Pokémon, Superhelden und jede Menge Zauberer (2016 fetzt)

Generell gesehen ist 2016 ein gutes Jahr um ein Geek zu sein. Das hatte sich bereits mit dem Start von Star Wars – The Force Awakens zum Ende des letzten Jahres angekündigt. Dann gab es da noch die Neuauflage von Akte X, wir hatten Batman vs. Superman, Deadpool, The First Avenger: Civil War, X-Men Apocalypse, heute läuft Warcraft: The Beginning an und jeder (außer mir) verfolgt gerade gebannt die neuesten Entwicklungen in Game of Thrones und ist heiß auf die nächste Folge – sogar meine Mutter!

Für mich war bisher allerdings noch nicht wirklich etwas dabei. Die Dinge, die mein kleines Nerd-Herz höher schlagen lassen, haben sich nämlich erst für die zweite Jahreshälfte angekündigt.
Und weil ich einen neuen Laptop habe und die Tastatur ein bisschen ausprobieren will (klack, klack, klack, klack) dachte ich, ich schreibe mal ein paar Zeilen zu den Dingen, auf die ich mich in diesem Jahr in Sachen Popkultur freue. Vorfreude ist schließlich die schönste Freude (erzählt man sich zumindest).

Doctor Strange

Ich muss gestehen, dass ich, auch wenn man es eventuell von mir erwarten würde, nicht für jeden Marvel Film ins Kino gehe. Ja, es gab einige – Iron Man und Guardians of the Galaxy seien jetzt hier mal beispielhaft genannt, die ich ausgesprochen unterhaltsam fand, aber für gewöhnlich blicke ich Marvel Verfilmungen eher mit einem gleichgültigen “Meh” entgegen.
Ganz anders verhält es sich nun allerdings im Fall von Doctor Strange – pünktlich am 04.11.2016 werde ich auf der Kinomatte stehen.

Mal von dem offensichtlichen Grund meines Interesses (Benedict Cumberbatch) abgesehen, habe ich mich schon mal etwas näher mit der Geschichte Doctor Stranges befasst und mir hat gefallen was ich dazu bisher gelesen habe.

Darüber hinaus macht der erste Teaser Trailer allein schon optisch einiges her – er mutet recht inceptionesk an (was mir gut gefällt). Genauer gesagt war alles, was ich sagen konnte nachdem mein Kumpel Rüdiger (ich habe mich entschieden, meinen Freunden in diesem Blog fortan Decknamen zu geben) mir den Link zum Trailer schickte: “ALTER!”

Natürlich könnte das einer dieser Filme werden, in denen der Trailer die besten Szenen vorwegnimmt, aber ich will jetzt einfach mal nicht davon ausgehen. Und selbst wenn, bleibt immernoch Benedict Cumberbatch, den ich übrigens, entgegen allgemeiner Annahme, nicht nur mag, weil er auf merkwürdige Weise gut aussieht, sondern vorrangig weil er einfach ein bemerkenswert guter Schauspieler ist. Ich bin gespannt, wie er sich abseits seiner Standard Rolle (der des sozial inkompetenten Genies) so schlägt. Wobei ich im Grunde keine Zweifel habe, dass er überzeugen wird.

Harry Potter and the Cursed Child

Ich hätte eigentlich nicht gedacht, dass es nochmal dazu kommt, aber meine Gebete wurden erhört: am 31.07.2016 erscheint tatsächlich ein neues Harry Potter Buch!

Natürlich wird sich dieses Buch erheblich von den bisherigen Harry Potter Büchern unterscheiden, schon allein weil es sich hier nicht um einen Roman sondern das Skript eines Theaterstücks handelt. Mir persönlich ist das allerdings egal. Hauptsache Zauberer!
Hinzu kommt, dass unser Held, Harry, nun erwachsen ist und sich als Familienvater beweisen muss. Soweit ich richtig informiert bin, wird es aber ohnehin hauptsächlich um Harrys Sohn Albus (vermutlich das namensgebende Cursed Child) gehen.
Als Sohn eines Prominenten hat man es sicherlich nicht leicht und wenn der Ruhm deines Vaters auch noch darauf beruht, dass er den bösesten aller bösen Zauberer zur Strecke gebracht hat, ist es vermutlich einigermaßen schwierig, den Erwartungen gerecht zu werden und in die berühmten Fußstapfen zu treten. Das riecht nach Familiendrama – sowas soll es ja auch in der Zaubererwelt geben.

Der Wichtigkeit dieses Ereignisses angemessen, habe ich um das Erscheinungsdatum herum vorsorglich bereits Urlaub genommen. Sollte man etwas gegen Spoiler haben, sollte man mir in dieser Zeit vermutlich lieber nicht zu nahe kommen.

Fantastic Beasts And Where To Find Them

Wo wir schon beim Thema sind, bleiben wir doch gleich in der Zaubererwelt. Wir müssen zwar eine kleine Zeitreise in die 20er Jahre unternehmen, aber das macht ja nichts. Denn auch wenn Harry Potter zu dieser Zeit noch nicht geboren war, gab es damals sicherlich andere interessante Zauberer. Zum Beispiel den magischen Zoologen Newt Scamander, an dessen Abenteuern wir in diesem Jahr teilhaben dürfen.
Als ich davon gehört hatte, dass man Fantastic Beasts And Where To Find Them verfilmen möchte, war ich ausgesprochen skeptisch, denn es handelt sich hierbei lediglich um ein 42-seitiges Lexikon magischer Tierwesen, das auf Harry Potters Bücherliste für Hogwarts steht. Nicht unbedingt der Stoff aus dem gute Filme gemacht werden.
Aber als bekannt wurde, dass die Königen, J.K. Rowling persönlich, das Drehbuch schreiben würde, verflüchtigten sich die Zweifel langsam und sie wurden durch die Bekanntmachung, dass Eddie Redmayne die Hauptrolle übernimmt, endgültig ausgelöscht.
Bisher bekannt ist außerdem, dass die Geschichte in New York spielen wird, was einen spannenden Einblick in die amerikanische Zauberergemeinschaft gewähren sollte – aus den Harry Potter Büchern kennen wir schließlich nur die britische.

Ich war übrigens tatsächlich auf einen Aprilscherz auf Mugglenet.com hereingefallen, in dem verkündet wurde, dass der Starttermin für Fantastic Beasts And Where To Find Them in den Sommer 2017 verschoben wurde. Und ich kann euch sagen, das hat mir gehörig die Laune verdorben. Aber glücklicherweise stellte sich das ja als Falschmeldung heraus. Es bleibt also dabei: Der Film läuft am 18.11.2016 an. Whoop Whoop!

Star Trek Beyond

Ich mag Star Trek. Vorrangig hat das mit der Art und Weise zu tun, wie ich aufgezogen wurde – nämlich mit nur einem Fernseher im Haus. Wenn der Herr Vater Star Trek gucken wollte, gab es keine Diskussionen, die Fernbedienung musste augenblicklich abgegeben werden. Zunächst fand man das natürlich total doof, blieb aber trotzdem zum gemeinschaftlichen Fernsehgucken (und blöde Kommentare abgeben) im Zimmer – Star Trek ist schließlich immer noch besser als gar kein Fernsehen. Irgendwann musste man dann allerdings feststellen, dass man die Fernbedienung eigentlich bereitwillig abgab wenn es Zeit für Star Trek war und dass man diese ganzen Weltraumheinis selbst mittlerweile auch ganz gerne mochte.

An den neueren Star Trek Filmen scheiden sich ja nun bekanntlich die Geister der Fan-Gemeinde. Einige können oder wollen sich mit den Verfilmungen von J.J Abrams aus dem Paralleluniversum nicht anfreunden. Ich persönlich finde sie allerdings gut. Nicht Next-Generation-Serien-gut, aber immer noch gut weil ausgesprochen unterhaltsam.
Zumindest galt das für die beiden bisherigen Filme. Ob Star Trek Beyond da anschließen kann, wird sich noch zeigen. Der erste Trailer war relativ enttäuschend, vorrangig weil man im Grunde nichts von der Story zu sehen bekommen hat, sondern nur einiges an Action und Explosionen. Der neue Trailer sieht schon besser aus, und lässt meine Vorfreude wieder steigen. Obwohl ich natürlich im Grunde gehofft hatte, wir sehen Khan (Benedict Cumberbatch) nochmal wieder, was nicht der Fall zu sein scheint. Man kann eben nicht alles haben.

Pokémon Moon/Sun

Der einzige Grund, warum ich mir einen Nintendo 3DS zugelegt habe war, dass ich endlich wieder vernünftig Pokémon spielen wollte. So wie damals auf dem Game Boy in der guten alten Zeit.
Natürlich hatte sich die Pokémon Videospiel-Welt in meiner circa 10-jährigen Abwesenheit radikal verändert – so war in Pokémon Alpha Saphir plötzlich alles in Farbe und obendrein gab es viel mehr als 150 Pokemon – aber der Spiele-Zauber war noch da. Ein Zauber, der sich in der diesjährigen Auflage des Spieles hoffentlich fortsetzen wird.

Wie gewohnt gibt es zwei verschiedene Versionen: Pokémon Sun und Pokémon Moon. Vorrausschauend wie ich bin, habe ich bereits vorbestellt. Ich habe mich dabei für Pokémon Sun entschieden, vorrangig weil das Pokémon auf dem Cover cooler aussieht.
In der letzten Woche hat Nintendo außerdem die 3 zur Auswahl stehenden Starter-Pokémon bekannt gegeben: Ein Katzentier namens Litten, eine Eule namens Rowlet und ein Seehund namens Popplio, der im Internet bereits einiges an Hass einstecken musste, während die Katze und die Eule sich größter Beliebtheit erfreuen.

Seitdem frage ich mich natürlich, welches Pokémon ich mit auf die Reise in die Alola Region nehmen werde. Eigentlich starte ich immer mit dem Wasser Pokémon, aber mit diesem Seehund machen sich die anderen Pokémon-Trainer bestimmt über mich lustig. Und im Grunde wollte ich ja schon immer eine Katze…wobei Eulen spätestens seit Harry Potter auch ziemlich cool sind… Naja ich hab ja noch ein bisschen Zeit mich zu entscheiden.

