Das verschollene Schwein

Es gibt Dinge im Leben, die vergisst man nicht. Bestimmte Erinnerungen attackieren einen von Zeit zu Zeit wie aus dem Nichts. Küsse, Liebeserklärungen, Herzensbrüche, Enttäuschungen, Lachanfälle – in diesem Rahmen bewegt sich das normalerweise bei mir. Und dann ist da noch die Geschichte vom Katzenschwein. Es ist eine Geschichte von Stolz, Verrat, Enttäuschung und Verlust. Und doch entbehrt sie einer gewissen Komik nicht.
Es ist schon lange her, ich war damals noch in der Grundschule – wir befinden und also irgendwo zwischen 1994 und 2000. Vermutlich eher zwischen 96 und 99, denn ich hatte bereits den überwiegenden Teil meiner Milchzähne gegen richtige getauscht, aber war noch nicht auf dem Sprung ins Gymnasium. Es war an irgendeinem Projekttag, der vermutlich sogar unter irgendeinem Motto stand, daran vermag ich mich nicht mehr zu erinnern. Was ich aber weiß ist, dass ich an diesem Tag ein Kunstwerk geschaffen habe. Bei irgendeiner Tante am Bastelstand zwischen Musikraum und dem Zimmer wo man immer die Frühstücksmilch abholen konnte. Vollmilch, Erdbeer oder Schoko – ich hatte immer Schoko und war mindestens der Zweitbeste im Milchwetttrinken. Besser war nur Martin P., der ebenfalls Schokomilch trank. Aber ich schweife ab.
Das Bild jedenfalls war kein ordinäres Gekrakel – nein, ich hatte hier nicht nur mit Stiften oder Pinseln sondern auch mit zerschnittenen Stofffetzen gearbeitet. In meiner beinahe beispiellosen Kreativität hatte ich etwas auf’s Papier gebracht, was alle Kinder produzieren weil der Verstand gar nichts anderes kennt: Ein Haus und ein Tier – in diesem Fall eine Katze. Es war eindeutig eine Katze – ich betone das jetzt, denn es wird noch von Bedeutung sein.
Und auch wenn die Tante mich zunächst fragte, ob das wirklich eine Katze wäre, was ich bejahte, stieß das Kunstwerk auf große Zustimmung. So große Zustimmung sogar, dass es zusammen mit anderen Bildern in einem Krankenhaus ausgestellt werden sollte. Dies war zweifellos der Beginn meiner künstlerischen Laufbahn, dessen war ich mir sicher. Ja, okay, das ist gelogen. Aber ich war schon irgendwie stolz auf mich. Meine Mutter war ebenfalls stolz und der mütterliche Stolz ist zweifellos der Ansporn und das Ziel für jegliches Tun in jungen Jahren. In diesem Punkt war die Aktion also schon mal ein voller Erfolg.
Wir fuhren dann natürlich zu der Eröffnung dieser Ausstellung nach Potsdam. Für mich als Dorfkind war das eine große Sache. Potsdam kam damals in meiner Vorstellung einer Metropole gleich – Potsdam, New York, da gab es eigentlich keinen Unterschied. Beides Weltstädte und beide weiter als eine 20minütige Autofahrt entfernt. Die Aufregung war dementsprechend groß. Auch meine Mutter war gespannt, denn sie hatte das Bild noch nicht gesehen. Ich hatte ihr aber detailreich erzählt was darauf zu sehen war: Eine Katze und ein Haus.
Als wir nun beinahe ehrfurchtvoll in dem neu eröffneten Flügel des Krankenhauses (ich meine, das sei der Anlass gewesen) vor meinem Bild standen, kam ich nicht umhin zu bemerken, dass man sogar meinen Namen vermerkt hatte.

Karolin Hagendorf
Willibald-Alexis-Grundschule
“Schwein vorm Haus”

hieß es da auf einem kleinen Schild. Moment mal! Schwein? Schwein vorm Haus? Man hatte das Bild nicht nur ohne mein Einverständnis betitelt, nein, man hatte es falsch betitelt. Was sollte das? Wir waren nach Potsdam gefahren um eine Katze zu sehen. Und was bot man uns? EIN SCHWEIN! Ein Schwein und Lügen vor einem Haus. Und dann dieser unkreative Titel, der nun wirklich in krassem Gegensatz zu meinem künstlerischen Katzen-Haus-Ensemble stand. Höchstens als Untertitel wäre das passend, wenn der Titel des Bildes La trahison des images geheißen hätte. “Ceci, n’est pas une chat” hätte ich dann noch unter das Bild schreiben können.

Aber sei es drum. Meine Mutter fand die ganze Situation jedenfalls lustig – sie lachte. Ich ebenfalls, als ich den Schock erstmal überwunden hatte. Manchmal lachen wir noch heute, denn “Schwein vorm Haus” ist so eine Story, die man sich in der Familie immer mal wieder erzählt. Und es geht doch nichts über eine gute Geschichte. Thanks for the memories.

Ich würde euch das besagte Werk ja gerne zeigen, aber leider ist das Bild verschollen. (Ein herber Verlust für die Menschheit!) Vermutlich zerstört wie die meisten Kinderzeichnungen. Oder in einem staubigen Keller gelagert. Vor ein paar Monaten, als mich die Erinnerung an meine erste und einzige große Stunde und gleichzeitigen Niedergang als Künstler mal wieder fesselte, habe ich das Krankenhaus (Klinikum Ernst von Bergmann) angeschrieben und meine Geschichte erläutert, und erklärt, dass ich mein Bild, “Schwein vorm Haus” auf dem eigentlich eine Katze zu sehen ist, sofern es noch existierte, gerne zurückbekäme. Ich nehme an, die zuständigen Mitarbeiter haben dies als geisteskranken Schwachsinn abgetan. Dementsprechend erhielt ich keine Antwort. Schade – aber ich hatte eigentlich auch nichts anderes erwartet.
Sollte euch aber irgendwann zufällig mal ein Bild mit dem Titel “Schwein vorm Haus” unter die Nase kommen, vielleicht auf einer Kunstauktion oder in einem Museum oder auf einer Müllkippe –  bitte gebt mir Bescheid, denn ich hätte meine Katze gerne zurück.
Hier eine (sehr!) grobe Skizze aus der Erinnerung gezeichnet. Das Original war natürlich in Farbe und bestand, wie gesagt, größtenteils aus aufgeklebten und künstlerisch arrangierten Stofffetzen:

Eindeutig eine Katze!

