Knaben wohl in dem Arm, er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.”
“Und weiter?
“Irgendwas mit Erlkönigs Töchtern am düsteren Ort und ‘Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif'”
“Aber genau weißt du es nicht, was?
“Nein.”
“Du solltest mal googlen. JETZT”
*Googelt* “Zufrieden?”
“Wenn du schon dabei bist, könntest du mal rausfinden wie alt Haie werden können. Und gucken ob einer was auf lustiges auf Facebook gepostet hat”
“Nein. Ich schlafe jetzt”
“Twitter?”
“Nope”
“Tumblr?”
“Maul halten.”
“Es ist ganz schön still draußen. Ungewöhnlich still. Vermutlich sind alle tot.”
“Du machst mir keine Angst”
“Ach nein? Frank, der Hase aus Donnie Darko.”
“Was ist mit dem?”
“Er ist in deinem Schrank”
“Fick dich…”
“Du musst übrigens dringend pinkeln. Auf dem Weg zum Klo könntest du darüber nachdenken ob  hier in der Wohnung schon mal einer gestorben ist.”
“Vermutlich”
“Ganz schön gruselig.”
“Hmmm.”
“Und erinnerst du dich an die Szene aus Fargo in der Martin Freeman seine Frau mit dem Hammer erschlägt?”
“Hatte ich bis eben verdrängt. Aber jetzt wo du es sagst. Danke”.
“Ebola!”
“Ziemlich unwahrscheinlich sich hier anzustecken. Quasi gleich null.”
“Aber der eine Typ vorhin im Park hatte ne Atemmaske auf”
“Wird wohl seine Gründe gehabt haben.”
“Laufen auch ganz schön viele Verrückte hier rum. Hast du eigentlich abgeschlossen?”
“Ja.”
“Ich an deiner Stelle würde ja lieber noch mal nachgucken.”
“DIE TÜR WAR ABGESCHLOSSEN”
“Ja okay, dann kannste jetzt ja schlafen.”
“Danke”
“SEX. Hihihihihi.”
“Idiot.”
“Ich an deiner Stelle würde übrigens lieber jetzt noch ein zweites Mal pinkeln gehen. Sonst pullerst du dir nachts ein. Wie damals als….”

Mit Verlaub gesagt, Sie, Sir, sind ein Arschloch.
Ganz ehrlich, was soll das? Wieso macht das Gehirn das? Und vor allem, wieso macht es das genau dann wenn man schlafen will? Das ist doch kontraproduktiv. Oder hat das irgendeine evolutions- oder neurobiologischen Grund? Da weiß ich ja schon, was ich heute Nacht googeln werde.
In diesem Sinne: Gute Nacht.
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Neuer Blogbeitrag :(