Charlie`s Fun Science

Ich bin eigentlich ja schon etwas zu alt um zur Zielgruppe von YouTube zu gehören, aber ich verbringe dennoch relativ viel Zeit auf dieser Plattform – man muss ja up to date bleiben.
YouTuber sind jetzt die neuen Popstars. Was für uns damals die Backstreet Boys waren, sind heute Dan und Phil (die sagen euch aber vermutlich nichts wenn ihr älter als 16 seid).
Normalerweise verliere ich an einzelnen YouTube Kanälen irgendwann das Interesse. Aber bei Charlie McDonnell, besser bekannt unter dem Namen charlieissocoollike, ist das anders. Ihm bin ich schon seit Jahren treu.
Charlie war einer der ersten, die ihren Lebensunterhalt durch YouTube bestreiten konnten und gilt als Vorreiter der Vlogging Kultur – so ziemlich jeder britische YouTuber gibt an, durch Charlie inspiriert worden zu sein. Aber das nur mal am Rande.

In jedem Fall betreibt Charlie auf seinem Kanal eine Rubrik namens “Fun Science”, in der er wissenschaftliche Themen, die ihn interessieren, erklärt. Ich mag es ja, wenn Leute enthusiastisch von Dingen erzählen, die sie interessant finden – da leuchten die Augen immer so schön.


Es trifft sich nun, dass die Dinge, die Charlie interessieren auch mich interessieren. Noch viel besser trifft es sich, dass ich gerne lese und lerne und er nun ein Buch zum Thema Fun Science geschrieben hat. Das Bücherschreiben ist übrigens auch ein Trend, der momentan unter YouTubern umgeht. Charlies Buch wird allerdings das erste (und vermutlich einzige) dieser Bücher sein, das ich lesen werde. Ich habe sogar vorbestellt – mehr vorfreudige Anerkennung geht nicht.

Sherlock Staffel 4?

Ich denke ja eigentlich nicht, dass die neue Sherlock Staffel noch in diesem Jahr startet. Der Grund, warum ich es hier trotzdem aufführe, ist Hoffnung und die Aussage Martin Freemans in einem Interview, dass die Ausstrahlung der neuen Staffel “around christmas” starten würde.
Vermutlich wird sie aber der Tradition folgend erst im Januar anlaufen. Wobei es jetzt auf die paar Tage mehr oder weniger natürlich auch nicht mehr ankommt. Lange genug gewartet haben wir in jedem Fall. Es wird Zeit herauszufinden, wie Moriarty es geschafft hat, von den Toten wieder aufzuerstehen (wobei ich das im Grunde natürlich bereits weiß).

Was man aber in Sachen Sherlock bereits in diesem Jahr mit Argusaugen verfolgen kann, sind Berichte über die aktuell stattfindenden Dreharbeiten. Beschäftigt man sich mit #Setlock auf Instagram und Twitter, kann man sich schon einiges von der Story zusammenreimen. So weiß ich zum Beispiel, dass Watson eine neue, sexy Frisur hat. Uppps Spoiler Alert!

 

Und während ich mir den Rest des Jahres jetzt erwartungsvoll die Hände reibe, würde mich noch interessieren, auf welche Filme, Bücher, Serien, Spiele ihr euch in diesem Jahr noch freut (könnte ja sein, ich habe was wichtiges vergessen). Her mit den Empfehlungen!

Malen statt meckern

Manchmal, wenn ich meine, mich für die erfolgreiche Absolvierung einer bescheuerten Woche entlohnen zu müssen, gehe ich einkaufen. Einer der Vorteile des angeblichen Erwachsenseins ist es schließlich, das hart erarbeitete Geld für Dinge ausgeben zu können, auf die man gerade Bock hat.
Kürzlich handelte es sich um eine besonders bescheuerte Woche, deshalb war eine Buchhandlung der Einkaufsort der Wahl – man gönnt sich ja sonst nichts.
Bei Dussmann, der Mega-Buchhandlung an der Friedrichstraße wird gerade umgebaut. Deshalb ist das, was sich sonst auf 3 Stockwerken befindet, nun in die Hälfte des Erdgeschosses gepfercht worden. Ob diese Massenbuchhaltung nun artgerecht ist oder nicht, soll an dieser Stelle nicht diskutiert werden. In jedem Fall konnte man sich so viel schneller einen Überblick über das Angebot verschaffen – und das schien zu gefühlt 50 % aus Ausmalbüchern für Erwachsene zu bestehen.
Das verwunderte mich schon einigermaßen, denn vor einigen Monaten, als dieser Trend aus den USA herüberschwappte, hatte man noch heiß darüber diskutiert, ob man das denn tatsächlich machen könne, so als Erwachsener. Oder ob dieser Trend gar ein Zeichen für die kulturelle  Rückentwicklung der Gesellschaft ist.
Nun scheint das Ganze aber massenkompatibel und gesellschaftsfähig zu sein. Ich habe sogar gelesen, dass die Nachfrage an Bunt- und Filzstiften dermaßen gestiegen ist, dass die Hersteller Probleme haben, schnell genug nachzuproduzieren.
Ich finde das gut. Falls jetzt jemand erwartet hat, dass ich mich abschätzig über diesen Trend äußern würde, muss ich denjenigen leider enttäuschen. Nein, ich bin sogar einer von denen: Ein ausgewachsener Ausmaler.

Nun kann man sich natürlich fragen, warum machen Leute das? Ausmalen. Als Erwachsener. Ist doch irgendwie komisch, oder? Hat man uns nicht irgendwann beigebracht, dass wir unsere Ausmalbücher erst gegen Mathebücher und dann später gegen übergroße Zeitungen tauschen müssen, die man dann morgens wichtigtuerisch, aufgeklappt zum gewaltigen A2 Format, in der U-Bahn lesen kann, um seine Sitznachbarn zu terrorisieren? Zweifellos.
Das haben wir akzeptiert, weil man es eben so macht. Genau so wie arbeiten gehen, Salat zum Abendessen essen, und artig die Rechnungen bezahlen und all die anderen Dinge die man als verantwortungsbewusster Erwachsener so tut, während man sich heimlich wünscht, irre lachend auf einer Hüpfburg umherzuspringen, morgens Trickfilme zu gucken, dabei Kellogs Frosties zu essen und sich dann anschließend eine Bude aus Decken zu bauen.
Ausmalen ist da noch noch die machbarste Möglichkeit der kindlichen Rückbesinnung. Insbesondere da es einem hier noch einfach gemacht wird, immerhin die Fassade des Erwachsenendaseins aufrecht zu erhalten. Diese Malbücher sind schließlich angeblich viel detaillierter und anspruchsvoller als die für Kinder.
Ich persönlich nehme es aber ohnehin nicht so genau damit, mich meines Alters entsprechend zu verhalten. Das haben Leute, deren Repertoire an Oberbekleidung zu circa 40 % aus Harry Potter Shirts besteht, so an sich. Dementsprechend gebe ich schamlos zu, eine recht große Auswahl an Ausmalbüchern (für Erwachsene, versteht sich) zu besitzen.
Neben den üblichen Verdächtigen wie dem Harry Potter Malbuch, besitze ich auch obskurere Ausläufer des Maltrends, wie “Colour me good – Benedict Cumberbatch”. Obwohl ich dieses Büchlein ausgesprochen großartig finde, waren es vielleicht auch solche Bücher, wegen denen man hier dem Ausmalen skeptisch gegenüber stand. Denn hier geht es nicht nur ums reine Ausmalen, sondern auch ums Vervollständigen.
Auf einer Seite soll man sich beispielsweise selbst ins Bild malen, da Benedict für den heutigen Abend noch eine Begleitung braucht. Das ist natürlich so eine Beschäftigung, der man auch gut nachgehen könnte, während man All Inklusive Urlaub in der Gummizelle macht. Ich kann schon verstehen, dass Leute (die alles zu Ernst nehmen) das irgendwie merkwürdig finden.
Ich kann leider auch gar nicht gut genug malen, um mich selbst würdevoll darzustellen. Aber immerhin habe ich Benny einen Pullover gemalt. Da freut der sich!

Benny

Natürlich habe ich auch klassische Erwachsenenwerke wie “Inspiration Traumreise” im Programm. “Farbe rein, Stress raus” steht da im Untertitel. Stress. Das ist natürlich ein wichtiges Stichwort. Überraschenderweise scheint der Stress, obwohl ihn niemand leiden kann, doch recht weit verbreitet zu sein.
Ich mache mir meinen Stress meist selbst – hausgemacht eben, wie bei Mutti. Das ist relativ einfach, wenn man über die beeindruckende Fähigkeit verfügt, jedes noch so kleine Detail der vergangenen Tage so lange zu zerdenken, bis man zu dem Schluss kommt, in jeder Situation versagt zu haben. Ich finde es dann schon irgendwie schön, eine Ablenkung zu haben. Urlaub von meinem Kopf quasi. Denn das Ausmalen ist nicht so anstrengend, dass es absolute Konzentration erfordert, aber beansprucht doch so viel Aufmerksamkeit, dass man erstmal von allem anderen abgelenkt ist. Schließlich will man nicht über den Rand malen!

Mit den richtigen Malbüchern kann man außerdem, während man so vor sich hinmalt zusätzlich noch seine Aggressionen abbauen. So habe ich zum Beispiel, als mein Internetprovider über eine Woche lang nicht in der Lage war, mir Internet bereit zu stellen, recht exzessiv ausgemalt. Wohlgemerkt, ohne Internet, also ohne Netflix und Co. mangelte es ohnehin an Unterhaltung. Für die passiv aggressive Stressbefreiung empfehle ich unter anderem die Bücher: “Have a nice life asshole” und “I am sick of this shit”.