Eindeutig eine Katze!

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Intros und Extros

Ganz allgemein gesehen kann man Menschen in zwei Gruppen einteilen: Extrovertierte und Introvertierte. Der größte Unterschied dabei ist, dass extrovertierte Menschen ihre Energie aus der Interaktion mit anderen beziehen während der introvertierte Charakter den Fokus stärker auf das eigene Innenleben legt und Zeit alleine verbringen muss um aufzutanken.
Ich bin nun einer der letztgenannten. Genauergesagt bin ich  der introvertierteste Mensch den ich kenne. Das Problem dabei ist, dass die meisten Menschen das nicht wissen weil ich mit der Zeit gelernt habe mich zu tarnen, weil, und das ist nun mal leider die Wahrheit – die Gesellschaft Extroversion bevorzugt. Fälschlicherweise schätzen mich die meisten Menschen deshalb als extrovertiert ein und deuten mein Verhalten dementsprechend falsch. Klar, man könnte darauf kommen, schon allein weil ich sehr laut lache. Oder weil ich immer einen sarkastischen Kommentar auf den Lippen habe. Oder wild gestikuliere wenn ich das eine oder andere Bier intus habe. In kleinen Gruppen bin ich auch super im Geschichten erzählen.
Aber die Wahrheit ist, alles was sich außerhalb meiner Wohlfühlzone, das heißt meiner Wohnung, befindet, strengt mich irgendwie an. Was nicht bedeutet dass ich nicht gerne rausgehe, oder in Bars Bier trinke oder mit Freunden einen Film gucke.  Aber jegliche Form von Eindrücken – Bild, Ton, oder Wort – sind nichts anderes als Input, den der Extrovertierte beispielsweise durch Interaktion mit  anderen verarbeitet. Mein Gehirn ist zusätzlich auch freundlicherweise nicht in der Lage, die wichtigen von den unwichtigen Eindrücken zu trennen – diverse Persönlichkeitstests haben mir gesagt, das nennt sich Hochsensibilität – was sehr viel schmeichelhafter als “kaputter Filter” klingt. Also wird das erstmal alles aufgenommen und ich habe dann zuhause die Aufgabe alles minutiös zu verarbeiten und auszusortieren. Die Welt fühlt sich mitunter ungefähr so an:
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Dementsprechend verbringe ich viel Zeit allein. Ungewöhnlich viel Zeit für einen Menschen in meinem Alter.
Viele denken deshalb ich würde Menschen hassen – das denken übrigens viele Extrovertierte von vielen Introvertierten. Ich meine mich sogar zu erinnern, dass mich irgendwer sogar mal so vorgestellt hat: “Das ist Karo. Karo hasst Menschen”. Das ist natürlich Quatsch. Ich hasse überhaupt niemanden und wenn dann nur aus gutem Grund. Menschen strengen mich nur manchmal irgendwie an.
Ich habe ja von Leuten schon oft den Satz gehört: “Mir fällt die Decke auf den Kopf”. Sowas passiert mir nicht. Nie, wirklich nie. Tatsächlich bin ich mittlerweile so gerne allein, dass ich mich Frage ob ich überhaupt irgendwann mal wieder in der Lage sein werde soetwas wie eine Beziehung zu führen. Denn allein der Gedanke an eine Person, die ständig in meiner Nähe ist, ruft in mir den Wunsch hervor mir eine Festung aus Decken und Kissen zu bauen und mich darin zu verstecken. Ich werde also vermutlich allein sterben. Naja…macht ja nix.
Aber das ist nicht das einzige Problem, mit dem sich Introvertierte wie ich herumschlagen. Der Horror fing ja schon in der Schule an. In meinem Französischkurs gab es ein Mädchen, das bei Vorträgen so aufgeregt war, dass sie irgendwann mal als sie da vorne stand, anfing zu heulen. Das fanden natürlich alle lächerlich. Ich fand das tatsächlich irgendwie nachvollziehbar. Zwar heule ich nicht bei Vorträgen, aber die Hände die den Stichwortzettel halten, zittern gewaltig während der Mund sich mit Gestammel zur Wehr zu setzen weiß. Man lernt natürlich mit der Zeit irgendwie sich daran zu gewöhnen, aber meine Hände zitterten noch in der Uni. Das schlimmste an der akademischen Laufbahn waren allerdings die Gruppenarbeiten. Es gibt eigentlich nichts Schlimmeres. Ach nein, stimmt nicht, noch schlimmer sind Gruppenarbeiten bei denen man 10 Minuten später die Ergebnisse präsentieren muss. Das ist der Moment in dem man sich wünscht sich spontan den Arm zu brechen und leider ins Krankenhaus abtransportiert werden muss.
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Vor Leuten zu sprechen ist eigentlich in jeglicher Form ein Problem. Deshalb ziehe ich das Schreiben einer Nachricht immer dem Anruf vor. Egal wie viel Zeit ich dadurch sparen könnte. Spontane Redebeiträge, womöglich noch vor Fremden, sind nichts anderes als die Hölle auf Erden. Vorstellungsrunden beispielsweise. So und jetzt erzählt jeder mal kurz was von sich. Was soll man denn da sagen? Und vor allem so auf die Schnelle? “Ich bin Karo und ich…ehm…mag Toastbrot?” Woraufhin die anderen vermutlich denken: Ich glaub diese Karo…die ist irgendwie nicht ganz richtig im Kopf.
Wenn sie längere Zeit mit mir verbringen, würden sie das aber sowieso denken. Da ich, wie für Introvertierte üblich, eine recht blühende Fantasie habe, die mich jederzeit attakieren kann, wird es vorkommen, dass ich einfach anfange zu lachen obwohl niemand etwas gesagt hat, angewidert gucke, obwohl nichts passiert ist oder leise ein Lied vor mich hinsumme. Neudeutsch bezeichnet man sowas ja als Kopfkino. Blöd nur, dass andere Menschen den Film nicht sehen können, der da bei mir läuft.
Eindrücke von außen empfinde ich hingegen oft als störend. Insbesondere wenn jemand viel und laut redet. Gibt ja so Menschen. Blablablablabla und wusstest du schon und Blablabla hast du schon gehört. Bla bla bla guck mal, da ist grad ein Auto vorbeigefahren. Blablabla. Während äußerlich vielleicht allerhöchstens mein Auge zuckt, sehe ich mich mental in einen Frack gekleidet von meinem Platz aufstehen und wie ein Opernsänger singen: Schnaaahauze haltennnn. Oder im Flugzeug eine Durchsage machen: Achtung, Achtung: Hier spricht ihr Kapitän. Wir setzen jetzt zur Landung an. Bitte stellen Sie umgehend das Gelaber ein.
Allerdings toppt nichts das Stresslevel eines Clubs oder einer Tanzbar. Es ist mir unbegreiflich wie man das da mögen kann. Natürlich kommt man aber, weil man ja nicht immer der Partypuper sein will, nicht drumherum. Ich war in jüngster Zeit in zwei, sagen wir mal, Tanzlokalen. Das waren nichtmal richtige Clubs. Aber sie waren voll und laut und in einem von den beiden, tropfte sogar der kondensierte Schweiß von der Decke. Und bei beiden war ich durch die Hitze, die Musik die so gar nicht meinem Geschmack entsprach, den bunten Lichtern und vor allem durch die schwitzigen Körper die den meinigen berührten, so gestresst und überreizt, dass ich beim Verlassen des Lokals Pipi in den Augen hatte. Leider kein Scherz.
Das Geheimmittel um Überreizung vorzubeugen ist natürlich sich nicht zu vielen Reizen auszusetzen – da muss jeder sein eigenes Level finden. tumblr_n465fzfauF1snc75ao1_400

