ABC Bücher-Blogstöckchen

Blogstöckchen ist ein merkwürdiges Wortgebilde. Ich finde ja, das klingt irgendwie albern. Aber das trifft auf viele Wörter zu. Eingedeutscht könnte man sagen: ich wurde getagged. Ob das jetzt weniger albern klingt, wage ich noch anzuzweifeln, und ohnehin ändert es nichts an den Tatsachen: Die liebe Mona hat mich mit einem Blogstöckchen bedacht. Vielen Dank!

In diesem speziellen Fall handelt sich um ein ABC-Stöckchen (oder auch ABC tag). Heißt also, man befüllt das Alphabet thematisch – und wie man aus der Überschrift ableiten kann, geht es hier um Bücher.
Ich bin mir immer nicht sicher, ob ich mich in Bezug auf Bücher besonders gut als Stöckchenfänger eigne. Zwar verfüge ich in Bezug auf einige Bücher über Expertenwissen, auf der anderen Seite lese ich eigentlich gar nicht besonders viel. Zumindest nicht regelmäßig. Es gibt natürlich Phasen, in denen ich mir ein Buch nach dem anderen reinpfeife. Aber dann herrscht auch wieder monatelang Flaute (wenn man mal von Hörbüchern absieht). Trotzdem werde ich natürlich mein Bestes geben.

Ich weiß übrigens, dass diese Art des Contents unter den Lesern (und auch einigen Bloggern) nicht nur Freunde hat. Mir hat diesbezüglich zum Beispiel mal jemand gesagt: “Brauchste nicht mehr machen”. Aber da dieser jemand zwar an anderer Stelle, aber nicht hier auf diesem Blog weisungsbefugt ist und Blogstöckchen eine schöne Art des Netzwerkens sind, und ich dieses hier obendrein ganz niedlich finde, nehme ich diese ehrenvolle Aufgabe dankend an.

Spoiler Alert: Gefühlt 50 % meiner Antworten haben etwas mit Harry Potter zu tun. Ich könnte jetzt sagen, dass mir dieser Mangel an Varietät leid tut. Aber das würde mir ohnehin niemand abnehmen.

A für Autor – Autor, von dem du die meisten Bücher gelesen hast
Spontan würde ich sagen: J.K Rowling. Wenn ich so darüber nachdenke, könnte es aber auch Stephen King sein, weil ich dessen Bücher als Teenager quasi verschlungen habe. Heutzutage sind die mir allerdings zu gruselig. Man wird halt weich mit dem Alter.

B für Beste – Die beste Bücherserie
Harry Potter! Harry Potter! Harry Potter! Harry Potter! Harry Potter!

C für Current – Momentanes Buch
Vor ein paar Stunden begonnen: Genevieve Cogman – The Invisible Library.

D für Drink – Beim Lesen trinkst du am Liebsten
English Breakfast Tea (mit Milch und Zucker).

E Für E-Book – E-Books oder Papierbücher?
Das kann ich so pauschal nicht sagen. Ich liebe meinen kindle, weil ich so viele, viele Bücher mit mir herumtragen kann. Auf der anderen Seite kaufe ich mir ab und zu mal ein “richtiges” Buch, weil ich a) gerne in Buchhandlungen bin und beim Stöbern zuweilen etwas entdecke, das ich gern mitnehmen will und b) manchmal das Seitenumblättern vermisse.

F für Fictiv – Eine fiktive Person, mit der du als Jugendliche ausgegangen wärst
Ach herrje, diese Tür wollen wir mal lieber nicht zu weit aufstoßen… Fakt ist: Ich schwärme noch heute häufig gelegentlich für fiktive Charaktere. Als Jugendlicher hatten es mir Fred und George Weasley besonders angetan.

G für Glad – Du bist froh, dass du diesem Roman eine Chance gegeben hast
Suzanne Collins – The Hunger Games.

H für Hidden – Ein Roman, den du als verborgenen Schatz empfindest
Andreas Steinhöfel – Der mechanische Prinz.

I für Important – Ein wichtiger Moment in deinem Leserleben
Als die ersten 3 Harry Potter Bücher unter dem Weihnachtsbaum lagen.

J für Just – Welches Buch hast du als Letztes beendet?
Gestern Abend: Markus Zusak – The Book Thief.
Ich hatte ja bereits im Bücher-Blogstöckchen von 2014 erwähnt dieses Buch lesen zu wollen. Ein paar Monate später habe ich dann tatsächlich auch begonnen, diesen Plan in die Tat umzusetzen. Nun stellte mich dieses spezielle Buch aber vor ungeahnte Probleme. Denn circa ab der Hälfte des Buches musste ich die Lesesitzungen stets vorzeitig abbrechen. Schlicht und einfach aus dem Grund, dass ich alle paar Seiten angefangen habe zu heulen.
Ich meine, wir sprechen hier von einem Buch, dessen Erzähler der Tod ist und von einer Leserin, die bereits bei Merci Werbespots Pipi in den Augen hat. Man hätte ahnen können, dass das keine optimale Kombination ist. (Abgesehen davon spreche ich aber eine uneingeschränkte Leseempfehlung für dieses Buch aus).

K ???
Das K wurde in der Vorgabe von Mona und auch in den Versionen auf diversen anderen Blogs irgendwie unterschlagen. (Dabei ist das doch eindeutig ein super Buchstabe!) Aber zum Glück gibt es ja Google: K für Kind – Aus welcher Buchabteilung liest du nie ein Buch?
Erotik. Und Ratgeber. Und Vampirromane (das wird bei Amazon tatsächlich als eigenständige Kategorie geführt).

L für Long – Das längste Buch, das du je gelesen hast
Vermutlich Harry Potter und der Orden des Phönix.

M für Major – Das Buch, das dir die längste Leseflaute beschert hat
Das weiß ich auch nicht so ganz genau, aber im Zweifel ist es immer Harry.

N für Number – Wie viele Bücherregale besitzt du?
2 (kleinere) Regale und hier und da verstreute Bücher ohne Regal.

O für One – Ein Buch, das du mehrmals gelesen hast
Wer die Antwort errät bekommt einen Keks.

P für Preferred – Dein Lieblingsleseort
Mein Bett. Oder die Couch. Liegend lesen fetzt.

Q für Quote – Ein Buchzitat
Uuuuh, ich liebe Zitate. Ich führe dazu sogar ein Textdatei, in der meine Favoriten abgespeichert sind. Aber ich denke, dieses hier ist das erste, das ich so gut fand, dass ich es direkt und freiwillig auswendig gelernt habe:
“Seltsam sei es und ungerecht, sagte Gauß, so recht ein Beweis für die erbärmliche Zufälligkeit der Existenz, dass man in einer bestimmten Zeit geboren und ihr verhaftet sei, ob man wolle oder nicht. Es verschaffe einem einen unziemlichen Vorteil vor der Vergangenheit und mache einen zum Clown der Zukunft.” (Aus: Daniel Kehlmann – Die Vermessung der Welt)

R für Regret – Was bedauerst du als Leser?
Nicht mehr Bücher zu lesen.

S für Serie – Eine Serie, die du begonnen hast, die ganz erschienen ist und die du nie beendet hast
Terry Goodkind – Schwert der Wahrheit.

T für Three – Drei Lieblingsbücher
Okay, ich könnte jetzt Harry Potter sagen, aber ich meine, das hat jetzt ja jeder schon verstanden. Deshalb: Daniel Kehlmann – Die Vermessung der Welt, Paul Bokowski – Hauptsache nichts mit Menschen und Tino Hanekamp – So was von da.

U für Unapologetic – Von was bist du ohne Reue ein Fan?
50 Shades of Grey. Haha, kleiner Scherz. Harry Potter natürlich.

V für Very – Ein Buch, dessen Erscheinen du kaum erwarten kannst
Die Zeiten, in denen soetwas geschah, sind seit circa 10 Jahren vorbei – ihr wisst worauf ich anspiele…
Heutzutage setze ich manchmal Bücher die noch nicht erschienen sind auf meinen Amazon Wunschzettel um sie vielleicht beim Erscheinen zu kaufen. Kürzlich so geschehen mit: John Wray – The Lost Time Accidents.