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Ausmalen ist übrigens nicht das einzige was ich so zum Stressabbau betreibe. Nein, nein, ich habe alles schon probiert. Basteln, Origami, Yoga, Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training. Hilft alles irgendwie. Aber malen ist schon ziemlich gut – insbesondere weil man danach etwas hat, woran man sich erfreuen kann. Nicht dass man sich die Werke hinterher im Wohnzimmer aufhängen würde, aber mal kurz das Endergebnis betrachten und auf Farben zu starren ist schon irgendwie schön. Farben fetzen – man muss sich auch mal an den kleinen Dingen des Lebens erfreuen.
Ab und zu mache ich übrigens auch mal eine dieser geführten Meditationen. Das gibt es jetzt auch auf Youtube – eine herrliche Zeit um am Leben zu sein! In jedem Fall, geht es dabei häufig darum, zu akzeptieren, dass es Dinge gibt, auf die wir keinen Einfluss haben und die wir einfach nicht ändern können. Das einzige was wir ändern können ist, wie wir mit diesen Situationen umgehen. Oder mit anderen Worten:

Deshalb mein Rat: Nicht meckern, einfach mal malen!

Moriarty ist tot. Es lebe Moriarty.

Habt ihr euch eigentlich schon mal gefragt, wie man es wohl überleben könnte, sich in den Kopf zu schießen? Ja? Ich auch.
Nicht aus persönlichem Interesse natürlich, sondern weil ich mich frage, wie es Jim Moriarty, der Gegenspieler unseres Lieblingssoziopathen, Sherlock, wohl geschafft haben könnte, sich in die Visage zu schießen und dann trotzdem noch weiter zu leben…

Ihr merkt es jetzt schon, ich möchte über Sherlock sprechen. Wer sich also – warum auch immer – nicht für Sherlock interessiert und/oder begeistert, kann jetzt abschalten. Und ja, jetzt sagt ihr vielleicht: Karo, hast du nichts Besseres zu tun, als über fiktive Rätsel nachzudenken und die vermutlich ohnehin falsche Theorie dann auch noch aufzuschreiben? Offensichtlich ist die Antwort: Nein.
Realitätsflucht muss von Zeit zu Zeit einfach mal drin sein. Und noch viel außerdemer lag ich kürzlich erkältungsbedingt 4 Tage im Bett, wo man, wenn man damit fertig ist zu bemerken, dass Husten- und Bronchialtee einfach scheiße schmeckt, nicht besonders viel zu tun hat. Jeder verschwendet Zeit halt auf seine Weise! Ihr zum Beispiel lest das hier ja jetzt grad.
Zudem habe ich hier ja irgendwann mehr Geek Content angekündigt. Hier ist er also nun. Der Zeitpunkt erschien mir jetzt günstig, da das Neujahrsspecial The Abominable Bride kürzlich nun auch hierzulande ausgestrahlt wurde, weshalb eigentlich jeder auf dem aktuellen Stand sein könnte. Trotzdem jetzt aber noch schnell die obligatorische Spoiler Warnung: ACHTUNG: Dieser Artikel enthält veraltete und aktuelle SHERLOCK SPOILER (inklusive The Abominable Bride).

Und nun zurück zum Thema: Wie wir uns erinnern, schießt sich Moriarty am Ende von Staffel 2 in Sherlocks Gegenwart in den Kopf, um dann am Ende von Staffel 3 auf allen Bildschirmen des Landes mit der charmanten Nachricht “Did you miss me?” wieder aufzutauchen. Mal davon abgesehen, dass wir Moriarty natürlich alle vermisst haben, weil er einfach ein brilliant gespielter Bilberbuchbösewicht ist, bleibt die Frage zu klären, wie das überhaupt sein kann.

Zunächst einmal, beweist natürlich die Übertragung eines Videos von Moriarty im Grunde eigentlich überhaupt nicht, dass er noch am Leben ist, denn das könnte vor dem Tod aufgenommen und dann von jemand anderem live gestellt worden sein. Aber ich gehe jetzt einfach mal nicht davon aus. Schon allein aus dem Grund, dass wir in diesem Fall, sofern die kommende Staffel nicht als Flashback erzählt wird, auf den wunderbaren Andrew Scott, den Schauspieler Moriartys, weitgehend verzichten müssten. Das dürfte den meisten Fans – inklusive mir – nicht sonderlich gut gefallen.
Also nehmen wir einfach mal an, er ist tatsächlich noch am Leben. Teilweise zumindest …
Ich sage teilweise, weil ich ein Anhänger der recht weit verbreiteten, wenngleich nicht unbestrittenen und unlängst in Ungnade geratenen Zwillingstheorie bin. Soll heißen: Es gab zwei Moriartys und einer der beiden hat sich auf dem Dach die Birne weggeblasen während der andere noch am Leben ist. Moriarty ist also gleichzeitig tot und lebendig. Ha!
Warum ich das denke? Und vor allem warum ich das immernoch denke, obwohl Watson in der aktuellen Folge die selbe Idee hatte und Sherlock das mit einem “It’s never twins, Watson!” abgetan hatte? Nun, die Beweislage ist erdrückend:

James, James und nochmals James
Obwohl die Serie den Original-Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle nicht immer 100%ig treu bleibt – so hat Holmes Magnussen oder besser gesagt: Milverton, wie er in den Original-Stories heißt, beispielsweise nicht selbst erschossen, er ist nur nicht eingeschritten als das jemand vor seinen Augen getan hat – orientiert sie sich doch stark daran, insbesondere in Bezug auf die Charaktere.
Nun ist es so, dass Professor Moriarty in den Geschichten einen Bruder hat, genau genommen sogar zwei, aber wir wollen uns nur mit einem näher befassen: Colonel James Moriarty. Der tritt zwar nicht persönlich in Erscheinung, wird aber in zwei Geschichten erwähnt. (Fun Fact: Professor Moriarty tritt selbst auch nur in zwei von 60 Geschichten auf und gilt trotzdem als Holmes härtester Widersacher).
Aber moment mal, was hab ich gerade gesagt? JAMES Moriarty? Das ist jetzt natürlich ein wenig merkwürdig, nicht wahr? Heißt unser Super- Bösewicht nicht auch James Moriarty? Ja, das ist zweifellos korrekt. Zufall? Im Original vermutlich schon. Denn wie vielleicht bekannt ist, hatte Doyle nicht besonders viel Freude daran, Sherlock Holmes Geschichten zu schreiben – er hasste es sogar, aber sie brachten eben Geld ein.
Es könnte also sein, dass er sich einfach nicht besonders viel Mühe bei der Namensverteilung gegeben hat und deshalb sowohl Professor Moriarty als auch seinen Bruder James genannt hat – ist halt auch einfach ein guter Name, das muss man ihm lassen. John Watson hat er in einer Geschichte auch aus Versehen mal James genannt. Dem Mann war offenbar einfach alles irgendwann egal… Tatsächlich gibt es sogar einen dritten Moriarty Bruder der ebenfalls James heißt. James, James, und James. Kreative Eltern. Hut auf!
Was aber bleibt, ist die Tatsache: Es gibt mehrere James Moriartys in den Vorlagen. Aus diesem verwirrenden Umstand kann man also schlauer Showrunner schon mal was machen, denke ich.

Jim und James
Nun mag es vielleicht aufgefallen sein, dass sich Moriarty in der Serie selbst Jim und nicht James nennt. Nun könnte man annehmen, dass Jim einfach die Kurzform von James ist. Klar, es ist der gebräuchliche Spitzname. James T. Kirk nennen ja auch alle Jim. Ich glaube allerdings, dass es sich hier tatsächlich um verschiedene Namen handelt. Es gibt Jim Moriarty und James Moriarty. Aber aufgrund der lustigen Spitznamen Situation fällt es einfach niemandem auf dass das zwei verschiedene Leute sind. Aber das erwähne ich jetzt nur für einen Bonuspunkt, sollte sich die Theorie bewahrheiten.

Taxi!
Die Zwillingssache wird sogar schon in der allerersten Folge A Study in Pink angeteasert.
Wir erinnern uns an den mordenden und modernden Taxifahrer. Er erzählt Sherlock von seinem mysteriösen Sponsor, der ihn, oder besser seine Kinder für jeden begangenen Mord entlohnt. Damit ist natürlich Moriarty gemeint, auch wenn der Taxifahrer zunächst nicht mit der Sprache rausrücken will. Stattdessen gibt es folgenden Dialog:
Taxi-Mörder: “You’re not the only one to enjoy a good murder. There’s others out there just like you, except you’re just a man … and they’re so much more than that.”
Sherlock: “What do you mean, more than a man? An organisation? What?”
Taxi-Mörder: “There’s a name no-one says, and I’m not gonna say it either.”
Komisch irgendwie, was? Das they könnte sich natürlich auf das kriminelle Netzwerk Moriartys beziehen. Aber vielleicht hat er auch einfach richtig erkannt, dass zwei Männer mehr als einer sind.

Er sagt es sogar selbst!
Wir gehen nun zu Staffel 1, Folge 3 “The Great Game” – Erster Auftritt Moriarty. Die Szene am Pool: Moriarty spricht eine Warnung aus, dass Sherlock ihm nicht in die Quere kommen soll, zieht seine Scharfschützen ab und verlässt dann die Szenerie nur um kurze Zeit später mit geänderter Meinung – nämlich dass Sherlock und John jetzt doch leider getötet werden müssen – und den Worten “I am soooo changeable” wieder zurückzukehren. Changeable – in der Tat. Weil es nämlich zwei Moriartys sind und jetzt ein anderer die Szene betreten hat. Er fährt dann fort: “It is a weakness with me, but to be fair to myself, it is my only weakness.”
Glück für Moriarty, dass er seine “Schwäche” jetzt losgeworden ist, wo sie sich den Kopf weggeblasen hat.