Mein dunkelstes Geheimnis ist ja, dass ich manchmal aufs Klo gehe, nicht weil ich pinkeln muss, sondern weil ich kurz allein sein muss. Und dann stehe ich da in der Klokabine der Bar oder im Badezimmer eines Gastgebers und frage mich: Was stimmt eigentlich nicht mit mir?
Aus eigener Erfahrung weiß ich übrigens auch, dass es nur mäßig gut ankommt wenn man die Einladung auf ein Bier ausschlägt weil man sich lieber zu Hause zu einer kompakten Kugel zusammenrollen möchte. Gute Freunde akzeptieren das allerdings.
In Anbetracht des Geschilderten bin ich aber eigentlich gar nicht  sicher, wie ich es geschafft habe Freunde zu finden…
Sowieso denken einige Menschen, wie zum Beispiel meine Mutter, dass ich, oder Introvertierte im Allgemeinen, keine oder kaum Freunde habe. Ich kenne ihn genau, den Blick oder die längere Pause beim Telefonieren nachdem man gesagt hat, dass man entweder das Wochenende allein verbracht hat oder, und das ist noch schlimmer, sich allein am gesellschaftlichen Leben beteiligt hat. Neulich zum Beispiel war ich alleine im Museum, was meine Mutter offenbar irgendwie bedenklich fand. Noch bedenklicher findet sie, dass ich im nächsten Jahr allein eine etwas längere Reise antreten möchte. Ruft die Männer mit den Zwangsjacken, das Kind macht Dinge allein! Was Menschen gern vergessen ist, das allein und einsam zwei unterschiedliche Dinge sind.
Und auch wenn ich mir manchmal wünsche, extrovertiert zu sein und gerne auf Parties zu gehen und neue Leute kennenzulernen, hat es nicht nur Nachteile introvertiert sein. Wenn das so wäre, dann hätte die Evolution introvertierte Menschen schon längst aussterben lassen. Wie viele Introvertierte kann  ich kann zum Beispiel gut zuhören. Und noch viel besser ist, dass ich mir sogar das meiste von dem merke was man mir erzählt. Mal abgesehen von Geburtstagen habe ich sowieso auch ein ziemlich gutes und detailliertes Gedächtnis. Und mir fallen Dinge auf. Ich habe eine blühende Fantasie. Und das ist schön. Der Schlüssel ist sowieso sich zu akzeptieren wie man ist. Dann machen das auch die anderen – auch wenn man schweigend neben ihnen sitzt, nicht zum Spielen rauskommt oder sich nicht am Smalltalk beteiligt.

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Happy Blogsday

Wir schreiben den 28.August 2012. In ihrem Zimmer in Berlin Wedding beschließt eine junge Frau einen Blog zu erstellen. Sie nennt ihn Die Freaks und ich. Wird kein Schwein lesen, denkt sie sich.
Zeitsprung. 28.August 2014. Eine zwei Jahre ältere (aber immer noch junge) Frau schreibt einen Blogartikel darüber, was sie vor zwei Jahren gemacht hat. Für jeden unschwer zu erkennen, hat sie ihr schönstes Lächeln aufgelegt.

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Denn eines dürfte auch dem miesesten Mathematiker aufgefallen sein. 28. August und 28.August sind kongruent. 2014 minus 2012 ergibt 2. Ja, es ist tatsächlich wahr: Dieser Blog feiert heute seinen zweiten Geburtstag. Oder vielleicht eher Geblogstag (Hö höhö hö). Zeit, sich mal ganz, ganz hart zu freuen.

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Was, eine Rede? Puuh ja, das überrascht mich jetzt, hab gar nichts vorbereit.  Die schlechte Nachricht vielleicht vorweg:  Ich habe nicht vor das Bloggen einzustellen. Niemals. Ihr werdet mich also noch weiter ertragen müssen. Da einige von euch diesen Blog allerdings nicht nur tolerieren sondern sogar mögen, kommt euch das vielleicht gar nicht mal so ungelegen. Sätze wie „Ich les dich gern“ und „Ich verfolge fleißig deinen Blog“, Kommentare, Likes, aufmunternde Worte in schwierigen Zeiten und Heldentaten, wie den Blog wiederherzustellen nachdem ich ihn Dank mangelnder IT Kenntnisse geschrottet habe, erfüllen mein kleines verschrumpeltes Herz. DANKE DAFÜR!

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Es kommt mir vor, als wäre es erst gestern gewesen, dass ich eine Dose Hühnersuppe von Erasco in der Mikrowelle erwärmt habe. Moment…Das war tatsächlich gestern. Aber damals, 2012, da war noch alles ganz anders. Anderer Job, andere Wohnverhältnisse, andere Haarfarbe, anderes Lieblingsbier, andere Dosensuppe. Freaks gab es allerdings damals schon. Die Zeit vergeht – doch die Freaks währen ewig. Und wenn ich eines gelernt habe in den letzten beiden Jahren, dann dass in jedem einzelnen von uns ein kleiner (oder großer) Freak steckt. In diesem Sinne: Auf uns, Freaks!

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Aber nun, meine Damen und Herren, werte Leser und Leserinnen, Freaks und Geeks, widmen wir uns doch besser ohne weitere Umschweife den Ausschweifungen. Let’s party! Eine gute Gelegenheit mich meinem neuen Lieblingssport zu widmen: Dance like no one’s watching.