W für Worst – Deine schlechteste Buchgewohnheit
Manchmal mehrere Monate (oder Jahre!) zu brauchen, um ein Buch zu Ende zu lesen, weil ich zwischendurch ein oder mehrere Bücher angefangen und ebenfalls nicht beendet habe.

X für X – Fange oben links mit Zählen an und nimm das 9. Buch aus einem deiner Bücherregale
Basiswissen für die Schule: Geschichte. Okay… Ich versuch’s doch lieber noch mit dem anderen Regal…Erich Fried – Gedichte. Ah ja, das ist besser.

Y für Your – Dein letzer Buchkauf
Andy Weir – The Martian.

Z für ZZZ – Das letzte Buch, das dir den Schlaf geraubt hat, weil du nicht mit dem Lesen aufhören konntest
Andy Weir! – The Martian!

Und zu guter Letzt wird mir noch die Aufgabe zuteil, dieses Blogstöckchen weiter zu schmeißen.
Abhandlungen zu diesem Thema von den Damen Eremitin, mama007 und Robin fänd’ ich dufte. Und natürlich kann sich auch jeder, der gern möchte, bedienen. Stöckchen sind für alle da.

P.S. Wisst ihr was mich am Alphabet schon immer verwirrt hat? Warum lernt man, dass es 26 Buchstaben umfasst, wenn es im Deutschen eigentlich mehr sind? Was ist mit Ä, Ü und Ö? Und ß?

Suchanfragen aus der Anstalt

So Freunde, es ist wieder Zeit für die allseits beliebte Rubrik: “Beknackte Google-Suchanfragen”. Ich wollte das ja häufiger machen, aber leider ist es so, dass mich das Stöbern in den Suchanfragen, mit denen Leute hier auf dem Blog landen, etwas betroffen macht. Diese armen Menschen!  Weder scheinen sie zu wissen, wofür man Google nutzt, noch wie es funktioniert. Noch viel weniger scheinen sie zu verstehen, dass Google trotz seiner beeindruckenden Fähigkeiten nicht zaubern, hellsehen oder wahrsagen kann. Oder dass am anderen Ende der Leitung kein kleines Menschlein sitzt, mit dem man sich unterhalten kann. Teilweise, so scheint es, haben diese Menschen auch Abseits des Internets ganz grundlegende Probleme. Probleme, die sich unsereins gar nicht richtig vorstellen kann. Und ich muss ganz ehrlich sagen, manchmal macht mich die Verblödung beinahe sprachlos. Aber seht selbst:

in bahn auf vollgepissten platz gesetzt schlimm? – Generell gesagt: ja.

eine frau so gesagt, 59199 hallo google lebensbedingung der tomaten – Geschichten, wie sie das Leben schreibt.

okay google ich muss kacken – Okay, und was soll Google da jetzt machen? Brauchste vielleicht ne Anleitung?

google zeig mir freche tiere aber nur bilder ich mag keine videos hallo du bist geil google – Erstens: Schmeicheleien bringen Dir keine besseren Suchergebnisse. Zweitens: Wenn du Bilder von “frechen Tieren” suchst, klick halt auf die Google Bildersuche!

google zeig mir wie man pinkelt – Noch einer der eine Anleitung braucht. Am besten du besuchst dazu mal einen Kurs an der Volkshochschule.

harry potter - idiot

google zeig mir die ihm die besten scheiß bilder vom weiher – Das beste aus den 70ern, 80ern, 90ern und das beste vom scheiß Weiher.

hey google zeige mir bilder von saldos – -5421 EUR

google sag mir wo ich meine toilette finde – Lass mich die Anfrage nochmal kurz zusammenfassen: DU weißt nicht mehr so DEINE Toilette ist? Schlechter Orientierungssinn oder hast du deine Kloschüssel vielleicht in der Bahn liegen lassen?

okay google zeig mir bilder von rollenden schuhen – Meinten Sie vielleicht: Rollschuhe?

google zeig mir mal fettsack linsen wo man nur einfach so anziehen kann – Fettsack linsen?
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der erlkönig voll aufgeklärt – Ich bin nicht sicher was du möchtest: Wünschst du dir einen aufgeklärten Erlkönig oder möchtest du, dass dir jemand das Gedicht erklärt?

stellt dr oetker schießpulver her? – Manchmal würde ich mir das wünschen, ja. Da würde mir meine Mitgliedschaft im Dr. Oetker Backclub mal was bringen.

weis das internet wann ich scheißen muss – Ja natürlich, das Internet weiß das sogar schon vor dir selbst. Aber keine Sorge, wenn es so weit ist, gibt es eine Push Benachrichtung direkt aufs Smartphone und einen automatischen Post an die Chroniken deiner Facebook-Freunde.

karo ist bescheuert – Selber! Arschgesicht!
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ok google zeig mir bilder von todes ottern das sind schlangen – Todesotter! Und Schlangen! In Personalunion. Möge Gott uns allen gnädig sein.

gute nacht ihr hurze – Der Wolf. Das Lamm. Hurz!

wo kann man sich bargeld borgen in berlin – Gibt da so ein Institut…Man nennt es “Bank”.

ähm ja vielleicht was wieso warum vielleicht wieso vielleicht kann emails immer dank google scheiße f***** –  Eehm. Ich sag einfach mal: nein.

okay google zeig mir bilder von gar keine – Also entweder du willst etwas sehen oder eben nicht. Du musst dich schon entscheiden.

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möpse ( busen ) – Danke für die Spezifizierung. Kleiner Tipp: Wenn du Bilder von Busen suchst, dann google doch einfach “Busen”. Oder halt das Wort mit T.

meine oma sagt google wär scheiße – Dann hat deine Oma jetzt wohl bei Google verspielt.

ich möcht noch nicht aufstehen , lustig – Ich bin sicher, deine ergoogelten und dann in deinen Facebookstatus kopierten, originellen Ulkigkeiten werden deine Freunde gleichermaßen amüsieren und beeindrucken.

scheiß tag danke – Bitte.

wollte nur schnell gute nacht sagen – Ja, wird auch Zeit. Gute Nacht.

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Die Freaks und 2016

Gestern noch war alles total 2015. Und dann plötzlich – BOOM – 2016. Wobei “plötzlich” natürlich das falsche Wort ist. Es ist ja nicht so, dass man nicht wüsste, dass man sich schon bald bei Datumsangaben für einige Wochen verschreiben wird. Genauso hat man sich vermutlich auch schon einige Wochen vorher mit der Planung der Festlichkeiten zum Jahreswechsel befasst.
Wie ihr wisst, mag ich Silvester nicht. Dieses Jahr war es aber tatsächlich ganz schön. Ich war in Pankow bei Freunden. Wir trugen Jogginghosen, haben Blei gegossen und Stirb Langsam 2 (Orig. Die Hard 2) geguckt und dabei festgestellt, dass der deutsche Titel irreführend ist. Denn obwohl die Story an sich mir irgendwie langatmig vorkam, stirbt in diesem Film niemand langsam. Auf der anderen Seite würde “Stirb hart”, “Stirb dolle”, oder “Stirb heftig” aber auch echt beknackt klingen. Man hatte also keine Wahl. Aber das nur mal so am Rande.
Die verhasste Böllerei aus dem Wedding war optisch und akustisch auch noch in Pankow zu vernehmen, weshalb ich ausgesprochen froh darüber war, mich nicht dort zu befinden. Gleichzeitig fragte ich mich aber, ob meine Wohnung eventuell auch einen harten Tod gestorben sein wird wenn ich am nächsten Morgen heimkehren würde. Glücklicherweise war dem nicht so. Der Wohnsitz ist also in 2016 noch gesichert. Check.