Sherlock merkt halt auch nicht alles
Ich habe ja oben schon erwähnt, dass Watson die Zwillingstheorie in der aktuellen Folge bereits zu Anfang ins Spiel gebracht hat und Sherlock diese sofort verwirft. Aber zunächst mal hat er dafür keine Begründung geliefert und zum anderen wird in der selben Szene klar, dass Sherlock echt nicht alles mitkriegt. Weil er, im Gegensatz zu Watson, nicht einmal bemerkt, dass Hooper eine als Mann verkleidete Frau ist.
Natürlich ist alles, was in dieser Folge präsentiert wurde, ohnehin mit Vorsicht zu genießen, da wir uns im Mind Palace des bis oben hin vollgedröhnten Sherlock befinden. Dennoch wird er später, nachdem sich seine eigene Theorie nicht bewahrheitet und die Handlung zunehmend diffuser wird in einem Nebensatz über John sagen: “He’s always right, it’s boring!” Und am Ende ist es Mind Palace Watson der Mind Palace Moriarty die Klippe runterkickt. So viel dazu also.
Sehr viel mehr Aufschluss gibt die aktuelle Folge allerdings nicht. Da außerhalb des Mind Palace nichts weiter geschieht, als dass Sherlock aus dem Flugzeug in ein Auto steigt, und wir vorher erfahren haben, dass sein Drogenproblem vielleicht doch etwas heftiger zu sein scheint, als wir bisher angenommen hatten. Aber kurz vor Schluss, bevor er in besagtes Auto steigt, sagt er noch etwas wichtiges: “Of course he’s dead, he blew his own brains out, no-one survives that. I just went to the trouble of an overdose to prove it. Moriarty is dead, no question. But more importantly, I know exactly what he’s going to do next.” Eine Aussage, die quasi maßgeschneidert ist für meine Theorie. Ein Moriarty ist tot, und den anderen meint Sherlock auf seinem Drogentripp bereits durchschaut zu haben.

bam

Das wollte ich nur gesagt haben, um im unwahrscheinlichen Fall, dass sich das tatsächlich bewahrheitet sagen zu können: Ich habs euch ja vorher gesagt. In Wirklichkeit kommt sicherlich doch alles ganz anders. Vielleicht war der Kopfschuss doch nur gefaked. Vielleicht war es doch nur ein Schauspieler auf dem Dach und Moriarty ist in Wirklichkeit Mary. Oder vielleicht hat sich auch alles, das wir bisher gesehen haben, nur in Sherlocks Mind Palace abgespielt. Sherlception!
Was meint ihr?

P.S. Es tut mir leid, dass die Zitate hier alle in englisch sind, aber ich habe nicht alle Folgen auf deutsch gesehen, weil ich Cumberbatchs Synchronstimme nicht mag. Und vor allem weil sich John und Sherlock siezen obwohl sie sich gleichzeitig beim Vornamen nennen. Das ist nicht okay.

 

ABC Bücher-Blogstöckchen

Blogstöckchen ist ein merkwürdiges Wortgebilde. Ich finde ja, das klingt irgendwie albern. Aber das trifft auf viele Wörter zu. Eingedeutscht könnte man sagen: ich wurde getagged. Ob das jetzt weniger albern klingt, wage ich noch anzuzweifeln, und ohnehin ändert es nichts an den Tatsachen: Die liebe Mona hat mich mit einem Blogstöckchen bedacht. Vielen Dank!

In diesem speziellen Fall handelt sich um ein ABC-Stöckchen (oder auch ABC tag). Heißt also, man befüllt das Alphabet thematisch – und wie man aus der Überschrift ableiten kann, geht es hier um Bücher.
Ich bin mir immer nicht sicher, ob ich mich in Bezug auf Bücher besonders gut als Stöckchenfänger eigne. Zwar verfüge ich in Bezug auf einige Bücher über Expertenwissen, auf der anderen Seite lese ich eigentlich gar nicht besonders viel. Zumindest nicht regelmäßig. Es gibt natürlich Phasen, in denen ich mir ein Buch nach dem anderen reinpfeife. Aber dann herrscht auch wieder monatelang Flaute (wenn man mal von Hörbüchern absieht). Trotzdem werde ich natürlich mein Bestes geben.

Ich weiß übrigens, dass diese Art des Contents unter den Lesern (und auch einigen Bloggern) nicht nur Freunde hat. Mir hat diesbezüglich zum Beispiel mal jemand gesagt: “Brauchste nicht mehr machen”. Aber da dieser jemand zwar an anderer Stelle, aber nicht hier auf diesem Blog weisungsbefugt ist und Blogstöckchen eine schöne Art des Netzwerkens sind, und ich dieses hier obendrein ganz niedlich finde, nehme ich diese ehrenvolle Aufgabe dankend an.

Spoiler Alert: Gefühlt 50 % meiner Antworten haben etwas mit Harry Potter zu tun. Ich könnte jetzt sagen, dass mir dieser Mangel an Varietät leid tut. Aber das würde mir ohnehin niemand abnehmen.

A für Autor – Autor, von dem du die meisten Bücher gelesen hast
Spontan würde ich sagen: J.K Rowling. Wenn ich so darüber nachdenke, könnte es aber auch Stephen King sein, weil ich dessen Bücher als Teenager quasi verschlungen habe. Heutzutage sind die mir allerdings zu gruselig. Man wird halt weich mit dem Alter.

B für Beste – Die beste Bücherserie
Harry Potter! Harry Potter! Harry Potter! Harry Potter! Harry Potter!

C für Current – Momentanes Buch
Vor ein paar Stunden begonnen: Genevieve Cogman – The Invisible Library.

D für Drink – Beim Lesen trinkst du am Liebsten
English Breakfast Tea (mit Milch und Zucker).

E Für E-Book – E-Books oder Papierbücher?
Das kann ich so pauschal nicht sagen. Ich liebe meinen kindle, weil ich so viele, viele Bücher mit mir herumtragen kann. Auf der anderen Seite kaufe ich mir ab und zu mal ein “richtiges” Buch, weil ich a) gerne in Buchhandlungen bin und beim Stöbern zuweilen etwas entdecke, das ich gern mitnehmen will und b) manchmal das Seitenumblättern vermisse.

F für Fictiv – Eine fiktive Person, mit der du als Jugendliche ausgegangen wärst
Ach herrje, diese Tür wollen wir mal lieber nicht zu weit aufstoßen… Fakt ist: Ich schwärme noch heute häufig gelegentlich für fiktive Charaktere. Als Jugendlicher hatten es mir Fred und George Weasley besonders angetan.

G für Glad – Du bist froh, dass du diesem Roman eine Chance gegeben hast
Suzanne Collins – The Hunger Games.

H für Hidden – Ein Roman, den du als verborgenen Schatz empfindest
Andreas Steinhöfel – Der mechanische Prinz.

I für Important – Ein wichtiger Moment in deinem Leserleben
Als die ersten 3 Harry Potter Bücher unter dem Weihnachtsbaum lagen.

J für Just – Welches Buch hast du als Letztes beendet?
Gestern Abend: Markus Zusak – The Book Thief.
Ich hatte ja bereits im Bücher-Blogstöckchen von 2014 erwähnt dieses Buch lesen zu wollen. Ein paar Monate später habe ich dann tatsächlich auch begonnen, diesen Plan in die Tat umzusetzen. Nun stellte mich dieses spezielle Buch aber vor ungeahnte Probleme. Denn circa ab der Hälfte des Buches musste ich die Lesesitzungen stets vorzeitig abbrechen. Schlicht und einfach aus dem Grund, dass ich alle paar Seiten angefangen habe zu heulen.
Ich meine, wir sprechen hier von einem Buch, dessen Erzähler der Tod ist und von einer Leserin, die bereits bei Merci Werbespots Pipi in den Augen hat. Man hätte ahnen können, dass das keine optimale Kombination ist. (Abgesehen davon spreche ich aber eine uneingeschränkte Leseempfehlung für dieses Buch aus).

K ???
Das K wurde in der Vorgabe von Mona und auch in den Versionen auf diversen anderen Blogs irgendwie unterschlagen. (Dabei ist das doch eindeutig ein super Buchstabe!) Aber zum Glück gibt es ja Google: K für Kind – Aus welcher Buchabteilung liest du nie ein Buch?
Erotik. Und Ratgeber. Und Vampirromane (das wird bei Amazon tatsächlich als eigenständige Kategorie geführt).

L für Long – Das längste Buch, das du je gelesen hast
Vermutlich Harry Potter und der Orden des Phönix.

M für Major – Das Buch, das dir die längste Leseflaute beschert hat
Das weiß ich auch nicht so ganz genau, aber im Zweifel ist es immer Harry.

N für Number – Wie viele Bücherregale besitzt du?
2 (kleinere) Regale und hier und da verstreute Bücher ohne Regal.

O für One – Ein Buch, das du mehrmals gelesen hast
Wer die Antwort errät bekommt einen Keks.

P für Preferred – Dein Lieblingsleseort
Mein Bett. Oder die Couch. Liegend lesen fetzt.

Q für Quote – Ein Buchzitat
Uuuuh, ich liebe Zitate. Ich führe dazu sogar ein Textdatei, in der meine Favoriten abgespeichert sind. Aber ich denke, dieses hier ist das erste, das ich so gut fand, dass ich es direkt und freiwillig auswendig gelernt habe:
“Seltsam sei es und ungerecht, sagte Gauß, so recht ein Beweis für die erbärmliche Zufälligkeit der Existenz, dass man in einer bestimmten Zeit geboren und ihr verhaftet sei, ob man wolle oder nicht. Es verschaffe einem einen unziemlichen Vorteil vor der Vergangenheit und mache einen zum Clown der Zukunft.” (Aus: Daniel Kehlmann – Die Vermessung der Welt)

R für Regret – Was bedauerst du als Leser?
Nicht mehr Bücher zu lesen.

S für Serie – Eine Serie, die du begonnen hast, die ganz erschienen ist und die du nie beendet hast
Terry Goodkind – Schwert der Wahrheit.

T für Three – Drei Lieblingsbücher
Okay, ich könnte jetzt Harry Potter sagen, aber ich meine, das hat jetzt ja jeder schon verstanden. Deshalb: Daniel Kehlmann – Die Vermessung der Welt, Paul Bokowski – Hauptsache nichts mit Menschen und Tino Hanekamp – So was von da.

U für Unapologetic – Von was bist du ohne Reue ein Fan?
50 Shades of Grey. Haha, kleiner Scherz. Harry Potter natürlich.

V für Very – Ein Buch, dessen Erscheinen du kaum erwarten kannst
Die Zeiten, in denen soetwas geschah, sind seit circa 10 Jahren vorbei – ihr wisst worauf ich anspiele…
Heutzutage setze ich manchmal Bücher die noch nicht erschienen sind auf meinen Amazon Wunschzettel um sie vielleicht beim Erscheinen zu kaufen. Kürzlich so geschehen mit: John Wray – The Lost Time Accidents.