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Also Freunde, wir sehen uns dann spätestens im nächsten Jahr. *Schmeißt Konfetti in die Luft und verschwindet*

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Aus dem Interweb (3): Ice, ice, baby – Pornöse Kettenbriefe

Das Internet. Einst Ort der vielgestaltigen Unterhaltung und des unendlichen Amüsements. Dieser Tage allerdings gefühlt zu 90% bestehend aus A-F Promis die sich mit angeblich eiskaltem, aber in Wirklichkeit vermutlich lauwarmem, Wasser übergießen. Bei der sogenannten ALS Ice Bucket Challenge kippt man sich kaltes Wasser über den Kopf oder spendet stattdessen Geld an die ALS Stiftung. Oder, wie allgemeinhin präferiert, beides. Dann nominiert man weitere Menschen, die genau das selbe tun sollen. Wie ein Kettenbrief, oder auch wie die gehirnverbrannte Bierchallenge, nur eben für einen guten Zweck. Und alle haben Sie mitgemacht: Zuckerberg, Gates, Lady Gaga, Kermit der Frosch. Die spannende Frage: Wird auch Angela Merkel die Challenge annehmen? Und wen wird sie nominieren? Regierungsprecher Steffen Seibert lässt diesbezüglich über Twitter verlauten, dass es niemanden etwas angeht, wem die Kanzlerin Geld spendet oder ob sie sich von ihrem Taschengeld lieber eine Naschtüte, eine Micky Maus und zwei Packungen Hubba Bubba am Kiosk kaufen geht. Ja schon okay, Herr Seibert,  wir haben verstanden. Ist jetzt auch eigentlich nebensächlich. Denn der Marco Reus hat soeben die Helene Fischer nominiert, die jetzt in ihrer Challenge nur einen weißen BH trägt. Seht alle her, ich habe Brüste, zwei Stück sogar! Nach Atemlos durch die Nacht heißt es nun Blutlos im Gehirn für einige Herren der Schöpfung…
Auch andere Fangemeinden weltweit – ich zeige da jetzt mal ganz direkt mit dem nackten Finger in Richtung tumblr – hängt derweil der Geifer in den Mundwinkeln. Kann man die Astralkörper der/des Angebeteten nun auch noch nass bewundern und für die Ewigkeit in GIF-Dateien konservieren. Benedict Cumberbatchs (aka Sherlock Holmes) Fans, die sogenannten Cumberbitches (den Namen haben sie sich selbst ausgesucht),  waren bis gestern allerdings noch zu Tode betrübt, denn Benny hatte sich bis dato noch nicht nass gemacht. tumblr_naq1e5a0BC1tberpco4_250
Lautstark, soll heißen: in Großbuchstaben, rief man nach Wasser und Eis für Lord Cumberbatch. Aber dann, heute, war es endlich so weit. Benedict, weil nicht nur einmal nominiert, bekippt sich gleich mehrmals. Lässig im Schneidersitz, nackig in der Dusche, im Anzug, auf einem Motorrad und, ja, in einem weißen Shirt. Ich wiederhole: Cumberbatch. Weißes Shirt. Nass. BUMM, BUMM, BUMM hört man die Eierstöcke explodieren. Wie schon tags zuvor, als man Tom Hiddleston in selbiger Pose sah.  Reblog, reblog, reblog, reblog, REBLOOOOOOG. Tumblr im Ausnahmezustand.

Man darf das nicht falsch verstehen, ich habe definitiv nichts dageben einzuwenden mir Bilder von Herrn Cumberbatch anzusehen. Wirklich nicht – ich bin sogar ein großer Fan. Tatsächlich habe ich überall in meiner Wohnung kleine Cumberbatches versteckt.
Ich habe das nur mal als Beispiel gewählt um zu zeigen, dass im Internet immer alles sehr schnell sehr pornös wird – was ich in diesem Fall irgendwie nicht wirklich gutheißen kann. Denn der ursprüngliche Zweck der Aktion, nämlich Geld für eine gute Sache zu sammeln und gleichzeitig auf eine schreckliche Krankheit aufmerksam zu machen, gerät durch das ganze Angeschmachte und Brustgezeige irgendwie in den Hintergrund.
Mal ganz davon abgesehen, dass ich langsam echt keine nassen Menschen in meiner Facebooktimeline, auf meinem tumblr-Dashboard, auf der Buzzfeed Startseite oder Sonstwo mehr sehen will…
Lichtblick am Horizont dagegen die Challenge von SIR Patrick Stewart, vielen vielleicht bekannt als Captain Jean-Luc Picard. Das Ganze könnte nur noch britischer sein, wenn darin noch eine Tasse “Tee, Earl Grey, heiß” vorkommen würde. Der Typ hat einfach Style.

P.S Wer sich über ALS informieren möchte, kann das hier tun: http://alsa.org/ und wer ohne Eis spenden möchte, klicke bitte hier.