Heute hängt über Berlin eine Silvestersmogwolke. Das halbe Land ist verkatert, die andere Hälfte ist im Fitnessstudio oder auf dem Weg zur Notapotheke, Nikotinpflaster kaufen, um die eigentlich schon totgeborenen Vorsätze der letzten Nacht umzusetzen.
Natürlich bin ich da auch nicht besser. Ich liege auf der Couch und versuche einen meiner Vorsätze umzusetzen: Diesen Blog mit Content füllen. Ich habe das im letzten Jahr schändlich vernachlässigt, schlicht und einfach aus dem Grund, dass 2015 für mich persönlich (also abgesehen von den offensichtlichen weltpolitischen Problemen) in jeder Hinsicht irgendwie okay war. Total okay. Job okay. Wohnung okay. Gefühle okay. Okay bietet nicht besonders viel Anlass zum Bloggen. Unzufriedenheit, ja. Wut, ja. Hass, ja. Liebe, ja. Aber okay? Eher nicht so. Mal davon abgesehen dass sich, so glaube ich, auch niemand für okay interessiert.
Deshalb habe ich in letzter Zeit viel darüber nachgedacht habe, was ich überhaupt mit diesem Blog anstellen soll. Stillegung stand im Raum. Um diese mahnende Stimme im Hinterkopf – “Ey, willste nicht mal wieder was bloggen” – ruhigzustellen. Wenn kein Blog mehr da ist, können derartige Auffforderungen nämlich nicht aufkommen.
Auf der anderen Seite finde ich das Zusammenfügen von Wörten viel zu schön, als dass ich mich selbst dieser Plattform hier berauben wollte. Bloggen macht Freude. Nur vergisst man das immer dann, wenn man gerade nicht bloggt und sich denkt, dass man sich stattdessen jetzt auch einfach eine Folge irgendeiner Serie auf Netflix angucken könnte. Hypothetisch hieße aber mehr Bloggen auch mehr Freude. Nun stellt sich aber die Frage: Worüber schreiben – wenn nicht über Okayigkeit?

Mein Bruder findet, ich solle hier Berichte über Restaurants schreiben, in denen ich brunchen war. Aber erstens interessieren mich ausführliche Restaurantberichte selbst ungefähr…überhaupt nicht. Zweitens gehe ich allerhöchstens einmal im Monat brunchen weil ich am Wochenende für gewöhnlich nicht vor 13 Uhr aufstehe. Und drittens interessiert sich doch wohl wirklich niemand dafür wo ich essen gehe. Wer gute Restaurants sucht, kann Google befragen. Oder Yelp.
Deshalb, Brunchen: Nein.

Manchmal mache ich mir ja auf meinem Handy Notizen zu Dingen, über die ich gerne etwas schreiben würde.
Einige dieser Notizen beinhalten Listen. Listen jeglicher Coleur. Listen über Musik, Listen über Filme, Listen über Gefühle, Listen über Leute, Listen über Wissenschaft. Alles was das Listenuniversum so zu bieten hat. Listen sind ja jetzt der heißeste Scheiß, wie man Anhand des Erfolges von Buzzfeed leicht nachvollziehen kann. Ich lese gerne Listen, und ich fertige Sie auch gerne an. Könnte man also machen. Auch wenn die Idee jetzt echt nicht gerade innovativ ist. Aber wenn wir alle innovativ wären, verlöre das Wort ja total an Bedeutung. Und wer will das schon verantworten können?

Andere Notizen beziehen sich auf den täglichen Wahnsinn, besser bekannt unter dem Decknamen “Alltag”, mit dessen Regeln unerwartet viele Menschen – mich eingeschlossen – ungeahnte Probleme zu haben scheinen. (Siehe dazu bspw. oben: “Vor 13Uhr aufstehen”). Da ihr das gerne lest (glaube ich zumindest) und ich das gerne schreibe, wäre das also was, sofern ich den inneren Schweinehund überwinden kann.

Wieder andere meiner Notizen verstehe ich selbst nicht mehr weil ich sie in den Minuten verfasst habe, in denen man schon im Bett liegt und sich in diesem merkwürdigen Zustand zwischen wach und Traum befindet. Der Anschaulichkeit halber hier einige Beispiele: “Wenn ich der Mars wäre”, “80000 Wörter”, oder “Gute Chance Serienmörderelemente zu erhalten”…WTF?
Eindeutig ungeeignet.

Naheliegend wäre auch, hier das zu machen, was ich auch auf anderen Social Media Kanälen tue: Geek sein. Ja, jetzt kann ich die Wahrheit endlich verkünden. Ha! Ich bin ein Geek! Was euch jetzt vermutlich so sehr überrascht wie die Neuigkeit, dass Wasser nass ist. Aber da ihr das jetzt wisst, kann ich euch ja auch verraten, dass ein weiterer Grund dafür, dass ich hier gerade Buchstaben auf der Tastatur antippe, ist, dass ich Zeit totschlagen muss bis die neue Sherlock-Folge heute Abend ausgestrahlt wird. Ohne Ablenkung bepullere ich mich womöglich noch vor Aufregung.

Man sollte ja meinen, diese Leidenschaft für fiktionale Charaktere, Geschichten und Universen würde mit dem Alter nachlassen. Ich habe aber momentan eher das Gefühl, dass es “schlimmer” wird. Vielleicht bin ich der sowas wie ein Geek Benjamin Button… Wie dem auch sei. Ich denke, mehr nerdeske Inhalte könnten diesem Blog gut stehen.

Oder?

Walk of Shame – Supermarkt Edition

Ich erwarte im Grunde nicht allzu viel von meinen Mitmenschen. Eigentlich fast gar nichts, insbesondere seit ich in Berlin wohne. Hier, wo man die Touristen von den Einheimischen am besten dadurch unterscheiden kann, dass die einen lächeln und die anderen eine Fresse ziehen. Hier, wo man nicht mal mit der Wimper zuckt, wenn andere schon kotzen. Hier wo man seine Unhöflichkeit als Direktheit oder noch besser als Berliner Urgestein verkauft. Und doch bin ich manchmal überrascht:

Ich stand an der Supermarktkasse im Netto, hatte den Einkauf sorgfältig auf dem Band platziert, ja sogar mit dem vorschriftsmäßig mit dem Warentrenner abgetrennt. Doch just bevor die Dame an der Kasse den ersten meiner Artikel, ein Suppenhuhn, über den Bieper ziehen wollte, bemerkte ich bei meinem Routinecheck in meiner Brieftasche das Fehlen der EC-Karte bei gleichzeitiger Bargeldlosigkeit. Wer an ein Verbrechen denkt, ist weit gefehlt.
Die Karte war nicht aufgrund eines Diebstahls unauffindbar, sondern wegen meiner eigenen Faulheit, die mich nach dem letzten Benutzen daran gehindert hatte, die Karte artgerecht im Portmonnaie zu verstauen und sie stattdessen einfach in die Jackentasche hatte gleiten lassen. Aha! Dann wird sie wohl dort sein.
Dummerweise trug ich heute eine andere Jacke – dies würde den Bezahlvorgang vermutlich erheblich erschweren. Scheiße.