W für Worst – Deine schlechteste Buchgewohnheit
Manchmal mehrere Monate (oder Jahre!) zu brauchen, um ein Buch zu Ende zu lesen, weil ich zwischendurch ein oder mehrere Bücher angefangen und ebenfalls nicht beendet habe.

X für X – Fange oben links mit Zählen an und nimm das 9. Buch aus einem deiner Bücherregale
Basiswissen für die Schule: Geschichte. Okay… Ich versuch’s doch lieber noch mit dem anderen Regal…Erich Fried – Gedichte. Ah ja, das ist besser.

Y für Your – Dein letzer Buchkauf
Andy Weir – The Martian.

Z für ZZZ – Das letzte Buch, das dir den Schlaf geraubt hat, weil du nicht mit dem Lesen aufhören konntest
Andy Weir! – The Martian!

Und zu guter Letzt wird mir noch die Aufgabe zuteil, dieses Blogstöckchen weiter zu schmeißen.
Abhandlungen zu diesem Thema von den Damen Eremitin, mama007 und Robin fänd’ ich dufte. Und natürlich kann sich auch jeder, der gern möchte, bedienen. Stöckchen sind für alle da.

P.S. Wisst ihr was mich am Alphabet schon immer verwirrt hat? Warum lernt man, dass es 26 Buchstaben umfasst, wenn es im Deutschen eigentlich mehr sind? Was ist mit Ä, Ü und Ö? Und ß?

Suchanfragen aus der Anstalt

So Freunde, es ist wieder Zeit für die allseits beliebte Rubrik: “Beknackte Google-Suchanfragen”. Ich wollte das ja häufiger machen, aber leider ist es so, dass mich das Stöbern in den Suchanfragen, mit denen Leute hier auf dem Blog landen, etwas betroffen macht. Diese armen Menschen!  Weder scheinen sie zu wissen, wofür man Google nutzt, noch wie es funktioniert. Noch viel weniger scheinen sie zu verstehen, dass Google trotz seiner beeindruckenden Fähigkeiten nicht zaubern, hellsehen oder wahrsagen kann. Oder dass am anderen Ende der Leitung kein kleines Menschlein sitzt, mit dem man sich unterhalten kann. Teilweise, so scheint es, haben diese Menschen auch Abseits des Internets ganz grundlegende Probleme. Probleme, die sich unsereins gar nicht richtig vorstellen kann. Und ich muss ganz ehrlich sagen, manchmal macht mich die Verblödung beinahe sprachlos. Aber seht selbst:

in bahn auf vollgepissten platz gesetzt schlimm? – Generell gesagt: ja.

eine frau so gesagt, 59199 hallo google lebensbedingung der tomaten – Geschichten, wie sie das Leben schreibt.

okay google ich muss kacken – Okay, und was soll Google da jetzt machen? Brauchste vielleicht ne Anleitung?

google zeig mir freche tiere aber nur bilder ich mag keine videos hallo du bist geil google – Erstens: Schmeicheleien bringen Dir keine besseren Suchergebnisse. Zweitens: Wenn du Bilder von “frechen Tieren” suchst, klick halt auf die Google Bildersuche!

google zeig mir wie man pinkelt – Noch einer der eine Anleitung braucht. Am besten du besuchst dazu mal einen Kurs an der Volkshochschule.

harry potter - idiot

google zeig mir die ihm die besten scheiß bilder vom weiher – Das beste aus den 70ern, 80ern, 90ern und das beste vom scheiß Weiher.

hey google zeige mir bilder von saldos – -5421 EUR

google sag mir wo ich meine toilette finde – Lass mich die Anfrage nochmal kurz zusammenfassen: DU weißt nicht mehr so DEINE Toilette ist? Schlechter Orientierungssinn oder hast du deine Kloschüssel vielleicht in der Bahn liegen lassen?

okay google zeig mir bilder von rollenden schuhen – Meinten Sie vielleicht: Rollschuhe?

google zeig mir mal fettsack linsen wo man nur einfach so anziehen kann – Fettsack linsen?
What tennatn

der erlkönig voll aufgeklärt – Ich bin nicht sicher was du möchtest: Wünschst du dir einen aufgeklärten Erlkönig oder möchtest du, dass dir jemand das Gedicht erklärt?

stellt dr oetker schießpulver her? – Manchmal würde ich mir das wünschen, ja. Da würde mir meine Mitgliedschaft im Dr. Oetker Backclub mal was bringen.

weis das internet wann ich scheißen muss – Ja natürlich, das Internet weiß das sogar schon vor dir selbst. Aber keine Sorge, wenn es so weit ist, gibt es eine Push Benachrichtung direkt aufs Smartphone und einen automatischen Post an die Chroniken deiner Facebook-Freunde.

karo ist bescheuert – Selber! Arschgesicht!
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ok google zeig mir bilder von todes ottern das sind schlangen – Todesotter! Und Schlangen! In Personalunion. Möge Gott uns allen gnädig sein.

gute nacht ihr hurze – Der Wolf. Das Lamm. Hurz!

wo kann man sich bargeld borgen in berlin – Gibt da so ein Institut…Man nennt es “Bank”.

ähm ja vielleicht was wieso warum vielleicht wieso vielleicht kann emails immer dank google scheiße f***** –  Eehm. Ich sag einfach mal: nein.

okay google zeig mir bilder von gar keine – Also entweder du willst etwas sehen oder eben nicht. Du musst dich schon entscheiden.

sherlock - moriarty facepalm

möpse ( busen ) – Danke für die Spezifizierung. Kleiner Tipp: Wenn du Bilder von Busen suchst, dann google doch einfach “Busen”. Oder halt das Wort mit T.

meine oma sagt google wär scheiße – Dann hat deine Oma jetzt wohl bei Google verspielt.

ich möcht noch nicht aufstehen , lustig – Ich bin sicher, deine ergoogelten und dann in deinen Facebookstatus kopierten, originellen Ulkigkeiten werden deine Freunde gleichermaßen amüsieren und beeindrucken.

scheiß tag danke – Bitte.

wollte nur schnell gute nacht sagen – Ja, wird auch Zeit. Gute Nacht.

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Die Freaks und 2016

Gestern noch war alles total 2015. Und dann plötzlich – BOOM – 2016. Wobei “plötzlich” natürlich das falsche Wort ist. Es ist ja nicht so, dass man nicht wüsste, dass man sich schon bald bei Datumsangaben für einige Wochen verschreiben wird. Genauso hat man sich vermutlich auch schon einige Wochen vorher mit der Planung der Festlichkeiten zum Jahreswechsel befasst.
Wie ihr wisst, mag ich Silvester nicht. Dieses Jahr war es aber tatsächlich ganz schön. Ich war in Pankow bei Freunden. Wir trugen Jogginghosen, haben Blei gegossen und Stirb Langsam 2 (Orig. Die Hard 2) geguckt und dabei festgestellt, dass der deutsche Titel irreführend ist. Denn obwohl die Story an sich mir irgendwie langatmig vorkam, stirbt in diesem Film niemand langsam. Auf der anderen Seite würde “Stirb hart”, “Stirb dolle”, oder “Stirb heftig” aber auch echt beknackt klingen. Man hatte also keine Wahl. Aber das nur mal so am Rande.
Die verhasste Böllerei aus dem Wedding war optisch und akustisch auch noch in Pankow zu vernehmen, weshalb ich ausgesprochen froh darüber war, mich nicht dort zu befinden. Gleichzeitig fragte ich mich aber, ob meine Wohnung eventuell auch einen harten Tod gestorben sein wird wenn ich am nächsten Morgen heimkehren würde. Glücklicherweise war dem nicht so. Der Wohnsitz ist also in 2016 noch gesichert. Check.

Heute hängt über Berlin eine Silvestersmogwolke. Das halbe Land ist verkatert, die andere Hälfte ist im Fitnessstudio oder auf dem Weg zur Notapotheke, Nikotinpflaster kaufen, um die eigentlich schon totgeborenen Vorsätze der letzten Nacht umzusetzen.
Natürlich bin ich da auch nicht besser. Ich liege auf der Couch und versuche einen meiner Vorsätze umzusetzen: Diesen Blog mit Content füllen. Ich habe das im letzten Jahr schändlich vernachlässigt, schlicht und einfach aus dem Grund, dass 2015 für mich persönlich (also abgesehen von den offensichtlichen weltpolitischen Problemen) in jeder Hinsicht irgendwie okay war. Total okay. Job okay. Wohnung okay. Gefühle okay. Okay bietet nicht besonders viel Anlass zum Bloggen. Unzufriedenheit, ja. Wut, ja. Hass, ja. Liebe, ja. Aber okay? Eher nicht so. Mal davon abgesehen dass sich, so glaube ich, auch niemand für okay interessiert.
Deshalb habe ich in letzter Zeit viel darüber nachgedacht habe, was ich überhaupt mit diesem Blog anstellen soll. Stillegung stand im Raum. Um diese mahnende Stimme im Hinterkopf – “Ey, willste nicht mal wieder was bloggen” – ruhigzustellen. Wenn kein Blog mehr da ist, können derartige Auffforderungen nämlich nicht aufkommen.
Auf der anderen Seite finde ich das Zusammenfügen von Wörten viel zu schön, als dass ich mich selbst dieser Plattform hier berauben wollte. Bloggen macht Freude. Nur vergisst man das immer dann, wenn man gerade nicht bloggt und sich denkt, dass man sich stattdessen jetzt auch einfach eine Folge irgendeiner Serie auf Netflix angucken könnte. Hypothetisch hieße aber mehr Bloggen auch mehr Freude. Nun stellt sich aber die Frage: Worüber schreiben – wenn nicht über Okayigkeit?

Mein Bruder findet, ich solle hier Berichte über Restaurants schreiben, in denen ich brunchen war. Aber erstens interessieren mich ausführliche Restaurantberichte selbst ungefähr…überhaupt nicht. Zweitens gehe ich allerhöchstens einmal im Monat brunchen weil ich am Wochenende für gewöhnlich nicht vor 13 Uhr aufstehe. Und drittens interessiert sich doch wohl wirklich niemand dafür wo ich essen gehe. Wer gute Restaurants sucht, kann Google befragen. Oder Yelp.
Deshalb, Brunchen: Nein.