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This sucks

Manchmal bin ich doch ganz froh, dass ich nach meinem Studium daran gescheitert bin, einen Job zu ergattern, bei dem man mit dem Schreiben sein Geld verdient. Meistens macht mich das natürlich zu einem gewissen Grad traurig, wie das halt so ist, wenn man auf unerfüllte Träume zurückblickt. Aber momentan wäre ein derartiger Job eher ungünstig. Ich habe nämlich so eine Art Schreibblockade, was heißt so eine Art… ich habe eine Schreibblockade. Muss man sich ungefähr so vorstellen:
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Sie war einfach da, diese Unfähigkeit, meine Gedanken in veröffentlichbare Worte zu fassen. Wie ein Scheißehaufen nachts auf dem Bürgersteig.
Ich hatte das zunächst auf Stress geschoben. Kein jobbedingter Stress, sondern die Art von Stress, die auftritt wenn ich mich einige Zeit nicht wie ein Igel in meiner Wohnung zusammenrollen kann.
Aber in der letzten Woche hatte ich dann Urlaub – alles würde besser werden, das wusste ich genau. Für die freie Zeit nimmt man sich meistens ja Dinge vor. Ich natürlich auch. Ganz oben auf meiner Liste stand, neben einigeln, schreiben. Schreiben heißt natürlich in meinem Fall vorrangig bloggen aber ich habe auch vor einer Weile begonnen eine etwas längere Geschichte zu schreiben. Manche würden vielleicht sagen, ich schreibe ein Buch. Einfach mal so zum Spaß. Ganz anders als dieser Blog beinhaltet dieses Buch einiges an Fiction und sogar ein bisschen Science. Aber wie ihr seht habe ich nichts gebloggt und wie ich sehe, habe ich auch nur minimal an besagtem Buch weitergeschrieben.
Es ist natürlich nicht so, dass ich es nicht versucht hätte. Ich saß mindestens eine Stunde pro Tag vor meinem aufgeklappten Laptop. Eine Seite fürs Buch ist dabei rausgesprungen und ungefähr 10 gelöschte Worddokumente für den Blog. Dabei ist es keinesfalls so, dass es mir an Ideen mangeln würde. Ich habe ein kleines schwarzes Büchlein, in dem ich meine schriftlich zu verarbeitenden Gedanken notiere. Und ich muss sagen, da steht allerhand drin. Über Musik, die man mal weiter verbreiten könnte, über ein verschollenes Kunstwerk namens “Schwein vorm Haus”, über Sherlock Holmes Geschichten, die ich in der Stadt versteckt habe, über allerhand Absurditäten aus dem Internet, über das Unverständnis, das Leute dir entgegenbringen wenn du sagst dass du Single bist, über Nachtaktivität… Und die Story für das Buch steht auch schon fest. Aber immer wenn ich versuche, irgendwas davon aufzuschreiben, ist es als ob ich einen Knoten in der Zunge hätte. Oder eben im Worddokument. Oder in der Tastatur? Egal.
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Das Wort Schreibblockade klingt natürlich ungemein hochtrabend. Aber die deutsche Sprache hat nunmal leider kein anderes Wort dafür. Ich könnte eines erfinden, das nicht so klingt, als ob ich mich selbst zu wichtig nehmen würde. Ichnixschreibi vielleicht.
Natürlich ist mir vollkommen bewusst, dass die Welt davon nicht untergehen wird. Planeten werden weiter um Sterne kreisen, das Universum wird sich weiter ausdehnen, die Wirtschaft wird nicht kollabieren. Keine Sau interessiert sich dafür, keine außer mir versteht sich. Da ich aber die Sau bin, um die sich mein Leben dreht, ist das natürlich ein gewisses Problem. Klar, ich kann auch ohne diesen Blog leben. Aber man kann auch ohne Schokolade leben, nur ist das halt nicht wirklich schön. Ich bin normalerweise nämlich auch nicht unbedingt gut darin, meine Hobbies zu behalten. Die gebastelten und dann plötzlich ungebastelten Weihnachtssterne in meinem Wohnzimmer könnten euch davon was erzählen. Schreiben scheint resistent gegen meine Launen zu sein. Es ist, und das muss man jetzt einfach mal so sagen, das ultimative Hobby. Weil Bloggen nämlich fetzt. Was also, wenn ich das einfach nicht mehr kann?

Ich habe im allwissenden Interwebs nachgeforscht, wie man derartige Probleme angehen sollte.
Deadlines setzen soll helfen. Ich habe mir Deadlines gesetzt. Das bringt aber leider gar nichts, wenn man keine Konsequenzen befürchten muss. Was soll ich denn machen? Mich selber anschreien? Bullshit also.
Hilfmittel Nummer 2 ist das sogenannte Rausgehen. Hab’ ich gemacht. Ich bin viel gelaufen in meinem Urlaub. Und wenn ich sage laufen, dann meine ich nicht joggen sondern gehen. Ich gehe viel und gerne, am liebsten irgendwohin. So war ich zum Beispiel in der letzten Woche auf dem alten Flakturm im Humboldthain. Sehr schön da, kann ich nur empfehlen. Vielleicht irgendwann, werd ich auch mal was darüber schreiben.
Auch Unsinn oder Gibberisch zu schreiben soll bekanntlich helfen. Ihr wisst schon, wie in dem Jabberwocky Gedicht aus Alice im Wunderland:

Twas brillig, and the slithy toves
Did gyre and gimble in the wabe
All mimsy were the borogoves
And the mome raths outgrabe.

(Ich hatte mal ein Seminar über Alice im Wunderland, eindeutig das beste Semester meines Lebens. Deshalb sag ich das Gedicht auch heute noch ganz gerne auf. Sorry.)
Aber zurück zum Thema: Unsinn schreiben hilft mir sonst auch immer ganz gut, das ist wie das Aufwärmen vor dem Sportunterricht. Man schreibt dabei einfach auf, was einem grad in den Sinn kommt, um die Kreativzentren des Gehirns ein bisschen anzukurbeln. Leider war der Unterricht nach dem Aufwärmen direkt vorbei. Aber hier trotzdem mal zwei Beispiele:
1. “Oh ja, eine Tasse Tee vielleicht.”
“Wir haben heute leider nur Mortadella da.”
“Na dann nehm ich drei Kilo und einen braunen Raumanzug bitte dazu.”
“Größe 5000?”
“Wie bitte, bei Ihnen stimmt wohl etwas nicht. Seh ich denn wirklich aus als würde ich eine 5000 tragen, eine Frechheit ist das ja. 4998 wenn ich bitten darf.”
“Bitte entschuldigen Sie, mein Fehler. Darf ich Ihnen als Entschuldigung unser Super-Stadt-Zerstörer-Pack anbieten?”
“Was darf ich darunter verstehen?”
“Dieses exklusive Paket beinhaltet alles, was das Monster von Welt heutzutage braucht. Zum Beispiel einen Magensäureneutralisator gegen Sodbrennen, viele müssen ja von Menschenfleisch sauer aufstoßen”

2. “Die Hochzeit war ausgesprochen schön gewesen, all ihre imaginären Freunde und auch einige echte waren gekommen. Der Kuchen war mindestens so hoch wie drei übereinandergestapelte Billy Regale, oder wenn dann vielleicht nur minimal kleiner.”
(Willkommen in meinem Kopf!)
Im letzten Schritt kann man natürlich – weil man das ja sonst auch macht – versuchen über das Problem zu schreiben. Ungeachtet dessen, dass der Text der dabei rauskommt von einem selbst in etwa so beurteilt wird:
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Ja, ich glaube, das könnte tatsächlich helfen. Vielleicht. Wohlmöglich. Eventuell. Ich weiß es nicht.
Wenn nicht, an dieser Stelle: Tschüssi für immer. Und wenn ja, dann: Bis zum nächsten Mal, Kinder.

 

P.S Einen schönen Kurzfilm zum Thema gibt’s vom wunderbaren britischen Youtube-Geschichten-Erzähler kickthepj, von dessen Hochzeit ich heute Nacht merkwürdigerweise geträumt habe.