Im Grunde verängstigen mich alle sozialen Interaktionen in einem gewissen Maße, aber das versprach eine besonders unangenehme zu werden. Weshalb ich nun vorsichtshalber anfing zu schwitzen.
Dem geschulten Auge der Fachverkäuferin entging mein Unbehagen und das panische Wühlen in der Geldbörse natürlich nicht. Weshalb sie nun mit dem größtmöglichen Einfühlungsvermögen (soll heißen: gelangweilt) fragte: “Watn, keen Jeld dabei?”. Ich schüttelte den Kopf und klammerte mich verbal an den letzten Strohhalm: “Kann ich hier vielleicht mit Kreditkarte zahlen?”. Bei Edeka und Real kann man das nämlich. Das weiß ich, weil ich aus oben erwähntem Grund öfter mal meine EC Karte vergesse. Deshalb weiß ich eigentlich auch, dass man es bei Netto nicht kann. Denn vor ein paar Monaten hatte ich mich in eben jenem Netto in der selben Situation befunden, damals allerdings noch mit vom Zahnarzt betäubter Gusche. Ihre Antwort (“Nee.”) kam deshalb für mich deshalb wenig überraschend. Immerhin konnte ich mich im Gegensatz zu damals jetzt artikulieren ohne Gefahr zu laufen mich dabei zu besabbern. Immer das Positive sehen!
Dennoch verharrte die Situation nun auf einem unverändert hohen Unannehmlichkeitslevel.
“Naja dann… dann kann ich’s nicht bezahlen”, sage ich, und wünschte mir mal wieder ich wäre ein Strauß. Nicht nur weil ich dann verhältnismäßig schnell wegrennen könnte, sondern auch weil ich dann meinen mittlerweile vermutlich tomatenfarbenen Kopf tief, tief tiiief in den Sand stecken könnte. Diese Situation hier war offenbar die Supermarktversion des Walk of Shame.
“Dit allet soll weg, ja?”, fragte sie leicht erzürnt, ganz so, als hätte ich mit Absicht mein Geld vergessen. Quasi Supermarktklingelstreich.
“Ja… wobei…” Ich stand unglücklicherweise unter Zeitdruck, in wenigen Minuten würde eine Freundin an meiner Tür klingeln. Ich hatte keine Zeit den gesamten Einkauf noch einmal zu wiederholen, denn ich denke, sie hätte es als unhöflich empfunden, wenn ich die Tür nicht öffne obwohl ich sie persönlich in mein Heim eingeladen hatte. Ich musste schnell handeln, deshalb fragte ich:
“Könnten Sie das hier irgendwo stehen lassen und ich gehe schnell Geld holen?”
“Ja, ick lass dat hier an der Seite stehen. Müssense sich aber nochmal anstellen”, sagt sie, jetzt wieder in gewohnt gelangweilter Tonlage.
Puh. Na Mensch, das ist ja eigentlich noch ganz gut gelaufen, denke ich und schaue suchend nach einem Korb in den ich die Lebensmittel schnell möglichst unbemerkt einräumen kann, als sie sich ohne Vorwarnung an die noch in der Schlange stehenden Kunden wendet und ruft: “Geben’se mir mal einen von den Körben, ick muss das hier einräumen. DIE FRAU HIER HAT KEIN GELD DABEI.” Sie deutet auf mich.
Dömdömdömm!
Während ich mir mental schon mal vornehme, einfach nie wieder das Haus zu verlassen und die Einkäufe ausschließlich online zu erledigen, erinnere mich an diesen Werbespot aus den Neunzigern: “Tinaaa, wat kosten die Kondome?”
Wobei dies im Grunde eine viel angenehmere Situation gewesen wäre, weil Safer Sex bekanntermaßen wichtig ist, und man sich nicht zu schämen braucht wenn man ihn praktizieren will. Total schlau ist das sogar!
Hier entstand allerdings ein anderes Bild. Denn was meinen Miteinkäufern hier vermittelt wurde war, dass ich zu blöd zum Einkaufen war. Hey Leute guckt mal hier, diese Frau hat nicht verstanden, dass man beim Einkaufen Waren gegen Geld tauschen muss. Hahahahah! Ha!
Einige Kunden starren mich verständnislos an. Als würden Sie sich fragen, wie ich mir wohl den beträchtlichen Hirnschaden der zu meiner Einkaufsinkompetenz geführt hatte, zugezogen haben könnte. Sie haben Mitleid – offenbar anders als die Kassiererin in ihrer nonchalanten Art.

Klar, das ganze Szenario wäre nicht entstanden wenn ich meine EC-Karte vorschriftsmäßig dabeigehabt hätte. Dennoch finde ja, man hätte, als geschulte Einzelhandelskauffrau, die ganze Geld-Vergessen-Sache schon irgendwie anders formulieren können. Man hätte auch nicht so laut sprechen müssen und schon gar nicht gestikulieren, weil es der Kundin (in diesem Fall mir) eventuell unangenehm sein könnte. Ja vielleicht hätte man zusammenfassend auch einfach etwas mehr Diskretion und Empathie an den Tag legen können.
Aber wie sagt der Berliner so schön: Hätte, hätte, popette. Ich hätte ja auch einfach bei Real einkaufen oder, noch besser, als Strauß geboren werden können…

 

P.S Bevor mir jetzt irgendjemand was über Strauße erzählt: Ich weiß, dass die ihre Köpfe nicht wirklich in den Sand stecken. Atmet sich dort nämlich schlecht.
Der hier verwendete Vergleich ist lediglich metaphorisch zu betrachten.

Allein auf dem Mars

 

In the face of overwhelming odds, I’m left with only one option: I’m gonna have to science the shit out of this.

Mark Watney

Ich weiß ja nicht was ihr so macht, aber ich verbringe momentan viel Zeit damit, darüber nachzudenken, wie ich wohl auf dem Mars überleben könnte. Jaja, ich weiß – bevor man über das Leben auf anderen Planeten nachdenkt, sollte man vielleicht erst mal das Leben auf diesem Planeten meistern. Aber hey, U-Bahnfahrten sind lang und ich bin ein Freund von Realitätsflucht. Da kann man das normale Leben auch kurzzeitig mal vernachlässigen.

Ausschlaggebend für die Abkehr vom terrestrischen Gedankengut war übrigens naheliegenderweise, dass ich kürzlich “The Martian” (Der Marsianer) im Kino gesehen und das gleichnamige Buch von Andy Weir gelesen habe. Ihr wisst schon, diese Story von dem Astronauten der auf dem Mars zurückgelassen wird weil seine Crew denkt er wäre tot – was man aber wohl in die Kategorie “Herbe Fehleinschätzung” einordnen müsste. Weshalb Astronaut Mark Watney nun auf dem Mars festsitzt – ohne dass davon jemand weiß. Ein klassischer Fall von “Schöne Scheiße”.
Offensichtlich ist das für mich und mein Hirn eine ausgesprochen packende Story, die mich auch Wochen nach dem Konsum noch fasziniert. Und das kommt, obwohl ich Geschichten aller Art liebe und konsumiere, nicht so häufig vor.
Ich will jetzt dem Film gar nicht so viel vorwegnehmen (Spoiler Alert!), aber es ist ja klar was passieren muss, sofern es sich bei dem Werk nicht um einen Kurzfilm handeln soll: Watney muss irgendwie versuchen zu überleben.
Tatsächlich legt er in dieser Hinsicht einige bemerkenswerte macgyvereske Fähigkeiten an den Tag, auf die ich einigermaßen neidisch bin weil es mir eindeutig an Survival Skills mangelt. First World Problems.

Watney pflanzt zum Beispiel Kartoffeln, was zwar einfach klingt, auf dem Mars aber, nicht zuletzt wegen der niedrigen Temperaturen problematisch ist. Außerdem braucht man Dünger – es ist ja nicht so, dass man auf dem Mars einfach in den nächsten Gartenmarkt spazieren könnte. Glücklicherweise ist der Mensch selbst aber ebenfalls ein hervorragender Düngerproduzent. Das Ergebnis stinkt zwar mehr als das Gartenmarkt-Produkt, erfüllt aber seinen Zweck.
So weit würde ich das vielleicht sogar auch hinbekommen (also jetzt nicht nur den Dünger, sondern auch die Kartoffeln zu kultivieren).
Obwohl… Natürlich nicht auf Dauer. Denn ich hätte vermutlich nicht genug Wasser um die Pflanzen zu wässern. Für Watney ist das kein Problem, er macht einfach welches. Er. macht. Wasser. An diesem Punkt wäre es bei mir leider vorbei. Ich wüsste jetzt so aus dem Stehgreif nicht wie man Wasser herstellt. Und auch nicht wenn ich länger drüber nachdenken würde. Watney nutzt Wasserstoff (aus Raketentreibstoff), Sauerstoff und Feuer. BUMM! Das einzige was ich noch aus dem Chemieunterricht weiß ist, dass Buttersäure wie Kotze riecht. Das würde mir natürlich wenig helfen, weshalb ich nach relativ kurzer Zeit tot wäre… Ich hätte auf meine Mutter hören und etwas richtiges studieren sollen. Sprach- und Kulturwissenschaften helfen einem auf einem unbesiedelten Planeten wenig bis sehr, sehr wenig.