Wromoticophobie (Zusammensetzung aus engl. wrong = falsch, emoticon (auch: Smiley) und altgriechisch Phobie = Angst) bezeichnet die Angst bei der virtuellen Kommunikation ein unangebrachtes Emoticon einzusetzen.
Wie, dieses Wort ist euch nicht geläufig? Das könnte eventuell daran liegen, dass ich mir das grad ausgedacht habe. Wortneuschöpfungsbullshit quasi. Wird sich aber bestimmt trotzdem durchsetzen. Denn mit dem Vormarsch und Etablierung der Emoticons in den virtuellen Sprachgebrauch sieht sich die Sprachgemeinschaft neuen Problemen gegenüber, die, auch wenn man sie nicht lösen kann, zumindest korrekt benannt werden müssen.
Ich will kurz illustrieren wie ich mir des ungewöhnlichen Phänomens bewusst wurde:
Damals bei StudiVZ (für die jüngeren Leser: das ist ein mittlerweile obsoletes soziales Netzwerk, das wir in grauer Vorzeit hier in Deutschland nutzten weil uns noch niemand was von Facebook erzählt hatte) erreichte mich eine äußerst verstörende Nachricht: Wir hatten gerade einen Autounfall :)
Ein Autounfall allein ist natürlich schon schockierend genug. Aber der Smiley dahinter ließ mich beim Lesen dann doch irgendwie an der mentalen Zurechnungskraft meiner Gesprächspartnerin zweifeln. War M. vielleicht verrückt geworden und rammte zum Spaß andere Autos? Ich meine, klar, jeder amüsiert sich auf seine Weise, aber das geht ja dann doch irgendwie ein bisschen zu weit.
In meinem Kopf überschlugen sich die Theorien, wieso man sich wohl über dieses Unglück freuen könnte, eine haarsträubender als die andere. Und was sollte ich jetzt darauf antworten? Sollte ich überhaupt etwas antworten oder vielleicht lieber die Polizei rufen? Sicherheitshalber fragte ich nach: “Und da freuste dich?”
Was war also wirklich geschehen? Nein, man hatte keine Freude daran Leute zu überfahren, man hatte sich auch keine schlimme Kopfverletzung zugezogen, die die Verwirrung erklären würde (überhaupt niemand wurde bei diesem Unfall verletzt) und man freute sich auch nicht auf die Versicherungssumme. Nein, man hatte einfach die verkehrte Klammer gesetzt, damit den falschen Smiley erzeugt und so der Nachricht einen äußerst bizarren Charakter verliehen.
Diese Erinnerung schlummerte nun mehrere Jahre in meinem Unterbewusstsein nur um heute wie aus dem Nichts aufzuploppen. Nachdem ich mich dann 10 Minuten lachend auf dem Boden gekugelt und meine Nachbarn vermutlich verstört habe, habe ich mich nun wieder einigermaßen beruhigt und möchte diese unerwartete Erinnerung als Anlass nehmen, eine Warnung auszusprechen: Obacht bei der virtuellen Kommunikation!  :) statt :( –  Shift+9 statt Shift+8 – und schon halten einen die Mitmenschen für durchgeknallt. Wurde heute gekündigt :) Tante Erna ist gestorben :) Der Gerichtsvollzieher war da und hat alles mitgenommen :) – ganz schnell bekommt man da statt des erwarteten Mitgefühls eine freundliche Empfehlung sich mal von einem Psychologen durchchecken zu lassen.
Mit den Smartphones wurde die Gefahr nur noch größer: einmal nicht aufgepasst oder zu fette Finger gehabt und schon hat man als Antwort auf die romantische Aussage “Ich freu mich auf dich” anstelle des Smileys mit Herzchen in den Augen den kleinen Scheißehaufen verschickt. Wromoticophobie ist in vielen Fällen berechtigt.
Deshalb: Immer wachsam, Kinder, immer wachsam!

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Das verschollene Schwein

Es gibt Dinge im Leben, die vergisst man nicht. Bestimmte Erinnerungen attackieren einen von Zeit zu Zeit wie aus dem Nichts. Küsse, Liebeserklärungen, Herzensbrüche, Enttäuschungen, Lachanfälle – in diesem Rahmen bewegt sich das normalerweise bei mir. Und dann ist da noch die Geschichte vom Katzenschwein. Es ist eine Geschichte von Stolz, Verrat, Enttäuschung und Verlust. Und doch entbehrt sie einer gewissen Komik nicht.
Es ist schon lange her, ich war damals noch in der Grundschule – wir befinden und also irgendwo zwischen 1994 und 2000. Vermutlich eher zwischen 96 und 99, denn ich hatte bereits den überwiegenden Teil meiner Milchzähne gegen richtige getauscht, aber war noch nicht auf dem Sprung ins Gymnasium. Es war an irgendeinem Projekttag, der vermutlich sogar unter irgendeinem Motto stand, daran vermag ich mich nicht mehr zu erinnern. Was ich aber weiß ist, dass ich an diesem Tag ein Kunstwerk geschaffen habe. Bei irgendeiner Tante am Bastelstand zwischen Musikraum und dem Zimmer wo man immer die Frühstücksmilch abholen konnte. Vollmilch, Erdbeer oder Schoko – ich hatte immer Schoko und war mindestens der Zweitbeste im Milchwetttrinken. Besser war nur Martin P., der ebenfalls Schokomilch trank. Aber ich schweife ab.
Das Bild jedenfalls war kein ordinäres Gekrakel – nein, ich hatte hier nicht nur mit Stiften oder Pinseln sondern auch mit zerschnittenen Stofffetzen gearbeitet. In meiner beinahe beispiellosen Kreativität hatte ich etwas auf’s Papier gebracht, was alle Kinder produzieren weil der Verstand gar nichts anderes kennt: Ein Haus und ein Tier – in diesem Fall eine Katze. Es war eindeutig eine Katze – ich betone das jetzt, denn es wird noch von Bedeutung sein.
Und auch wenn die Tante mich zunächst fragte, ob das wirklich eine Katze wäre, was ich bejahte, stieß das Kunstwerk auf große Zustimmung. So große Zustimmung sogar, dass es zusammen mit anderen Bildern in einem Krankenhaus ausgestellt werden sollte. Dies war zweifellos der Beginn meiner künstlerischen Laufbahn, dessen war ich mir sicher. Ja, okay, das ist gelogen. Aber ich war schon irgendwie stolz auf mich. Meine Mutter war ebenfalls stolz und der mütterliche Stolz ist zweifellos der Ansporn und das Ziel für jegliches Tun in jungen Jahren. In diesem Punkt war die Aktion also schon mal ein voller Erfolg.
Wir fuhren dann natürlich zu der Eröffnung dieser Ausstellung nach Potsdam. Für mich als Dorfkind war das eine große Sache. Potsdam kam damals in meiner Vorstellung einer Metropole gleich – Potsdam, New York, da gab es eigentlich keinen Unterschied. Beides Weltstädte und beide weiter als eine 20minütige Autofahrt entfernt. Die Aufregung war dementsprechend groß. Auch meine Mutter war gespannt, denn sie hatte das Bild noch nicht gesehen. Ich hatte ihr aber detailreich erzählt was darauf zu sehen war: Eine Katze und ein Haus.
Als wir nun beinahe ehrfurchtvoll in dem neu eröffneten Flügel des Krankenhauses (ich meine, das sei der Anlass gewesen) vor meinem Bild standen, kam ich nicht umhin zu bemerken, dass man sogar meinen Namen vermerkt hatte.