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Junkie ohne Stoff – Wenn Watchever Doktoren und Detektive klaut

Ich habe miese Laune. Denn ich habe unlängst eine E-Mail von Watchever mit dem Betreff: “Sherlock wird ab dem 30.07.2014 eine Pause einlegen” bekommen.

Versteh ich nicht, dachte ich da zuerst. Sherlock geht schließlich nach jeder Staffel 2 Jahre in die Pause. Ein Kreuz das man eben zu tragen hat, wenn man diese Serie liebt. Das scheinen da ja ziemliche Blitzmerker zu sein. Aber weil es eben um Sherlock ging, öffnete ich die Mail sicherheitshalber und musste mit Schrecken feststellen, dass Watchever die Staffeln 1 und 2 vorerst aus dem Programm nimmt (Staffel 3 gab es dort sowieso nicht), angeblich wegen zu hoher Lizenzkosten.
Ich muss sagen, damit hatte Watchever schon mal recht arg bei mir verschissen. Man kann mir nicht meinen Detektiv wegnehmen. Nein, nein, nein. Diese Leute scheinen offenbar nicht zu verstehen, dass die meisten Sherlock Fans die Pause nur dadurch überbrücken, dass sie sich die alten Folgen wieder und wieder anschauen. Watchever, was soll denn der Scheiß?

Aber damit nicht genug. Ein Freund wies mich darauf hin, dass Sherlock nicht die einzige Serie ist, die aus dem Programm genommen wird (was die E-Mail übrigens verschwiegen hatte). Das betrifft unter anderem Serien wie Little Britain, Criminal Minds und am allerwichtigsten die Staffeln 1 bis 6 von Doctor Who. Diese kleine Information reichte aus um mir komplett die Laune zu verderben. Denn in diesem Fall ist es noch schlimmer als bei Sherlock: Ich habe nämlich noch nicht alle Folgen von Doctor Who gesehen. Ich bin erst am Ende von Staffel 3, aber leider emotional bereits so weit involviert, dass ich weitergucken MUSS. Und um mir alles auf DVD zu kaufen bin ich momentan leider nicht reich genug. Das heißt, ich habe quasi keine Wahl und muss bis zum 30.07 noch Staffel 4,5 und 6 gucken. Das würde natürlich gehen wenn ich arbeitslos wäre. Aber leider wird meine Freizeit beinahe täglich von 8 Stunden Arbeit und teilweise anschließenden sozialen Kontakten und persönlichen Projekten unterbrochen. Was stellen sich die Leute von Watchever also vor, wie ich das schaffen soll. Hä? Hä? HÄ?????

Tief durchatmen. Beruhigen wir uns doch erstmal. Ich könnte verstehen, dass einigen Menschen dieses Problem und die recht starke emotionale Reaktion befremdlich erscheinen mag. Insbesondere in einer Welt die im Größeren betrachtet momentan viel dringendere Probleme hat. Aber für meine kleine Welt ist das eben von Bedeutung und sie kann durch soetwas erschüttert werden. Weil gute Geschichten – wie sie in den Serien, Filmen und Büchern, die ich liebe erzählt werden – wichtig für mich sind. Sehr sogar. Und ja, diese Geschichten spannen mich emotional ein. Manchmal wenn ich darüber spreche, werde ich so Sachen gefragt wie: “Du weißt schon dass das nicht echt ist, oder?”
Natürlich weiß ich, dass kein Harry Potter mit dem Feuerblitz unbemerkt über unsere Köpfe hinwegsaust, dass Sherlock Holmes nicht wirklich Verbrechen in London löst und dass es keinen Doctor gibt der in einer blauen Polizeibox durch Zeit und Raum fliegt (das wäre allerdings der Knaller). Aber ich habe halt Spaß daran, mich mit der Story und dem Drumherum zu beschäftigen. Jeder hat halt so seine Hobbies und Laster. Manch einer pflanzt Rosen, manch einer kokst und ich lese, schaue und höre halt leidenschaftlich gern gute Geschichten. Jeder amüsiert sich eben auf seine Weise.

Man könnte jetzt natürlich sagen, wenn es mir so wichtig ist, dann könnte ich es ja einfach woanders gucken. Aber das Video On Demand Pack ist überall das gleiche. Maxdome und Amazon Instant Video bieten beispielsweise von Vornherein nicht alle Staffeln Doctor Who an. Und überhaupt, bin ich den Deal mit Watchever nur eingegangen, weil es dort die Serien gab, die ich schauen wollte. Und jetzt nehmen die mir die einfach wieder weg. Ich fühle mich betrogen. Das war nicht der Deal! Da kann ich quasi gleich wieder kündigen.
Ich meine, ich bin ja sogar schon vorbildlich – anstatt das alles illegal irgendwo zu streamen bezahle ich monatlich artig Geld damit ich legal Serien und Filme gucken kann, die ich mir, wenn ich Geld übrig habe dann zusätzlich sogar noch auf DVD kaufe. Ich bin ein quasi ein Bilderbuchkonsument. Aber nein, dann kommt der geschätzte Seriendealer daher und sagt, dass er sich aus dem Geschäft zurückzieht. Wo soll man jetzt den Stoff herbekommen? Da kommt es mir fast so vor, als würde man quasi dazu gezwungen Sachen auf dubiosen Seiten zu streamen. Sieh her Serienindustrie, ich bin doch bereit für deine Unterhaltung zu zahlen – nimm mein Geld, nimm es! Bitte führe mich nicht in Versuchung!
Das ist ein bisschen so, als würde man mir meine Harry Potter Bücher wegnehmen und sagen, dass ich sie zwar lesen darf aber nur nachts am U Bahnhof Osloer Straße (für alle Nicht-Berliner: das ist nicht so die beste Gegend). Gut würd’ ichs nicht finden, aber hinfahren würd’ ich letztendlich doch.
In Deutschland wird man als Serienjunkie sowieso irgendwann in die semiillegalität getrieben, weil man auf deutsche Fassungen von Serien (die dann auch noch schlecht sind) gerne mal über ein halbes Jahr warten muss, während das halbe Internet voller Spoiler ist und alle Welt sich über die neuesten Theorien austauscht wie Soundso wohl dies und jenes überlebt haben könnte. Wer es nicht gesehen hat ist nicht eben nicht dabei, so läuft das im Internet. Aber selbst wenn man fürs reine Streamen von Serien vermutlich nicht verknackt wird, weil sich Rechtsgelehrte nicht darüber einig sind, ob es sich hierbei um ein Verbrechen handelt oder nicht, komme ich mir dabei wie ein kleiner Dieb vor. Insbesondere weil das Drumherum dieser Seiten meist etwas schmutzig ist. Pussies, Pop-Ups, Penisse und Poker – das ist doch kein Umgang für eine Lady. Wenn möglich sollte man dieses Milieu meiden.