Vermutlich hätte ich aber erstmal ein bisschen Wasser dabei. Wieso sollte man jemanden ganz ohne Wasser auf den Mars schicken? Sagen mal, man hätte mir 100 Liter in den Rucksack gepackt. Der Mensch braucht 2 Liter am Tag. Das verschafft mir ungefähr 50 Tage Lebenszeit. Wofür würde ich diese Zeit nutzen? Ich würde natürlich versuchen, Kontakt mit der Erde aufzunehmen. Vermutlich würde ich mit Steinen eine Nachricht auf die Marsoberfläche legen. So wie: „Ich lebe noch. Kann mich bitte jemand abholen?“ Und dann hoffen, dass ein Satellit dieses Bildmaterial an die Erde sendet.
Steine… das ist natürlich total Low Tech. Für alles andere fehlt mir aber, anders als dem Sonden reparierenden Watney, das technische Verständnis. Obwohl ich natürlich im Grunde weiß, wie Kommunikation funktioniert: Man braucht einen Sender, einen Empfänger und einen Informationskanal. Der Empfänger muss außerdem in der Lage sein die Nachricht, die ich gesendet habe zu dekodieren und so weiter und so fort. Nur würde mir dieses theoretische Grundwissen natürlich nichts nützen weil ich nicht wüsste wie ich es technisch umsetzen kann.
Mein Unterbewusstsein war sich dieser Problematik schon recht früh bewusst. Denn kurz nachdem ich angefangen hatte das Buch zu lesen, träumte ich, dass ich auf dem Mars festsitze und mit der NASA kommuniziere indem ich mir Eiswaffeln auf den Kopf setze. Zum Empfangen der Nachricht müssen sich die Mitarbeiter einfach auch Eiswaffeln auf den Kopf setzen… Also, ich sag mal so: Die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit.
Aber selbst wenn mein steiniger Plan aufgeht, würde es ziemlich lange dauern, bis mich jemand abholen kommen könnte. Zum Vergleich: Für die tatsächliche Marsmission in 10 Jahren plant NASA eine Reisezeit von 210 Tagen ein. Wohlgemerkt ist das nur die reine Reisezeit. Es ist ja nicht so, dass NASA etliche Raketen auf Halde hätte und die von heute auf morgen losschicken könnte. Bis das rettende Raumschiff also kommt, ist mir das Wasser natürlich längst ausgegangen und ich wäre aufgrund mangelnder Chemie-Skills verendet.
Bisher endete übrigens jede Simulation des Karo-allein-auf-dem-Mars-Szenarios mit diesem Ergebnis. Super.

Ein positiver Gedanke bleibt allerdings – und das ist auch der, der mich aus den Tagträumen zurück in die Realität holt: Warum zur Hölle sollte mich überhaupt jemand auf den Mars schicken?

Nochmal Glück gehabt.

P.S. Falls ihr es nicht rausgelesen habt: Ich mag „The Martian” und spreche für Buch und Film eine uneingeschränkte Konsumempfehlung aus (sofern noch nicht geschehen):

Life Hack: Umsonst Bus fahren

Seit ich in Berlin lebe, frage ich mich, ob man dem Busfahrer beim Einsteigen tatsächlich ein Ticket zeigen muss. Denn der Berliner Busfahrer scheint sich nicht mal ansatzweise dafür zu interessieren, was man ihm da unter die Nase hält. Meistens guckt er nichtmal hin. Und manchmal steigen Fahrgäste hinten ein, dann interessieren ihn die Fahrkarten schon gar nicht.
Früher in Brandenburg wurde man immer durch Anschreien höflich dazu aufgefordert den Fahrschein vorzuzeigen, falls man die Frechheit besessen hatte, hinten einzusteigen. Dann musste man den schwierigen Walk of Shame hin zum Fahrer absolvieren während durch die Vordertür immer mehr Kinder mit eckigen Schulranzen zustiegen. Aber hier? Wäre mir zumindest noch nicht untergekommen. Vermutlich weil es hier noch zusätzlich Kontrolleure gibt, die U-Bahnen und – wenngleich auch sehr selten –  Busse patrouillieren. Der Dorfbusfahrer hat da quasi eine Doppelfunktion – Steuermann und Kontrolletti. Das ist viel Druck, deshalb auch das häufige Geschrei. Der Berliner Busfahrer ist da um einiges entspannter. Aber wenn man ihm eigentlich nichts vorzeigen muss, warum machen es dann alle? Kommen vermutlich auch alle vom Dorf…

Dieser Gedanke beschäftigte mich nun intensivst als ich neulich mit einem der unzähligen hiesigen Busse fahren wollte. Ich hatte mich kurzfristig dazu entschieden, diesen Bus zu nutzen. Dinge ohne mentale Vorbereitung, quasi spontan, zu machen, ist im Falle einer zeitweise sozial etwas ungeschickten Person eine Gefahrenquelle. Besser ist es, ich stehe vor Abfahrt schon 5 Minuten da, habe die BVG Abokarte aus dem Portemonnaie gekramt und probe mental die zu absolvierenden Schritte: Einsteigen, die Karte vorzeigen, hinsetzen. Machbar.
Aber hier rollte der Bus schon heran, als ich mich dazu entschied, meinen Weg mit selbigem fortzusetzen. Quasi leben am Limit.

Vor mir standen drei Menschen in der Einsteigeschlange. Ich nutzte die Zeit um panisch in meinem, zugegebenermaßen recht großen Portemonnaie zu wühlen, das sich plötzlich allerdings in Hermines Handtasche mit dem unaufsprührbaren Ausdehnungszauber verwandelt zu haben schien. Unzählige Kundenkarten. Hunkemöller, s.Oliver, Esprit, Apotheke, die Sammelkarte von dem Laden wo ich immer eine Backkartoffel esse… Aber die innovative FahrCard? Fehlanzeige.
Die Schlange rückte vorwärts. Hatte ich die Karte etwa zu Hause vergessen? Unwahrscheinlich.
Mit viel größerer Wahrscheinlichkeit war ich Opfer eines Verbrechens geworden. Aber noch ehe ich mich fragen konnte, warum jemand die FahrCard, aber nichts anderes stehlen sollte, machte der vernünftige Teil meines Gehirn konstruktive Vorschläge, wie man diese prekäre Situation lösen könnte:
Die Payback Karte vorzeigen (könnte peinlich werden falls der Bluff auffliegt).
Sagen, dass man die Karte vergessen hat (klappt vermutlich nur wenn man Grundschüler ist).
Ein neues Ticket kaufen (kein Kleingeld).
Den nächsten Bus nehmen (keine Zeit).
Andere Leute vorlassen um weiterzukramen (möchte nicht mit Fremden sprechen).

Retrospektiv gesehen, waren diese Vorschläge eigentlich alle ganz akzeptabel. Akzeptabler jedenfalls als das, wofür mein Gehirn sich nun in einer Übersprungshandlung entschied.
Ich stieg ein, blieb kurz vor dem Busfahrer stehen und spührte meinen Körper plötzlich Folgendes tun:

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Oh Gott…Augenblicklich beschlich mich ein altbekanntes Gefühl. Das gleiche Gefühl, das man hat wenn man nach 4 Stunden auf der Arbeit und einem Meeting bemerkt, dass man sich morgens beim Zähneputzen wohl volle Möhre auf die Bluse gesabbert hat. Das Gefühl, wenn man dem Kioskverkäufer in der U-Bahnstation eine “Gute Fahrt!” wünscht, anstatt “N’ schönen Tach noch”. Oder wenn man zur Kellnerin: “Danke, gleichfalls” sagt, wenn sie einem einen guten Appetit wünscht. Eine Mischung aus Überraschung, Ungläubigkeit und Scham. Das Gefühl, in der simpelsten sozialen Situation schlichtweg versagt zu haben. Man möchte sein Leben kurz in den Werkszustand zurückversetzen. Den Resetknopf drücken. KMN.
Aber ich schreie nur innerlich. Ich lasse mir nichts anmerken. Ich gehe einfach weiter, ganz so, als ob dies gerade eine angebrachte Busfahrer-Fahrgast-Interaktion gewesen wäre. Und der Busfahrer…lässt mich gewähren.

Wodurch eindeutig bewiesen wäre, dass man das Vorzeigen einer Fahrkarte beim Einsteigen tatsächlich vernachlässigen kann. Wieder etwas gelernt, wieder Geld gespart – Lebensqualität durch soziale Inkompetenz.