Karolin Hagendorf
Willibald-Alexis-Grundschule
“Schwein vorm Haus”

hieß es da auf einem kleinen Schild. Moment mal! Schwein? Schwein vorm Haus? Man hatte das Bild nicht nur ohne mein Einverständnis betitelt, nein, man hatte es falsch betitelt. Was sollte das? Wir waren nach Potsdam gefahren um eine Katze zu sehen. Und was bot man uns? EIN SCHWEIN! Ein Schwein und Lügen vor einem Haus. Und dann dieser unkreative Titel, der nun wirklich in krassem Gegensatz zu meinem künstlerischen Katzen-Haus-Ensemble stand. Höchstens als Untertitel wäre das passend, wenn der Titel des Bildes La trahison des images geheißen hätte. “Ceci, n’est pas une chat” hätte ich dann noch unter das Bild schreiben können.

Aber sei es drum. Meine Mutter fand die ganze Situation jedenfalls lustig – sie lachte. Ich ebenfalls, als ich den Schock erstmal überwunden hatte. Manchmal lachen wir noch heute, denn “Schwein vorm Haus” ist so eine Story, die man sich in der Familie immer mal wieder erzählt. Und es geht doch nichts über eine gute Geschichte. Thanks for the memories.

Ich würde euch das besagte Werk ja gerne zeigen, aber leider ist das Bild verschollen. (Ein herber Verlust für die Menschheit!) Vermutlich zerstört wie die meisten Kinderzeichnungen. Oder in einem staubigen Keller gelagert. Vor ein paar Monaten, als mich die Erinnerung an meine erste und einzige große Stunde und gleichzeitigen Niedergang als Künstler mal wieder fesselte, habe ich das Krankenhaus (Klinikum Ernst von Bergmann) angeschrieben und meine Geschichte erläutert, und erklärt, dass ich mein Bild, “Schwein vorm Haus” auf dem eigentlich eine Katze zu sehen ist, sofern es noch existierte, gerne zurückbekäme. Ich nehme an, die zuständigen Mitarbeiter haben dies als geisteskranken Schwachsinn abgetan. Dementsprechend erhielt ich keine Antwort. Schade – aber ich hatte eigentlich auch nichts anderes erwartet.
Sollte euch aber irgendwann zufällig mal ein Bild mit dem Titel “Schwein vorm Haus” unter die Nase kommen, vielleicht auf einer Kunstauktion oder in einem Museum oder auf einer Müllkippe –  bitte gebt mir Bescheid, denn ich hätte meine Katze gerne zurück.
Hier eine (sehr!) grobe Skizze aus der Erinnerung gezeichnet. Das Original war natürlich in Farbe und bestand, wie gesagt, größtenteils aus aufgeklebten und künstlerisch arrangierten Stofffetzen:

Eindeutig eine Katze!

Eindeutig eine Katze!