Manchmal mache ich mir ja auf meinem Handy Notizen zu Dingen, über die ich gerne etwas schreiben würde.
Einige dieser Notizen beinhalten Listen. Listen jeglicher Coleur. Listen über Musik, Listen über Filme, Listen über Gefühle, Listen über Leute, Listen über Wissenschaft. Alles was das Listenuniversum so zu bieten hat. Listen sind ja jetzt der heißeste Scheiß, wie man Anhand des Erfolges von Buzzfeed leicht nachvollziehen kann. Ich lese gerne Listen, und ich fertige Sie auch gerne an. Könnte man also machen. Auch wenn die Idee jetzt echt nicht gerade innovativ ist. Aber wenn wir alle innovativ wären, verlöre das Wort ja total an Bedeutung. Und wer will das schon verantworten können?

Andere Notizen beziehen sich auf den täglichen Wahnsinn, besser bekannt unter dem Decknamen “Alltag”, mit dessen Regeln unerwartet viele Menschen – mich eingeschlossen – ungeahnte Probleme zu haben scheinen. (Siehe dazu bspw. oben: “Vor 13Uhr aufstehen”). Da ihr das gerne lest (glaube ich zumindest) und ich das gerne schreibe, wäre das also was, sofern ich den inneren Schweinehund überwinden kann.

Wieder andere meiner Notizen verstehe ich selbst nicht mehr weil ich sie in den Minuten verfasst habe, in denen man schon im Bett liegt und sich in diesem merkwürdigen Zustand zwischen wach und Traum befindet. Der Anschaulichkeit halber hier einige Beispiele: “Wenn ich der Mars wäre”, “80000 Wörter”, oder “Gute Chance Serienmörderelemente zu erhalten”…WTF?
Eindeutig ungeeignet.

Naheliegend wäre auch, hier das zu machen, was ich auch auf anderen Social Media Kanälen tue: Geek sein. Ja, jetzt kann ich die Wahrheit endlich verkünden. Ha! Ich bin ein Geek! Was euch jetzt vermutlich so sehr überrascht wie die Neuigkeit, dass Wasser nass ist. Aber da ihr das jetzt wisst, kann ich euch ja auch verraten, dass ein weiterer Grund dafür, dass ich hier gerade Buchstaben auf der Tastatur antippe, ist, dass ich Zeit totschlagen muss bis die neue Sherlock-Folge heute Abend ausgestrahlt wird. Ohne Ablenkung bepullere ich mich womöglich noch vor Aufregung.

Man sollte ja meinen, diese Leidenschaft für fiktionale Charaktere, Geschichten und Universen würde mit dem Alter nachlassen. Ich habe aber momentan eher das Gefühl, dass es “schlimmer” wird. Vielleicht bin ich der sowas wie ein Geek Benjamin Button… Wie dem auch sei. Ich denke, mehr nerdeske Inhalte könnten diesem Blog gut stehen.

Oder?

Walk of Shame – Supermarkt Edition

Ich erwarte im Grunde nicht allzu viel von meinen Mitmenschen. Eigentlich fast gar nichts, insbesondere seit ich in Berlin wohne. Hier, wo man die Touristen von den Einheimischen am besten dadurch unterscheiden kann, dass die einen lächeln und die anderen eine Fresse ziehen. Hier, wo man nicht mal mit der Wimper zuckt, wenn andere schon kotzen. Hier wo man seine Unhöflichkeit als Direktheit oder noch besser als Berliner Urgestein verkauft. Und doch bin ich manchmal überrascht:

Ich stand an der Supermarktkasse im Netto, hatte den Einkauf sorgfältig auf dem Band platziert, ja sogar mit dem vorschriftsmäßig mit dem Warentrenner abgetrennt. Doch just bevor die Dame an der Kasse den ersten meiner Artikel, ein Suppenhuhn, über den Bieper ziehen wollte, bemerkte ich bei meinem Routinecheck in meiner Brieftasche das Fehlen der EC-Karte bei gleichzeitiger Bargeldlosigkeit. Wer an ein Verbrechen denkt, ist weit gefehlt.
Die Karte war nicht aufgrund eines Diebstahls unauffindbar, sondern wegen meiner eigenen Faulheit, die mich nach dem letzten Benutzen daran gehindert hatte, die Karte artgerecht im Portmonnaie zu verstauen und sie stattdessen einfach in die Jackentasche hatte gleiten lassen. Aha! Dann wird sie wohl dort sein.
Dummerweise trug ich heute eine andere Jacke – dies würde den Bezahlvorgang vermutlich erheblich erschweren. Scheiße.

Im Grunde verängstigen mich alle sozialen Interaktionen in einem gewissen Maße, aber das versprach eine besonders unangenehme zu werden. Weshalb ich nun vorsichtshalber anfing zu schwitzen.
Dem geschulten Auge der Fachverkäuferin entging mein Unbehagen und das panische Wühlen in der Geldbörse natürlich nicht. Weshalb sie nun mit dem größtmöglichen Einfühlungsvermögen (soll heißen: gelangweilt) fragte: “Watn, keen Jeld dabei?”. Ich schüttelte den Kopf und klammerte mich verbal an den letzten Strohhalm: “Kann ich hier vielleicht mit Kreditkarte zahlen?”. Bei Edeka und Real kann man das nämlich. Das weiß ich, weil ich aus oben erwähntem Grund öfter mal meine EC Karte vergesse. Deshalb weiß ich eigentlich auch, dass man es bei Netto nicht kann. Denn vor ein paar Monaten hatte ich mich in eben jenem Netto in der selben Situation befunden, damals allerdings noch mit vom Zahnarzt betäubter Gusche. Ihre Antwort (“Nee.”) kam deshalb für mich deshalb wenig überraschend. Immerhin konnte ich mich im Gegensatz zu damals jetzt artikulieren ohne Gefahr zu laufen mich dabei zu besabbern. Immer das Positive sehen!
Dennoch verharrte die Situation nun auf einem unverändert hohen Unannehmlichkeitslevel.
“Naja dann… dann kann ich’s nicht bezahlen”, sage ich, und wünschte mir mal wieder ich wäre ein Strauß. Nicht nur weil ich dann verhältnismäßig schnell wegrennen könnte, sondern auch weil ich dann meinen mittlerweile vermutlich tomatenfarbenen Kopf tief, tief tiiief in den Sand stecken könnte. Diese Situation hier war offenbar die Supermarktversion des Walk of Shame.
“Dit allet soll weg, ja?”, fragte sie leicht erzürnt, ganz so, als hätte ich mit Absicht mein Geld vergessen. Quasi Supermarktklingelstreich.
“Ja… wobei…” Ich stand unglücklicherweise unter Zeitdruck, in wenigen Minuten würde eine Freundin an meiner Tür klingeln. Ich hatte keine Zeit den gesamten Einkauf noch einmal zu wiederholen, denn ich denke, sie hätte es als unhöflich empfunden, wenn ich die Tür nicht öffne obwohl ich sie persönlich in mein Heim eingeladen hatte. Ich musste schnell handeln, deshalb fragte ich:
“Könnten Sie das hier irgendwo stehen lassen und ich gehe schnell Geld holen?”
“Ja, ick lass dat hier an der Seite stehen. Müssense sich aber nochmal anstellen”, sagt sie, jetzt wieder in gewohnt gelangweilter Tonlage.
Puh. Na Mensch, das ist ja eigentlich noch ganz gut gelaufen, denke ich und schaue suchend nach einem Korb in den ich die Lebensmittel schnell möglichst unbemerkt einräumen kann, als sie sich ohne Vorwarnung an die noch in der Schlange stehenden Kunden wendet und ruft: “Geben’se mir mal einen von den Körben, ick muss das hier einräumen. DIE FRAU HIER HAT KEIN GELD DABEI.” Sie deutet auf mich.
Dömdömdömm!
Während ich mir mental schon mal vornehme, einfach nie wieder das Haus zu verlassen und die Einkäufe ausschließlich online zu erledigen, erinnere mich an diesen Werbespot aus den Neunzigern: “Tinaaa, wat kosten die Kondome?”
Wobei dies im Grunde eine viel angenehmere Situation gewesen wäre, weil Safer Sex bekanntermaßen wichtig ist, und man sich nicht zu schämen braucht wenn man ihn praktizieren will. Total schlau ist das sogar!
Hier entstand allerdings ein anderes Bild. Denn was meinen Miteinkäufern hier vermittelt wurde war, dass ich zu blöd zum Einkaufen war. Hey Leute guckt mal hier, diese Frau hat nicht verstanden, dass man beim Einkaufen Waren gegen Geld tauschen muss. Hahahahah! Ha!
Einige Kunden starren mich verständnislos an. Als würden Sie sich fragen, wie ich mir wohl den beträchtlichen Hirnschaden der zu meiner Einkaufsinkompetenz geführt hatte, zugezogen haben könnte. Sie haben Mitleid – offenbar anders als die Kassiererin in ihrer nonchalanten Art.

Klar, das ganze Szenario wäre nicht entstanden wenn ich meine EC-Karte vorschriftsmäßig dabeigehabt hätte. Dennoch finde ja, man hätte, als geschulte Einzelhandelskauffrau, die ganze Geld-Vergessen-Sache schon irgendwie anders formulieren können. Man hätte auch nicht so laut sprechen müssen und schon gar nicht gestikulieren, weil es der Kundin (in diesem Fall mir) eventuell unangenehm sein könnte. Ja vielleicht hätte man zusammenfassend auch einfach etwas mehr Diskretion und Empathie an den Tag legen können.
Aber wie sagt der Berliner so schön: Hätte, hätte, popette. Ich hätte ja auch einfach bei Real einkaufen oder, noch besser, als Strauß geboren werden können…

 

P.S Bevor mir jetzt irgendjemand was über Strauße erzählt: Ich weiß, dass die ihre Köpfe nicht wirklich in den Sand stecken. Atmet sich dort nämlich schlecht.
Der hier verwendete Vergleich ist lediglich metaphorisch zu betrachten.