All by myself

Ich erzähle meiner Mama, dass ich meiner besten Freundin beim Umzug helfen will. Sie wird mit ihrem Freund zusammenziehen. Meine Mutter macht mitleidige Geräusche, dann sagt sie: „Du bist so einsam!”
Ich höre sowas öfter. Aussagen wie diese irritieren mich in zweierlei Hinsicht. Erstens weil eine außenstehende Person ja eigentlich überhaupt gar nicht beurteilen kann ob eine andere Person einsam ist, da Einsamkeit nun mal ein eine Emotion ist, die eben nur durch eine etwaigig einsame Person empfunden und beurteilt werden kann. Zweitens, und das ist noch viel wichtiger, weil ich überhaupt nicht einsam bin.
Doch da habe ich mich wohl offenbar getäuscht. Meine Mama und andere sagen, ich bin einsam. Sehr, sehr einsam. Und sicherlich können andere das viel besser einschätzen als ich.

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Es ist töricht von mir, mich für besagte Freundin und ihren Freund zu freuen, weil sie eine so tolle Wohnung gefunden haben. Noch viel törichter ist es, dass ich mich für meine Freundin freue, weil sie jemanden gefunden hat, der sie glücklich macht – wo dies doch offensichtlich Unglück für mich bedeutet. Ich hätte diese Beziehung bereits im Keim ersticken und damals nicht auch noch zu ihr sagen sollen, dass ich den neuen Freund mag. Aber jetzt ist es zu spät. Wir werden uns nie wieder sehen. Vorbei die Tage, in denen wir gemeinsam einsam sein konnten. Weinend Dirty Dancing schauen, Pralinen essen, uns selbst bemitleiden, mit Dartpfeilen auf die Fotos unserer Ex-Freunde werfen – was Frauen eben so machen, wenn sie Single und verbittert sind. Alles zerstört. Nun habe ich überhaupt keine sozialen Kontakte mehr. An wen soll ich mich schon wenden? Schließlich habe ich nur die eine Freundin. Früher hatte ich mehr, aber sie wurden mir durch glückliche Beziehungen entrissen. Sie haben es alle geschafft. Das große, einzig wichtige Ziel im Leben: einen Partner. Auf gar keinen Fall gewinnt man durch diese Partnerschaften Freunde hinzu. Nein, denn das sind Eindringlinge, Freundschaftszerstörer, Wegnehmer. Ja, euer Glück widert mich regelrecht an. Insgeheim will ich, dass all eure Beziehungen zerbrechen, ihr euch scheiden lasst. Damit ihr genauso einsam seid wie ich…

Derartiges Gedankengut wird bei mir vermutet, ja vielleicht sogar erwartert. Man glaubt mir nicht, wenn ich sage, dass ich gerne allein bin. Man denkt, dass ich das alles nur spiele. Dass ich vorgebe tapfer zu sein, während ich mich eigentlich jeden Abend in den Schlaf weine und dabei einen Sack Reis umarme dem ich ein T-Shirt angezogen und den ich mit Axe Bodyspray besprüht habe. Man stellt sich mein Leben so vor: Einsam aufwachen, einsam Mittagspause, einsam Abendessen, einsam schlafen. Ab und zu einsam mit gesenktem Kopf im Regen spazieren oder ins Museum gehen, wo ich mit Tränen in den Augen die Menschen betrachte die zu zweit oder in Gruppen gekommen sind, während Eric Carmen im Hintergrund All by myself singt.
Ja, ich kann es manchmal in den Gesichtern anderer Leute sehen, den mitleidigen Blick oder die mentale Frage: “Was stimmt denn nicht mit ihr?” Ich führe da exemplarisch nur nochmal meinen letzten Urlaub an, bezüglich dessen meine Oma fragte: “Hast du gar keine Freunde?”, und auf dessen Bericht hin eine Kollegin in der Küche verwundert ausrief: “ALLEIN?”

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Ja, warum denn nicht allein? Was ist so schlimm daran? Mich nervt das Unverständnis. Allein bedeutet einfach nur, dass keine anderen Menschen da sind. Einsamkeit hingegen beruht auf dem Wunsch, Nähe und Verständnis in einer oder mehreren Personen zu erlangen. Einsam und allein sind zwei unterschiedliche Dinge. Und der Schluss, dass der der allein ist, unweigerlich einsam ist, ist schlichtweg falsch. Und umgekehrt hat man doch vielleicht auch schon mal die Erfahrung gemacht, dass man sich extrem einsam fühlen kann obwohl man nicht allein ist (ich für meinen Teil kenne das gut).
Generell kann man also vielleicht sagen: Einsamkeit ist scheiße aber Alleinsein nicht zwingend. Kann es natürlich sein, wenn man eben nicht weiß wie man sich allein beschäftigt, wenn man das Gefühl hat, Dingen allein nicht gewachsen zu sein oder wenn man ein eher extrovertierter Mensch ist, der den stetigen Austausch mit anderen braucht um sich wohl und sicher zu fühlen oder Eindrücke zu verarbeiten. Das ist auch voll okay. Aber all das trifft auf mich nicht zu. Ich bin super im Alleinsein. Ich finde das sogar entspannend. Wäre ich ein Handy, wäre Alleinsein mein Ladekabel. Das war im Grunde schon immer so, nur wusste ich das Früher nicht. Weil einem ja quasi schon immer eingetrichtert wird, dass Alleinsein nicht normal ist. Schon durch das traditionelle gesellschaftliche Ideal: Mann, Haus, Kind. Als Teenager in den Sommerferien freute ich mich deshalb heimlich, noch während ich mit den Freunden am See lag, immer am meisten darauf, abends noch etliche Stunden wach zu bleiben, den neuesten Harry Potter Band zu lesen oder die Talkradio Sendung Blue Moon auf Radio Fritz zu hören.
Jetzt ist das auch noch so. Nur stehe ich jetzt halt dazu, dass der schönste Moment des Tages der ist, wenn ich mich mit dem Laptop im Bett verkrochen habe, oder etwas bastle oder backe, lese, höre… Es gibt viele Dinge die man allein tun kann. Manchmal am Wochenende, verliere ich zwei Tage lang kein einziges Wort. Ich mag das. Manchmal gehe ich sogar alleine raus. Das mag ich auch.
Das heißt nicht, dass ich ein asozialer Psychopath bin. Ich treffe andere Menschen. Jeden Tag auf der Arbeit und häufig sehe ich Freunde sogar in meiner Freizeit und habe Spaß dabei. Krass. Tatsächlich habe ich sogar mehr als einen Freund, man mag es kaum glauben. Und weil es meine Freunde sind, akzeptieren sie es wenn ich die Einladung auf einen Bier ausschlage weil ich “menschfreien Freitag” eingelegt habe.
Und klar, es gab Zeiten und es wird Zeiten geben, in denen auch ich mich einsam fühle. Aber diese Zeiten sind nicht jetzt, sie sind es schon mehrere Jahre nicht mehr. Es mangelt mir an nichts. Ich habe mir das sogar selbst so ausgesucht.
Ein weiser Mann namens Olli Schulz hat mal gesungen: Du bist so lange einsam, bis du lernst allein zu sein. Das stimmt. Aber es gibt viele Leute, die das im Grunde nie lernen. Und deshalb verstehen sie auch nicht, wie man dabei Freude empfinden kann. Dabei würden sie, wenn sie es mal probieren würden, vielleicht sogar merken, dass man alleine viel mehr schafft als man sich vorher zugetraut hat und dass es das Selbstvertrauen stärkt, zu wissen, dass man nicht immer auf andere angewiesen ist. Ich lebe gut mit der Erkenntnis, einen IKEA Kleiderschrank allein aufbauen zu können und mit der Erfahrung alleine einen 25 Kilo schweren Koffer durch das erstaunlich hügelige Großbritannien gewuchtet zu haben. Ich finde es gut, die Fähigkeit zu besitzen, mich selbst beschäftigen zu können. Ja, ich finde Alleinsein dufte. Und wenn jemand sagt: “Also allein wär mir das ja nix…”, denke ich: Dein Pech. Ich mach das jetzt: All by myself. Einfach weil ich’s kann.

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Der Daumen ist tot, es lebe der Daumen.