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Intros und Extros

Ganz allgemein gesehen kann man Menschen in zwei Gruppen einteilen: Extrovertierte und Introvertierte. Der größte Unterschied dabei ist, dass extrovertierte Menschen ihre Energie aus der Interaktion mit anderen beziehen während der introvertierte Charakter den Fokus stärker auf das eigene Innenleben legt und Zeit alleine verbringen muss um aufzutanken.
Ich bin nun einer der letztgenannten. Genauergesagt bin ich  der introvertierteste Mensch den ich kenne. Das Problem dabei ist, dass die meisten Menschen das nicht wissen weil ich mit der Zeit gelernt habe mich zu tarnen, weil, und das ist nun mal leider die Wahrheit – die Gesellschaft Extroversion bevorzugt. Fälschlicherweise schätzen mich die meisten Menschen deshalb als extrovertiert ein und deuten mein Verhalten dementsprechend falsch. Klar, man könnte darauf kommen, schon allein weil ich sehr laut lache. Oder weil ich immer einen sarkastischen Kommentar auf den Lippen habe. Oder wild gestikuliere wenn ich das eine oder andere Bier intus habe. In kleinen Gruppen bin ich auch super im Geschichten erzählen.
Aber die Wahrheit ist, alles was sich außerhalb meiner Wohlfühlzone, das heißt meiner Wohnung, befindet, strengt mich irgendwie an. Was nicht bedeutet dass ich nicht gerne rausgehe, oder in Bars Bier trinke oder mit Freunden einen Film gucke.  Aber jegliche Form von Eindrücken – Bild, Ton, oder Wort – sind nichts anderes als Input, den der Extrovertierte beispielsweise durch Interaktion mit  anderen verarbeitet. Mein Gehirn ist zusätzlich auch freundlicherweise nicht in der Lage, die wichtigen von den unwichtigen Eindrücken zu trennen – diverse Persönlichkeitstests haben mir gesagt, das nennt sich Hochsensibilität – was sehr viel schmeichelhafter als “kaputter Filter” klingt. Also wird das erstmal alles aufgenommen und ich habe dann zuhause die Aufgabe alles minutiös zu verarbeiten und auszusortieren. Die Welt fühlt sich mitunter ungefähr so an:
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Dementsprechend verbringe ich viel Zeit allein. Ungewöhnlich viel Zeit für einen Menschen in meinem Alter.
Viele denken deshalb ich würde Menschen hassen – das denken übrigens viele Extrovertierte von vielen Introvertierten. Ich meine mich sogar zu erinnern, dass mich irgendwer sogar mal so vorgestellt hat: “Das ist Karo. Karo hasst Menschen”. Das ist natürlich Quatsch. Ich hasse überhaupt niemanden und wenn dann nur aus gutem Grund. Menschen strengen mich nur manchmal irgendwie an.
Ich habe ja von Leuten schon oft den Satz gehört: “Mir fällt die Decke auf den Kopf”. Sowas passiert mir nicht. Nie, wirklich nie. Tatsächlich bin ich mittlerweile so gerne allein, dass ich mich Frage ob ich überhaupt irgendwann mal wieder in der Lage sein werde soetwas wie eine Beziehung zu führen. Denn allein der Gedanke an eine Person, die ständig in meiner Nähe ist, ruft in mir den Wunsch hervor mir eine Festung aus Decken und Kissen zu bauen und mich darin zu verstecken. Ich werde also vermutlich allein sterben. Naja…macht ja nix.
Aber das ist nicht das einzige Problem, mit dem sich Introvertierte wie ich herumschlagen. Der Horror fing ja schon in der Schule an. In meinem Französischkurs gab es ein Mädchen, das bei Vorträgen so aufgeregt war, dass sie irgendwann mal als sie da vorne stand, anfing zu heulen. Das fanden natürlich alle lächerlich. Ich fand das tatsächlich irgendwie nachvollziehbar. Zwar heule ich nicht bei Vorträgen, aber die Hände die den Stichwortzettel halten, zittern gewaltig während der Mund sich mit Gestammel zur Wehr zu setzen weiß. Man lernt natürlich mit der Zeit irgendwie sich daran zu gewöhnen, aber meine Hände zitterten noch in der Uni. Das schlimmste an der akademischen Laufbahn waren allerdings die Gruppenarbeiten. Es gibt eigentlich nichts Schlimmeres. Ach nein, stimmt nicht, noch schlimmer sind Gruppenarbeiten bei denen man 10 Minuten später die Ergebnisse präsentieren muss. Das ist der Moment in dem man sich wünscht sich spontan den Arm zu brechen und leider ins Krankenhaus abtransportiert werden muss.
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Vor Leuten zu sprechen ist eigentlich in jeglicher Form ein Problem. Deshalb ziehe ich das Schreiben einer Nachricht immer dem Anruf vor. Egal wie viel Zeit ich dadurch sparen könnte. Spontane Redebeiträge, womöglich noch vor Fremden, sind nichts anderes als die Hölle auf Erden. Vorstellungsrunden beispielsweise. So und jetzt erzählt jeder mal kurz was von sich. Was soll man denn da sagen? Und vor allem so auf die Schnelle? “Ich bin Karo und ich…ehm…mag Toastbrot?” Woraufhin die anderen vermutlich denken: Ich glaub diese Karo…die ist irgendwie nicht ganz richtig im Kopf.
Wenn sie längere Zeit mit mir verbringen, würden sie das aber sowieso denken. Da ich, wie für Introvertierte üblich, eine recht blühende Fantasie habe, die mich jederzeit attakieren kann, wird es vorkommen, dass ich einfach anfange zu lachen obwohl niemand etwas gesagt hat, angewidert gucke, obwohl nichts passiert ist oder leise ein Lied vor mich hinsumme. Neudeutsch bezeichnet man sowas ja als Kopfkino. Blöd nur, dass andere Menschen den Film nicht sehen können, der da bei mir läuft.
Eindrücke von außen empfinde ich hingegen oft als störend. Insbesondere wenn jemand viel und laut redet. Gibt ja so Menschen. Blablablablabla und wusstest du schon und Blablabla hast du schon gehört. Bla bla bla guck mal, da ist grad ein Auto vorbeigefahren. Blablabla. Während äußerlich vielleicht allerhöchstens mein Auge zuckt, sehe ich mich mental in einen Frack gekleidet von meinem Platz aufstehen und wie ein Opernsänger singen: Schnaaahauze haltennnn. Oder im Flugzeug eine Durchsage machen: Achtung, Achtung: Hier spricht ihr Kapitän. Wir setzen jetzt zur Landung an. Bitte stellen Sie umgehend das Gelaber ein.
Allerdings toppt nichts das Stresslevel eines Clubs oder einer Tanzbar. Es ist mir unbegreiflich wie man das da mögen kann. Natürlich kommt man aber, weil man ja nicht immer der Partypuper sein will, nicht drumherum. Ich war in jüngster Zeit in zwei, sagen wir mal, Tanzlokalen. Das waren nichtmal richtige Clubs. Aber sie waren voll und laut und in einem von den beiden, tropfte sogar der kondensierte Schweiß von der Decke. Und bei beiden war ich durch die Hitze, die Musik die so gar nicht meinem Geschmack entsprach, den bunten Lichtern und vor allem durch die schwitzigen Körper die den meinigen berührten, so gestresst und überreizt, dass ich beim Verlassen des Lokals Pipi in den Augen hatte. Leider kein Scherz.
Das Geheimmittel um Überreizung vorzubeugen ist natürlich sich nicht zu vielen Reizen auszusetzen – da muss jeder sein eigenes Level finden. tumblr_n465fzfauF1snc75ao1_400