Ich muss es deshalb einfach versuchen – es bleiben mir 8 Tage. In dieser kurzen Zeitspanne werde ich in meiner knapp bemessenen Freizeit weniger Freunde treffen und mehr Binge-Watching betreiben um alle verbleibenden alsbald verlorenen Staffeln von Doctor Who zu schauen. Anschließend werde ich mein Watchever Abo kündigen – denn es wird nichts mehr geben, das mich dann noch dort hält. Meine letzten Stunden bei klarem Verstand möchte ich nutzen um euch zu warnen, denn ich werde mich vermutlich in einen emotional instabilen Zombie verwandeln, der selbst gerne mit der TARDIS fliegen würde und den Bildschirm anbrüllt weil er den Doctor heiraten möchte. Aber man muss Opfer bringen wenn man den Beitrag für diesen Monat nicht umsonst gezahlt haben will.
“Hast du eigentlich nichts besseres zu tun?”, werdet ihr fragen und die Antwort lautet: “Offensichtlich nicht.”Allons-y. Ich bin bereit.

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Aus dem Interweb (2) – Kartoffelsalat

Kickstarter-Projekte sprießen heutzutage wie Unkraut aus dem Boden. Das ganze Internet ist voll davon. Mal will ein Musiker dadurch sein Album produzieren, mal ein Start-Up seine neueste Innovation finanzieren. Spende 20 Euro und dein Name erscheint im Booklet der CD – so weit so gut. Aber das Internet wäre nicht das Internet wenn die ganze Sache nicht manchmal ein bisschen aus dem Ruder laufen würde. Denn alles kann zum Kickstarter werden. Alles. Sogar, sagen wir mal, Kartoffelsalat.

Screenshot_2014-07-07-13-27-52Mit den Worten: “Warum machen wir sowas eigentlich nie?”, machte mich ein Freund nämlich auf folgendes Projekt aufmerksam: I’m making Potato Salad. Und der Titel sagt es auch schon. Da ist ein Typ namens Zack Danger Brown  (wenn das mal kein cooler Name ist…), der einen Kartoffelsalat machen will und dafür von diversen Internetusern bereits über 40000 Dollar gespendet bekommen hat. Spendet man 2 Dollar oder mehr erhält man beispielsweise ein Foto von Brown, wie er Kartoffelsalat zubereitet. Bei größeren Spenden bekommt man einen thematisch passenden Hut oder eine Kartoffel in die der eigene Name eingeritzt wird. Sowas hab ich mir ja schon immer gewünscht.
Nach der Motivation befragt sagte Brown übrigens: “I realized that I really liked potato salad, but had never made it. Then I wanted to make potato salad“. Und im Internet, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, kann man diesen Traum leben – vom Kartoffelsalatzubereiter zum Millionär.
Ich möchte am Wochenende übrigens einen Kuchen backen. Wer mehr als 2 Dollar spendet, darf die Schüssel auslecken.

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Okay Google, zeig mir dämliche Suchanfragen

Google weiß alles…und Google ist ein Petze, es verrät mir nämlich unter anderem mit welchen Suchanfragen Leute auf meinen Blog kommen.
Damit könnte ich mich ja auch mal wieder befassen, dachte ich gestern, nachdem ich ungefähr zum 1000. Mal mit der “Okay Google, zeig mir Bilder von Bonobos….”-Werbung beschallt wurde.
Und siehe da, seit ich mich das letzte Mal damit auseinandergesetzt habe, sind wieder einige Schmuckstücke hinzugekommen. Wie immer handelt es sich dabei um Manifeste der Dummheit, Denkmäler des ewigen Kampfes des Menschen gegen die Technik und Zeugnisse der weitgehenden Sinnlosigkeit der menschlichen Existenz. Wie gewohnt werde ich mich bemühen, die Anfragen zu beantworten. Denn wer googelt, der findet…

hugo nuttenDu meintest nicht vielleicht eher die Hugenotten?
komm du mir mal nach hause freundchen
– Nee, lieber nicht. Weiß ja auch gar nicht wo du wohnst.
halte meinen partner für einen freak – Na da würd’ ich dann vielleicht mal über eine Trennung nachdenken. Das hat dir Google sicher auch geraten.
wie ruft man ein einhorn – Ich will dir ja jetzt keine Illusionen nehmen, aber ich bin mir ziemlich sicher dass kein Einhorn erscheinen wird – egal wie du es rufst. 
warum ist internet nicht scheiße????????????????????????????????? – Aus der Anzahl der Fragezeichen schließe ich, dass dir eine Antwort sehr wichtig ist. Das Internet wird auch noch scheiße, wart nur ab. Die Nassbirnen sind nämlich offenbar auch hier auf dem Vormarsch…
oh man woher weiss der typ das mit uns das ist ja ein totaler vollidiot vielleicht weil der nicht bei mir landen konnte – Ich denke, du müsstest deine Anfrage vielleicht ein bisschen präzisieren. Oder einfach das Internet verlassen. Für immer. Danke.
wo ist das scheiß e-mail von t-online – Weiß denn eigentlich keiner wie man scheiß Google benutzt?
fakt ist kein mensch scheisst parfüm – Eindeutig. Gut, dass wir das mal geklärt haben.
wie viel prozrnt der menscgheit glaubt wenn ein geräusch ertönt das es explodiert – Ich bin mir nicht sicher ob zu diesem speziellen Problem schon Studien durchgeführt wurden. Sicher ist aber dass 100% der Betreiber dieses Blogs glauben, dass das eine dämliche Frage ist.
wie stelle ich mir ein leben ohne internet vor – Findest du es nicht ein bisschen ironisch dass du diese Frage in eine INTERNET-Suchmaschine eingibst? Früher haben die Leute so eine Sache gemacht, die nannte sich “nachdenken”, ist aber ziemlich oldschool.
Weil meine Eier raushängen – Das ist zwar schlimm, aber noch lange keine Entschuldigung für alles.
frau vergisst scheiße im beutel nach one night stand – Ehhm. Die drängendere Frage ist doch wohl eher, wieso sie einen Beutel mit Scheiße dabei hatte.
harry potter und seine huren – Oh, endlich ein neuer Harry Potter Band. Scheint sich dann wohl an erwachseneres Publikum zu richten.
Swag online Klamotten kaufen, Swag online Klamotten kaufen – Wenn man es öfter eingibt werden die Ergebnisse besser (und haben doppelt so viel Swag). Das ist wie beim Fahrstuhl – der kommt ja auch schneller wenn man öfter drückt.
warum heißt es rechtsradikal obwohl hitler links händer war -
picard-facepalm2

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Alles gelogen?