Allein auf dem Mars

 

In the face of overwhelming odds, I’m left with only one option: I’m gonna have to science the shit out of this.

Mark Watney

Ich weiß ja nicht was ihr so macht, aber ich verbringe momentan viel Zeit damit, darüber nachzudenken, wie ich wohl auf dem Mars überleben könnte. Jaja, ich weiß – bevor man über das Leben auf anderen Planeten nachdenkt, sollte man vielleicht erst mal das Leben auf diesem Planeten meistern. Aber hey, U-Bahnfahrten sind lang und ich bin ein Freund von Realitätsflucht. Da kann man das normale Leben auch kurzzeitig mal vernachlässigen.

Ausschlaggebend für die Abkehr vom terrestrischen Gedankengut war übrigens naheliegenderweise, dass ich kürzlich “The Martian” (Der Marsianer) im Kino gesehen und das gleichnamige Buch von Andy Weir gelesen habe. Ihr wisst schon, diese Story von dem Astronauten der auf dem Mars zurückgelassen wird weil seine Crew denkt er wäre tot – was man aber wohl in die Kategorie “Herbe Fehleinschätzung” einordnen müsste. Weshalb Astronaut Mark Watney nun auf dem Mars festsitzt – ohne dass davon jemand weiß. Ein klassischer Fall von “Schöne Scheiße”.
Offensichtlich ist das für mich und mein Hirn eine ausgesprochen packende Story, die mich auch Wochen nach dem Konsum noch fasziniert. Und das kommt, obwohl ich Geschichten aller Art liebe und konsumiere, nicht so häufig vor.
Ich will jetzt dem Film gar nicht so viel vorwegnehmen (Spoiler Alert!), aber es ist ja klar was passieren muss, sofern es sich bei dem Werk nicht um einen Kurzfilm handeln soll: Watney muss irgendwie versuchen zu überleben.
Tatsächlich legt er in dieser Hinsicht einige bemerkenswerte macgyvereske Fähigkeiten an den Tag, auf die ich einigermaßen neidisch bin weil es mir eindeutig an Survival Skills mangelt. First World Problems.

Watney pflanzt zum Beispiel Kartoffeln, was zwar einfach klingt, auf dem Mars aber, nicht zuletzt wegen der niedrigen Temperaturen problematisch ist. Außerdem braucht man Dünger – es ist ja nicht so, dass man auf dem Mars einfach in den nächsten Gartenmarkt spazieren könnte. Glücklicherweise ist der Mensch selbst aber ebenfalls ein hervorragender Düngerproduzent. Das Ergebnis stinkt zwar mehr als das Gartenmarkt-Produkt, erfüllt aber seinen Zweck.
So weit würde ich das vielleicht sogar auch hinbekommen (also jetzt nicht nur den Dünger, sondern auch die Kartoffeln zu kultivieren).
Obwohl… Natürlich nicht auf Dauer. Denn ich hätte vermutlich nicht genug Wasser um die Pflanzen zu wässern. Für Watney ist das kein Problem, er macht einfach welches. Er. macht. Wasser. An diesem Punkt wäre es bei mir leider vorbei. Ich wüsste jetzt so aus dem Stehgreif nicht wie man Wasser herstellt. Und auch nicht wenn ich länger drüber nachdenken würde. Watney nutzt Wasserstoff (aus Raketentreibstoff), Sauerstoff und Feuer. BUMM! Das einzige was ich noch aus dem Chemieunterricht weiß ist, dass Buttersäure wie Kotze riecht. Das würde mir natürlich wenig helfen, weshalb ich nach relativ kurzer Zeit tot wäre… Ich hätte auf meine Mutter hören und etwas richtiges studieren sollen. Sprach- und Kulturwissenschaften helfen einem auf einem unbesiedelten Planeten wenig bis sehr, sehr wenig.

Vermutlich hätte ich aber erstmal ein bisschen Wasser dabei. Wieso sollte man jemanden ganz ohne Wasser auf den Mars schicken? Sagen mal, man hätte mir 100 Liter in den Rucksack gepackt. Der Mensch braucht 2 Liter am Tag. Das verschafft mir ungefähr 50 Tage Lebenszeit. Wofür würde ich diese Zeit nutzen? Ich würde natürlich versuchen, Kontakt mit der Erde aufzunehmen. Vermutlich würde ich mit Steinen eine Nachricht auf die Marsoberfläche legen. So wie: „Ich lebe noch. Kann mich bitte jemand abholen?“ Und dann hoffen, dass ein Satellit dieses Bildmaterial an die Erde sendet.
Steine… das ist natürlich total Low Tech. Für alles andere fehlt mir aber, anders als dem Sonden reparierenden Watney, das technische Verständnis. Obwohl ich natürlich im Grunde weiß, wie Kommunikation funktioniert: Man braucht einen Sender, einen Empfänger und einen Informationskanal. Der Empfänger muss außerdem in der Lage sein die Nachricht, die ich gesendet habe zu dekodieren und so weiter und so fort. Nur würde mir dieses theoretische Grundwissen natürlich nichts nützen weil ich nicht wüsste wie ich es technisch umsetzen kann.
Mein Unterbewusstsein war sich dieser Problematik schon recht früh bewusst. Denn kurz nachdem ich angefangen hatte das Buch zu lesen, träumte ich, dass ich auf dem Mars festsitze und mit der NASA kommuniziere indem ich mir Eiswaffeln auf den Kopf setze. Zum Empfangen der Nachricht müssen sich die Mitarbeiter einfach auch Eiswaffeln auf den Kopf setzen… Also, ich sag mal so: Die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit.
Aber selbst wenn mein steiniger Plan aufgeht, würde es ziemlich lange dauern, bis mich jemand abholen kommen könnte. Zum Vergleich: Für die tatsächliche Marsmission in 10 Jahren plant NASA eine Reisezeit von 210 Tagen ein. Wohlgemerkt ist das nur die reine Reisezeit. Es ist ja nicht so, dass NASA etliche Raketen auf Halde hätte und die von heute auf morgen losschicken könnte. Bis das rettende Raumschiff also kommt, ist mir das Wasser natürlich längst ausgegangen und ich wäre aufgrund mangelnder Chemie-Skills verendet.
Bisher endete übrigens jede Simulation des Karo-allein-auf-dem-Mars-Szenarios mit diesem Ergebnis. Super.

Ein positiver Gedanke bleibt allerdings – und das ist auch der, der mich aus den Tagträumen zurück in die Realität holt: Warum zur Hölle sollte mich überhaupt jemand auf den Mars schicken?

Nochmal Glück gehabt.

P.S. Falls ihr es nicht rausgelesen habt: Ich mag „The Martian” und spreche für Buch und Film eine uneingeschränkte Konsumempfehlung aus (sofern noch nicht geschehen):

Life Hack: Umsonst Bus fahren

Seit ich in Berlin lebe, frage ich mich, ob man dem Busfahrer beim Einsteigen tatsächlich ein Ticket zeigen muss. Denn der Berliner Busfahrer scheint sich nicht mal ansatzweise dafür zu interessieren, was man ihm da unter die Nase hält. Meistens guckt er nichtmal hin. Und manchmal steigen Fahrgäste hinten ein, dann interessieren ihn die Fahrkarten schon gar nicht.
Früher in Brandenburg wurde man immer durch Anschreien höflich dazu aufgefordert den Fahrschein vorzuzeigen, falls man die Frechheit besessen hatte, hinten einzusteigen. Dann musste man den schwierigen Walk of Shame hin zum Fahrer absolvieren während durch die Vordertür immer mehr Kinder mit eckigen Schulranzen zustiegen. Aber hier? Wäre mir zumindest noch nicht untergekommen. Vermutlich weil es hier noch zusätzlich Kontrolleure gibt, die U-Bahnen und – wenngleich auch sehr selten –  Busse patrouillieren. Der Dorfbusfahrer hat da quasi eine Doppelfunktion – Steuermann und Kontrolletti. Das ist viel Druck, deshalb auch das häufige Geschrei. Der Berliner Busfahrer ist da um einiges entspannter. Aber wenn man ihm eigentlich nichts vorzeigen muss, warum machen es dann alle? Kommen vermutlich auch alle vom Dorf…

Dieser Gedanke beschäftigte mich nun intensivst als ich neulich mit einem der unzähligen hiesigen Busse fahren wollte. Ich hatte mich kurzfristig dazu entschieden, diesen Bus zu nutzen. Dinge ohne mentale Vorbereitung, quasi spontan, zu machen, ist im Falle einer zeitweise sozial etwas ungeschickten Person eine Gefahrenquelle. Besser ist es, ich stehe vor Abfahrt schon 5 Minuten da, habe die BVG Abokarte aus dem Portemonnaie gekramt und probe mental die zu absolvierenden Schritte: Einsteigen, die Karte vorzeigen, hinsetzen. Machbar.
Aber hier rollte der Bus schon heran, als ich mich dazu entschied, meinen Weg mit selbigem fortzusetzen. Quasi leben am Limit.

Vor mir standen drei Menschen in der Einsteigeschlange. Ich nutzte die Zeit um panisch in meinem, zugegebenermaßen recht großen Portemonnaie zu wühlen, das sich plötzlich allerdings in Hermines Handtasche mit dem unaufsprührbaren Ausdehnungszauber verwandelt zu haben schien. Unzählige Kundenkarten. Hunkemöller, s.Oliver, Esprit, Apotheke, die Sammelkarte von dem Laden wo ich immer eine Backkartoffel esse… Aber die innovative FahrCard? Fehlanzeige.
Die Schlange rückte vorwärts. Hatte ich die Karte etwa zu Hause vergessen? Unwahrscheinlich.
Mit viel größerer Wahrscheinlichkeit war ich Opfer eines Verbrechens geworden. Aber noch ehe ich mich fragen konnte, warum jemand die FahrCard, aber nichts anderes stehlen sollte, machte der vernünftige Teil meines Gehirn konstruktive Vorschläge, wie man diese prekäre Situation lösen könnte:
Die Payback Karte vorzeigen (könnte peinlich werden falls der Bluff auffliegt).
Sagen, dass man die Karte vergessen hat (klappt vermutlich nur wenn man Grundschüler ist).
Ein neues Ticket kaufen (kein Kleingeld).
Den nächsten Bus nehmen (keine Zeit).
Andere Leute vorlassen um weiterzukramen (möchte nicht mit Fremden sprechen).