Mein dunkelstes Geheimnis ist ja, dass ich manchmal aufs Klo gehe, nicht weil ich pinkeln muss, sondern weil ich kurz allein sein muss. Und dann stehe ich da in der Klokabine der Bar oder im Badezimmer eines Gastgebers und frage mich: Was stimmt eigentlich nicht mit mir?
Aus eigener Erfahrung weiß ich übrigens auch, dass es nur mäßig gut ankommt wenn man die Einladung auf ein Bier ausschlägt weil man sich lieber zu Hause zu einer kompakten Kugel zusammenrollen möchte. Gute Freunde akzeptieren das allerdings.
In Anbetracht des Geschilderten bin ich aber eigentlich gar nicht  sicher, wie ich es geschafft habe Freunde zu finden…
Sowieso denken einige Menschen, wie zum Beispiel meine Mutter, dass ich, oder Introvertierte im Allgemeinen, keine oder kaum Freunde habe. Ich kenne ihn genau, den Blick oder die längere Pause beim Telefonieren nachdem man gesagt hat, dass man entweder das Wochenende allein verbracht hat oder, und das ist noch schlimmer, sich allein am gesellschaftlichen Leben beteiligt hat. Neulich zum Beispiel war ich alleine im Museum, was meine Mutter offenbar irgendwie bedenklich fand. Noch bedenklicher findet sie, dass ich im nächsten Jahr allein eine etwas längere Reise antreten möchte. Ruft die Männer mit den Zwangsjacken, das Kind macht Dinge allein! Was Menschen gern vergessen ist, das allein und einsam zwei unterschiedliche Dinge sind.
Und auch wenn ich mir manchmal wünsche, extrovertiert zu sein und gerne auf Parties zu gehen und neue Leute kennenzulernen, hat es nicht nur Nachteile introvertiert sein. Wenn das so wäre, dann hätte die Evolution introvertierte Menschen schon längst aussterben lassen. Wie viele Introvertierte kann  ich kann zum Beispiel gut zuhören. Und noch viel besser ist, dass ich mir sogar das meiste von dem merke was man mir erzählt. Mal abgesehen von Geburtstagen habe ich sowieso auch ein ziemlich gutes und detailliertes Gedächtnis. Und mir fallen Dinge auf. Ich habe eine blühende Fantasie. Und das ist schön. Der Schlüssel ist sowieso sich zu akzeptieren wie man ist. Dann machen das auch die anderen – auch wenn man schweigend neben ihnen sitzt, nicht zum Spielen rauskommt oder sich nicht am Smalltalk beteiligt.