Auf Stern.de habe ich heute einen Artikel über ein Video entdeckt. Es geht darin um einen Mann, der ein vollkommen gewöhnliches Leben führt. Weil man dafür aber auf Facebook keine Likes bekommt, malen seine Facebook-Status – das ist übrigens tatsächlich der korrekte Plural von Status, ich habe nachgeschlagen – ein ganz anderes Bild (siehe Video unten).
So überspitzt diese Darstellung auch sein mag, spiegelt sie doch eines der Probleme der Internet-Kultur wieder. Wenn man sich im Internet und seinen sozialen Netzwerken bewegt, muss einem klar sein, dass das was man dort zu sehen bekommt nicht unbedingt der Wahrheit entspricht – oder durch gezielte Auslassungen eben nur ein unvollständiges Bild zeichnet. Insbesondere der jüngeren Gruppe von Internetnutzern ist dies nicht immer bewusst. Das wird recht deutlich wenn man sich einschlägiger mit tumblr und dem YouTube Fankult der Generation Z – die ich insgeheim übrigens die YouTube Generation nenne, weil ihre Aufmerksamkeitsspanne meist nicht länger als ein durchschnittliches YouTube Video ist – auseinander setzt. Ich beschäftige mich mit diesem Thema beinahe unweigerlich schon eine Weile, weil es dazu in der von mir geschätzten (britischen) Vlogger Gemeinde unlängst einige Diskussionen gab. Nachzuverfolgen beispielsweise hier, und hier und besonders schön hier.

All das was man im Internet und seinen Social Media Gefilden preisgibt, ist eben nur das, was man bereit ist preiszugeben. Dazu kommt natürlich noch eine gehörige Portion Selbstinszenierung und das Streben nach Perfektion, das unserer Gesellschaft innewohnt. Wer postet schon ein Selfie auf dem das Doppelkinn zu sehen ist? Das würde ja keiner liken. Selfies sind, anders als es den Anschein macht sowieso nur selten super spontane Momentaufnahmen. Denn in den allermeisten Fällen gehen dem finalen Ergebnis 20, mehr oder weniger, hässliche voran. Niemand instagramt die Portion Topfwurst die er auf dem Teller hat. Es sind immer nur die Austern, das Steak, der geile Burger – und selbst über die legt man Filter damit sie leckerer aussehen, als sie in Wirklichkeit sind. Und wer schon mal Online-Dating betrieben hat, der weiß, dass auch Menschen eigentlich nie so aussehen wie auf ihrem Profilfoto.
Komischerweise sieht man auch höchst selten Statusupdates wie: „Wieder die ganze Nacht geheult.“ oder „Gerade allein eine ganze Tüte Chips gegessen. “ Und auf Twitter hält man seine Follower auch nicht über alles auf dem Laufenden. Dabei würden 140 Zeichen durchaus ausreichen für: „Mal eben eine Stunde auf dem Klo gesessen und dabei Zeitung gelesen #kacken #badezimmer“. Sowas würde offenbar keiner lesen wollen und kaum jemand “liked” die ungeschönte Realität. Der Mensch mag nun mal schöne Dinge. Und, noch viel wichtiger, der Mensch vergleicht sich gern mit anderen. Mein Haus, mein Pferd, mein Boot – meine Likes, meine Twitter Follower, meine Abonnenten.
Ich würde ja auch gerne behaupten, dass ich mich davon ausnehmen kann – dem ist aber natürlich nicht so. Man nehme dafür ja schon allein diesen Blog. Erstens schaue ich mir jeden Tag relativ ausführlich meine Besucherzahlen an – und wenn es viele waren, dann freue ich mich. Zweitens kommt natürlich hinzu dass dieser Blog, auch wenn er recht persönlich ist, längst kein vollständiges Bild zeichnet. Es gibt eine Grenze, die ich nach außen hin natürlich nicht definiere, die ich aber mit dem was ich hier preisgebe nicht überschreiten werde. Mittlerweile beschränkt sich meine Leserschaft schließlich längst nicht mehr nur auf meinen Bekanntenkreis. Mir schreiben manchmal Leute, die mir noch nie begegnet sind, die aber trotzdem meinen, mich anhand dieses Blogs gut einschätzen zu können. Aber ich könnte auch ein dicker bärtiger Mann sein, der nackt vor seinem Rechner sitzt und dabei an einer Bockwurst lutscht. (Bin ich nicht). Aber ich bin beispielsweise weniger schlagfertig, ein bisschen trauriger, sehr viel müder und vermutlich ein wenig fetter als man anhand dieses Blogs und meiner Social Networking Profile so denken würde.

 

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Aus dem Interweb (1) – Jagger und Bowie kleinlaut

Ich will euch mal ein Geheimnis verraten: Manchmal hab ich echt keinen Bock einen langen Text zu schreiben. Aber auf meinen Reisen durch das Internet begegnen mir häufig Dinge bei denen ich denke: “Ey, das müsste man eigentlich teilen.”
Ich habe deshalb entschieden, hier eine neue Kategorie einzuführen, die sich ausschließlich mit Internetfundstücken und -trends beschäftigt. Fortan werde ich also, vermutlich wöchentlich, ohne viele Worte etwas vorstellen, dass mich in der vorangegangenen Woche in den Landschaften des Internet beeindruckt, belustigt oder verstört hat.

Alle drei genannten Eigenschaften treffen übrigens auf das dieswöchige Fundstück zu, das mir mein Freund P.  freundlicherweise auf die Pinnwand gepostet hat. Es handelt sich dabei um ein musikloses Musikvideo. Erst vor 2 Tagen hochgeladen, verzeichnet das Filmchen bereits über 600000 Hits und wird in den kommenden Tagen garantiert so oft aufgerufen werden, dass es Ende nächster Woche in den ProSieben oder RTL2 Nachrichten als Webtrend auftauchen wird (vielleicht ist das auch schon passiert – habe schon lange kein Fernsehen mehr geguckt). Mark my words!

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