Retrospektiv gesehen, waren diese Vorschläge eigentlich alle ganz akzeptabel. Akzeptabler jedenfalls als das, wofür mein Gehirn sich nun in einer Übersprungshandlung entschied.
Ich stieg ein, blieb kurz vor dem Busfahrer stehen und spührte meinen Körper plötzlich Folgendes tun:

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Oh Gott…Augenblicklich beschlich mich ein altbekanntes Gefühl. Das gleiche Gefühl, das man hat wenn man nach 4 Stunden auf der Arbeit und einem Meeting bemerkt, dass man sich morgens beim Zähneputzen wohl volle Möhre auf die Bluse gesabbert hat. Das Gefühl, wenn man dem Kioskverkäufer in der U-Bahnstation eine “Gute Fahrt!” wünscht, anstatt “N’ schönen Tach noch”. Oder wenn man zur Kellnerin: “Danke, gleichfalls” sagt, wenn sie einem einen guten Appetit wünscht. Eine Mischung aus Überraschung, Ungläubigkeit und Scham. Das Gefühl, in der simpelsten sozialen Situation schlichtweg versagt zu haben. Man möchte sein Leben kurz in den Werkszustand zurückversetzen. Den Resetknopf drücken. KMN.
Aber ich schreie nur innerlich. Ich lasse mir nichts anmerken. Ich gehe einfach weiter, ganz so, als ob dies gerade eine angebrachte Busfahrer-Fahrgast-Interaktion gewesen wäre. Und der Busfahrer…lässt mich gewähren.

Wodurch eindeutig bewiesen wäre, dass man das Vorzeigen einer Fahrkarte beim Einsteigen tatsächlich vernachlässigen kann. Wieder etwas gelernt, wieder Geld gespart – Lebensqualität durch soziale Inkompetenz.

All by myself

Ich erzähle meiner Mama, dass ich meiner besten Freundin beim Umzug helfen will. Sie wird mit ihrem Freund zusammenziehen. Meine Mutter macht mitleidige Geräusche, dann sagt sie: „Du bist so einsam!”
Ich höre sowas öfter. Aussagen wie diese irritieren mich in zweierlei Hinsicht. Erstens weil eine außenstehende Person ja eigentlich überhaupt gar nicht beurteilen kann ob eine andere Person einsam ist, da Einsamkeit nun mal ein eine Emotion ist, die eben nur durch eine etwaigig einsame Person empfunden und beurteilt werden kann. Zweitens, und das ist noch viel wichtiger, weil ich überhaupt nicht einsam bin.
Doch da habe ich mich wohl offenbar getäuscht. Meine Mama und andere sagen, ich bin einsam. Sehr, sehr einsam. Und sicherlich können andere das viel besser einschätzen als ich.

doctor who - the saddest gif of all time

Es ist töricht von mir, mich für besagte Freundin und ihren Freund zu freuen, weil sie eine so tolle Wohnung gefunden haben. Noch viel törichter ist es, dass ich mich für meine Freundin freue, weil sie jemanden gefunden hat, der sie glücklich macht – wo dies doch offensichtlich Unglück für mich bedeutet. Ich hätte diese Beziehung bereits im Keim ersticken und damals nicht auch noch zu ihr sagen sollen, dass ich den neuen Freund mag. Aber jetzt ist es zu spät. Wir werden uns nie wieder sehen. Vorbei die Tage, in denen wir gemeinsam einsam sein konnten. Weinend Dirty Dancing schauen, Pralinen essen, uns selbst bemitleiden, mit Dartpfeilen auf die Fotos unserer Ex-Freunde werfen – was Frauen eben so machen, wenn sie Single und verbittert sind. Alles zerstört. Nun habe ich überhaupt keine sozialen Kontakte mehr. An wen soll ich mich schon wenden? Schließlich habe ich nur die eine Freundin. Früher hatte ich mehr, aber sie wurden mir durch glückliche Beziehungen entrissen. Sie haben es alle geschafft. Das große, einzig wichtige Ziel im Leben: einen Partner. Auf gar keinen Fall gewinnt man durch diese Partnerschaften Freunde hinzu. Nein, denn das sind Eindringlinge, Freundschaftszerstörer, Wegnehmer. Ja, euer Glück widert mich regelrecht an. Insgeheim will ich, dass all eure Beziehungen zerbrechen, ihr euch scheiden lasst. Damit ihr genauso einsam seid wie ich…

Derartiges Gedankengut wird bei mir vermutet, ja vielleicht sogar erwartert. Man glaubt mir nicht, wenn ich sage, dass ich gerne allein bin. Man denkt, dass ich das alles nur spiele. Dass ich vorgebe tapfer zu sein, während ich mich eigentlich jeden Abend in den Schlaf weine und dabei einen Sack Reis umarme dem ich ein T-Shirt angezogen und den ich mit Axe Bodyspray besprüht habe. Man stellt sich mein Leben so vor: Einsam aufwachen, einsam Mittagspause, einsam Abendessen, einsam schlafen. Ab und zu einsam mit gesenktem Kopf im Regen spazieren oder ins Museum gehen, wo ich mit Tränen in den Augen die Menschen betrachte die zu zweit oder in Gruppen gekommen sind, während Eric Carmen im Hintergrund All by myself singt.
Ja, ich kann es manchmal in den Gesichtern anderer Leute sehen, den mitleidigen Blick oder die mentale Frage: “Was stimmt denn nicht mit ihr?” Ich führe da exemplarisch nur nochmal meinen letzten Urlaub an, bezüglich dessen meine Oma fragte: “Hast du gar keine Freunde?”, und auf dessen Bericht hin eine Kollegin in der Küche verwundert ausrief: “ALLEIN?”

judging you
Ja, warum denn nicht allein? Was ist so schlimm daran? Mich nervt das Unverständnis. Allein bedeutet einfach nur, dass keine anderen Menschen da sind. Einsamkeit hingegen beruht auf dem Wunsch, Nähe und Verständnis in einer oder mehreren Personen zu erlangen. Einsam und allein sind zwei unterschiedliche Dinge. Und der Schluss, dass der der allein ist, unweigerlich einsam ist, ist schlichtweg falsch. Und umgekehrt hat man doch vielleicht auch schon mal die Erfahrung gemacht, dass man sich extrem einsam fühlen kann obwohl man nicht allein ist (ich für meinen Teil kenne das gut).
Generell kann man also vielleicht sagen: Einsamkeit ist scheiße aber Alleinsein nicht zwingend. Kann es natürlich sein, wenn man eben nicht weiß wie man sich allein beschäftigt, wenn man das Gefühl hat, Dingen allein nicht gewachsen zu sein oder wenn man ein eher extrovertierter Mensch ist, der den stetigen Austausch mit anderen braucht um sich wohl und sicher zu fühlen oder Eindrücke zu verarbeiten. Das ist auch voll okay. Aber all das trifft auf mich nicht zu. Ich bin super im Alleinsein. Ich finde das sogar entspannend. Wäre ich ein Handy, wäre Alleinsein mein Ladekabel. Das war im Grunde schon immer so, nur wusste ich das Früher nicht. Weil einem ja quasi schon immer eingetrichtert wird, dass Alleinsein nicht normal ist. Schon durch das traditionelle gesellschaftliche Ideal: Mann, Haus, Kind. Als Teenager in den Sommerferien freute ich mich deshalb heimlich, noch während ich mit den Freunden am See lag, immer am meisten darauf, abends noch etliche Stunden wach zu bleiben, den neuesten Harry Potter Band zu lesen oder die Talkradio Sendung Blue Moon auf Radio Fritz zu hören.
Jetzt ist das auch noch so. Nur stehe ich jetzt halt dazu, dass der schönste Moment des Tages der ist, wenn ich mich mit dem Laptop im Bett verkrochen habe, oder etwas bastle oder backe, lese, höre… Es gibt viele Dinge die man allein tun kann. Manchmal am Wochenende, verliere ich zwei Tage lang kein einziges Wort. Ich mag das. Manchmal gehe ich sogar alleine raus. Das mag ich auch.
Das heißt nicht, dass ich ein asozialer Psychopath bin. Ich treffe andere Menschen. Jeden Tag auf der Arbeit und häufig sehe ich Freunde sogar in meiner Freizeit und habe Spaß dabei. Krass. Tatsächlich habe ich sogar mehr als einen Freund, man mag es kaum glauben. Und weil es meine Freunde sind, akzeptieren sie es wenn ich die Einladung auf einen Bier ausschlage weil ich “menschfreien Freitag” eingelegt habe.
Und klar, es gab Zeiten und es wird Zeiten geben, in denen auch ich mich einsam fühle. Aber diese Zeiten sind nicht jetzt, sie sind es schon mehrere Jahre nicht mehr. Es mangelt mir an nichts. Ich habe mir das sogar selbst so ausgesucht.
Ein weiser Mann namens Olli Schulz hat mal gesungen: Du bist so lange einsam, bis du lernst allein zu sein. Das stimmt. Aber es gibt viele Leute, die das im Grunde nie lernen. Und deshalb verstehen sie auch nicht, wie man dabei Freude empfinden kann. Dabei würden sie, wenn sie es mal probieren würden, vielleicht sogar merken, dass man alleine viel mehr schafft als man sich vorher zugetraut hat und dass es das Selbstvertrauen stärkt, zu wissen, dass man nicht immer auf andere angewiesen ist. Ich lebe gut mit der Erkenntnis, einen IKEA Kleiderschrank allein aufbauen zu können und mit der Erfahrung alleine einen 25 Kilo schweren Koffer durch das erstaunlich hügelige Großbritannien gewuchtet zu haben. Ich finde es gut, die Fähigkeit zu besitzen, mich selbst beschäftigen zu können. Ja, ich finde Alleinsein dufte. Und wenn jemand sagt: “Also allein wär mir das ja nix…”, denke ich: Dein Pech. Ich mach das jetzt: All by myself. Einfach weil ich’s kann.

mental-five (1)