Ich will gleich zur Sache kommen: Ich habe keinen grünen Daumen. Wenn mein Daumen überhaupt irgendeine metaphorische Farbe hat, dann vermutlich schwarz. Schwarz und vertrocknet.
Natürlich ist das mit dem grünen Daumen ohnehin nur eine beschönigende Redewendung, die Menschen wie ich gebrauchen wenn sie sagen wollen: Ich vergesse häufig meine Pflanzen zu gießen.
Ich meine das den Gewächsen gegenüber natürlich nicht persönlich. Nein, ich mag die meisten Pflanzen sogar sehr. Ich bin eben nur nicht gut darin, ihr Leben erträglich zu gestalten. Oder zu erhalten. Nicht ohne Scham kann ich von mir behaupten, dass selbst ein Kaktus einst in meiner Obhut vertrocknet ist.
Anfangs ist der Wille natürlich noch da und ich gieße die Blume. Doch mit der Zeit wird der Griff zur Gießkanne seltener, bis er schließlich ganz ausbleibt. Wenn ich die Pflanze dann in der Mülltonne begrabe, nehme ich mir fest vor, die nächste Pflanze aber ganz bestimmt am Leben zu erhalten. Wenige Monate später, werde ich dann wieder an der Mülltonne stehen und mir das selbe vornehmen. In diesen Momenten werden vermutlich alle derzeit zum Verkauf stehenden Pflanzen von einem übernatürlichen Schaudern ergriffen. Sie kommt. Sie kommt, um einen von euch zu holen.
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Denn das Problem ist, dass ich zwar um meine Verantwortungslosigkeit  Grünerdaumenlosigkeit weiß, sie aber nicht akzeptieren will. Schon allein, weil ich grundsätzlich nämlich in der Lage bin, Verantwortung für ein Lebewesen zu übernehmen. Unseren Kater, Spot, hatte ich früher schließlich auch regelmäßig gefüttert. Wäre er nicht tot (RIP!), könnte er dies bezeugen. An dieser Stelle ist anzumerken, dass sein Tod nichts mit mangelnder Nahrungszufuhr zu tun hatte, sondern hohem Alter geschuldet war und auch erst eintraf, als ich schon ausgezogen und gar nicht mehr für die Fütterung zuständig war. Aber da seht ihr’s: hohes Alter. Das erreicht man auch als robuster Kater nicht ohne ab und zu mal gefüttert zu werden. Irgendwann würde ich das auch mit den Pflanzen schaffen.
Es traf sich nun, dass ich im Tschibo Regal im Supermarkt etwas entdeckte. Ein Aufzuchtset für Chilipflanzen – ein ausgesprochen schöner Topf, Blumenerde und Chilisamen für 4.95 Euro. Ein gutes Angebot. Von allen Gewürzen ist mir Chili nämlich das allerliebste. Zudem spielte das ein wenig in Richtung Do It Yourself. Ich mag das. Bastel deinen eigenen Christbaumschmuck, falte deine eigenen Origami Schwäne, züchte deine eigenen Kräuter. Autarkie ist damit quasi zum greifen nah.
Zu meiner Überraschung entwickelten sich aus den Samen dann auch tatsächlich winzige Pflanzen, die ihre ersten Blätter durch die Erde streckten. Es lebt Igor, es leeeeeebt. Ein erhabener Moment.
Nun galt es allerdings, die Pflanzen am Leben zu erhalten. Sie hatten Glück, denn schon bald sollte ich für knapp drei Wochen das Land verlassen und übergab die verantwortungsvolle Aufgabe des Pflanzengießens deshalb an Kumpel Z. Er schaffte es nicht nur, die Chilis am Leben zu erhalten, sondern umsorgte sogar die Basilikumpflanze, die ich kurz vor meine Abreise zur Zubereitung des exquisiten und anspruchsvollen Gerichtes “Tomate-Mozzarella” gekauft hatte, tadellos. Nachdem ich wieder die Verantwortung übernommen hatte, verendete die Basilikumpflanze quasi innerhalb weniger Minuten. Vielleicht war es Selbstmord.
Die Chilis hingegen waren an den Blätterrändern zwar etwas gelb, erfreuten sich sonst aber bester Gesundheit. Die gelblichen Blätter waren vermutlich etwas zu viel Wasser geschuldet. Zu viel! Das waren sie nicht gewohnt. Sie waren nun außerdem zu groß um alle im selben Topf zu wohnen. Auch als Chilipflanze sehnt man sich vermutlich irgendwann nach mehr Privatsphäre. Deshalb bekam jeder seinen eigenen Topf. Nun, ich sage Topf. Ich meine: von der letzten Feierlichkeit zurückgebliebene Pappbecher. Als ich sie dorthin umsiedelte, fragte ich mich allerdings, ob sich dieser Aufwand überhaupt lohnt. Würde ich die Pflanzen nicht ohnehin bald in der Mülltonne begraben müssen? Sollte ich nicht vielleicht sogar mit der Beerdigung des Basilikums warten bis auch die Chilis tot waren, sodass ich nur einmal die Treppe hinunterlaufen muss?
Nein, so konnte es nicht weitergehen! Ich dachte nach und kam zu dem Schluss, dass der größte Unterschied zwischen dem oben erwähnten Kater und all den verendeten Pflanzen die mangelnde persönliche Bindung war. Deshalb beschloss ich, den Pflanzen Namen zu geben. Ich erwog zunächst, sie nach Mitgliedern meiner Familie oder des Freundeskreises zu benennen. Sollten die Pflanzen dann allerdings doch sterben, wäre der Schock vielleicht etwas zu groß. Ich entschied mich deshalb für fiktionale Charaktere. Dann allerdings jene, für deren Tod ich auf gar keinen Fall verantwortlich sein wollte.
Darf ich vorstellen? Sherlock, John, Harry, Ron, The Doctor, Rose, Katniss und Peeta.

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So einfach. So bekloppt. So wirkungsvoll. Ich sage euch, das ist die Revolution. Die Schreckensherrschaft des schwarzen Daumens ist vorüber. Es sind zwei Wochen vergangen und die Pflanzen leben immernoch. Und glaubt mir, normalerweise wären sie jetzt tot. Aber Sherlock lebt. Harry lebt. Der Doctor lebt.
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Vielleicht ist das ja überhaupt auch der eigentliche Grund, warum man Menschen und Tiere benennt anstatt sie durchzunummerieren. Einfach weil man sich dann verantwortlicher fühlt.  Ich für meinen Teil kann das nur bestätigen. Jeden Morgen und jeden Abend gehe ich jetzt in die Küche um nach ihnen zu sehen. Besonders John entwickelt sich prächtig. Und selbst der einst einblättrige Peeta hat neue Gliedmaßen Blätter ausgebildet.
Nun weiß ich natürlich gar nicht, was ich überhaupt mit 8 Chili-Pflanzen will. Niemals hätte ich damit gerechnet, dass sie tatsächlich alle durchkommen. Aber erst mal abwarten ob sich das System überhaupt auf lange Sicht bewähren kann. Langzeitstudien fehlen in diesem Gebiet ja quasi völlig. Jetzt bin ich natürlich noch zuversichtlich. Aber vielleicht sind die Pflanzen nur jetzt niedlich, wo sie noch klein sind. Und vielleicht ist meine Magenschleimhaut dem vielen Chili nicht gewachsen. Vielleicht werde ich in einigen Wochen eine Chilipflanze auf dem Parkplatz anleinen und davonfahren. Aber vermutlich nicht. Und wenn dann auf jeden Fall nicht Sherlock. Auch nicht Harry. Allerhöchstens Ron. Der wäre aber vielleicht auch bei einer rothaarigen Pflegefamilie gut aufgehoben.

Der Kreislauf von Kaufen, Sterben und Neukaufen scheint vorerst gebrochen zu sein. Der Daumen deutet in Richtung Grün. Und doch komme ich nicht umhin, mich zu fragen: Ist dies tatsächlich das Ende meiner verantwortungslosen Beziehung zu Pflanzen oder doch nur ein weiterer Schritt in Richtung Crazy Cat Lady?