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Happy Blogsday

Wir schreiben den 28.August 2012. In ihrem Zimmer in Berlin Wedding beschließt eine junge Frau einen Blog zu erstellen. Sie nennt ihn Die Freaks und ich. Wird kein Schwein lesen, denkt sie sich.
Zeitsprung. 28.August 2014. Eine zwei Jahre ältere (aber immer noch junge) Frau schreibt einen Blogartikel darüber, was sie vor zwei Jahren gemacht hat. Für jeden unschwer zu erkennen, hat sie ihr schönstes Lächeln aufgelegt.

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Denn eines dürfte auch dem miesesten Mathematiker aufgefallen sein. 28. August und 28.August sind kongruent. 2014 minus 2012 ergibt 2. Ja, es ist tatsächlich wahr: Dieser Blog feiert heute seinen zweiten Geburtstag. Oder vielleicht eher Geblogstag (Hö höhö hö). Zeit, sich mal ganz, ganz hart zu freuen.

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Was, eine Rede? Puuh ja, das überrascht mich jetzt, hab gar nichts vorbereit.  Die schlechte Nachricht vielleicht vorweg:  Ich habe nicht vor das Bloggen einzustellen. Niemals. Ihr werdet mich also noch weiter ertragen müssen. Da einige von euch diesen Blog allerdings nicht nur tolerieren sondern sogar mögen, kommt euch das vielleicht gar nicht mal so ungelegen. Sätze wie „Ich les dich gern“ und „Ich verfolge fleißig deinen Blog“, Kommentare, Likes, aufmunternde Worte in schwierigen Zeiten und Heldentaten, wie den Blog wiederherzustellen nachdem ich ihn Dank mangelnder IT Kenntnisse geschrottet habe, erfüllen mein kleines verschrumpeltes Herz. DANKE DAFÜR!

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Es kommt mir vor, als wäre es erst gestern gewesen, dass ich eine Dose Hühnersuppe von Erasco in der Mikrowelle erwärmt habe. Moment…Das war tatsächlich gestern. Aber damals, 2012, da war noch alles ganz anders. Anderer Job, andere Wohnverhältnisse, andere Haarfarbe, anderes Lieblingsbier, andere Dosensuppe. Freaks gab es allerdings damals schon. Die Zeit vergeht – doch die Freaks währen ewig. Und wenn ich eines gelernt habe in den letzten beiden Jahren, dann dass in jedem einzelnen von uns ein kleiner (oder großer) Freak steckt. In diesem Sinne: Auf uns, Freaks!

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Aber nun, meine Damen und Herren, werte Leser und Leserinnen, Freaks und Geeks, widmen wir uns doch besser ohne weitere Umschweife den Ausschweifungen. Let’s party! Eine gute Gelegenheit mich meinem neuen Lieblingssport zu widmen: Dance like no one’s watching.

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Also Freunde, wir sehen uns dann spätestens im nächsten Jahr. *Schmeißt Konfetti in die Luft und verschwindet*

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