Guess who’s back…

…back again. Karo’s back, tell a friend.
Hallo Online-Freunde, lange nicht gesehen! Ich wurde bereits dafür getadelt, dass auf meinem Blog nichts mehr passiert. Dieser Zustand der Inhaltlosigkeit ist mir natürlich nicht nur bewusst sondern auch ein Dorn im Auge. Aber mit dem Posten ist das ja so eine Sache, je länger man das nicht gemacht hat, desto schwieriger wird’s. Deshalb dachte ich, wir fangen erstmal locker an. Vielleicht mit einem kleinen Reisebericht, zum warm werden.
Denn wie der geneigte Follower meines Instagram Accounts eventuell bemerkt haben dürfte, hatte ich nämlich unlängst das Land verlassen. Und da wären wir ja dann auch schon bei dem Hauptgrund meiner langen Blog Abstinenz: Ich war im Urlaub. Vor dem Urlaub musste ich besagte Reise planen, und bei fast drei Wochen muss man tatsächlich einiges vorbereiten.
Zudem hatte ich Geburtstag, was mich auch immer ein bisschen stresst, insbesondere weil einen das in eine Vielzahl von merkwürdigen Sozialsituation verwickelt wie: Lächeln und nicken während einem unendlich lange Geburtstagsgrüße ausgesprochen werden oder die berühmte Ich-weiß-nicht-ob-du-mich-umarmen-oder-mir-die-Hand-geben-willst-Situation und viele viele weitere. Dann trifft man sich mit den Verwandten und vielleicht auch noch mit den Freunden, und das ist ja auch irgendwie immer nervenaufreibend.
Bevor man drei Wochen in den Urlaub geht, hat man außerdem den Anspruch, noch die ein oder andere Sache auf der Arbeit zuende zu bringen.
Diese Reise hatte im Vorfeld außerdem bereits einige Diskussionen in meinem Umfeld ausgelöst weil insbesondere meine Entscheidung diese Reise alleine zu unternehmen, Bedenken hinsichtlich meiner Sicherheit und  Fragen bezüglich meiner sozialen Kompetenz aufwarf –ich zitiere dazu zum Beispiel meine Oma wörtlich: „Hast du gar keine Freunde?“ Doch, doch, ich habe Freunde, ich habe nur keinen davon gefragt mich zu begleiten. Dann erklärt man so Sachen wie, dass es einen Unterschied zwischen allein und einsam gibt, und dass man gerne alleine ist, weil man dann eben machen oder nicht machen kann was man will und dass einen das mal aus der Wohlfühlzone rausbringt und dass alleine reisen etwas ist, das schon eine Weile auf der Bucketlist steht, da das ja wohl eine Erfahrung sein soll, die man mal gemacht haben sollte (retrospektiv stimme ich dem absolut zu). Und dass jeden Tag Menschen allein irgendwo hinfahren, wohlgemerkt in sehr viel gefährlichere Gebiete als Großbritannien und dass sich außerdem jeder auf seine Weise amüsiert. Aber all das ist manchmal doch nicht überzeugend genug und das war irgendwie anstrengend. Rechtfertigen ist immer anstrengend.

Das alles resultierte jedenfalls darin, dass ich einigermaßen gestresst war. Wenn ich gestresst bin, bekomme ich trockene Hände, die dann je nach Stresslevel an den Fingerknöcheln aufreißen (ich weiß nicht, was sich mein Körper dabei denkt). Einen Tag vor meiner Abreise fragte mich diesbezüglich ein Freund dann ob ich kürzlich in einen Straßenkampf verwickelt gewesen wäre. Nein, ich war nicht dem hiesigen Fight Club beigetreten (und wenn dann würde mir die erste Regel des Fight Clubs ohnehin verbieten darüber zu sprechen), ich war einfach nur reif für die Insel.
Glücklicherweise ging die Reise genau dorthin. Großbritannien! Heimat so vieler Dinge die ich mag (Harry Potter, Doctor Who, Digestive Milk Chocolate Cookies) und von mir ins Auge gefasstes potentielles Auswanderungsland. Eine kleine Rundreise sollte es werden: Brighton, Bath, Cardiff, Manchester, Glasgow, Edinburgh, York, London und weil es auf dem Weg liegt: Brüssel. Das Beförderungsmittel der Wahl war der Zug. Weil ich a) Züge gerne mag, b) Zugfahren und aus dem Fenster gucken entspannend finde, c) noch nicht so routiniert im Fliegen bin, dass ich es mich alleine traue und  d) auf der Fahrt nach Schottland dann das Gefühl haben würde im Hogwarts Express zu sitzen. Für die Reisen innerhalb Großbritanniens hatte ich einen Interrail One Country Pass für 313 Euro gekauft, was ich empfehlen würde falls jemand eine derartige Reise in Betracht zieht. Denn Zugfahren in GB ist sonst einigermaßen unerschwinglich.

Ich könnte jetzt natürlich einen detaillierten Reisebericht für die 17 Tage zu verfassen, aber wer hat schon die Zeit das zu lesen (oder zu verfassen). Eigentlich wollte ich ja auch unterwegs bloggen, aber dann hatte ich einfach keinen Bock. Deshalb hier die bebilderte Kurzfassung:

Persönliche Highlights (in chronologischer Reihenfolge):

  • Erfolgreich rechtzeitig aufzustehen. Mein Zug fuhr um 06.47Uhr vom Haupbahnhof ab. Ich musste um 5Uhr aufstehen. Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich normalerweise um 5 Uhr morgens überhaupt am Leben bin. Deshalb war die Sorge groß, den Wecker zu überhören. Kumpel Z. bot mir an, er könne mich wecken wenn er vom Feiern nach Hause kommt. Er würde mich dann sogar zum Bahnhof bringen. Mit der BVG. Das war natürlich großzügig, aber ich musste das allein hinbekommen. Hab ich ja auch geschafft.
  • In Brüssel im Hotel upgegraded zu werden, und statt des gebuchten Einzelzimmers ein Doppelzimmer mit großer Badewanne zu bekommen (Strike!)
  • In Brüssel zunächst in Panik zu geraten weil der Handy Akku leer ist, den Weg zurück zum Hotel aber doch ganz ohne Navigation zu finden und dann stolz auf sich selbst zu sein.
  • Der Pier in Brighton:
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  • Das Sealife Brighton – Der Eintritt ist zwar saftig (17 Pfund). Dafür gibt es da aber lachende Rochen und echte Haie. Außerdem Automaten an denen man für ein Pfund echte Haifischzähne erwerben kann.
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  • Bath. Guckt wie froh ich da trotz Regen war:
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  • Die römischen Bäder in Bath (denen die Stadt ihren Namen verdankt). Dieses Fleckchen Erde verfügt nämlich über natürliche, heiße Quellen. Um diese herum haben die Römer eine Badeanstalt gebaut, die definitv einen Besuch wert ist:
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  • Der Allgegenwärtigkeit des walisischen Wappentiers in Cardiff. Drachen sind cool.
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  • Cardiff Bay und seine steinige Küste:
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  • The Doctor Who Experience! Cardiff Bay glänzt nicht nur landschaftlich sondern beheimatet auch die Doctor Who Experience, eine Ausstellung die das Herz eines jeden Whovians höher schlagen lässt. Zwischen diversen TARDISes, Kostümen und Cybermen, fühlt man sich, als wäre man im Nerdvana. Das eigentliche Highlight ist allerdings der Teil der Ausstellung, in dem keine Fotos und Videos erlaubt sind. Ich sage nur so viel: Ich habe die TARDIS gesteuert und war auf dem Heimatplaneten der Daleks, Skaro, der nicht so verlassen war, wie man es sich wünschen würde.

    in der tardis

    In der TARDIS

  • Museum of Science and Industry in Manchester, das man eigentlich eher als Museumskomplex bezeichnen könnte, da es sich über mehrere Gebäude erstreckt und das einen sehr guten Eindruck davon vermittelt, wie es sich in Manchester in Zeiten der industriellen Revolution gelebt hat. Der Eintritt ist übrigens umsonst. Auch die derzeitige Sonderausstellung zum 3D Druck ist sehenswert. Hier zum Beispiel ein gedrucktes menschliches Herz:
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  • Die Zugfahrt nach und von Schottland war ausblickstechnisch schon recht nett.
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  • Kelvingrove Art Gallery and Museum. Ich war eigentlich nur hereingegangen weil ich auf dem Weg zur University of Glasgow auf die Toilette musste. Ich blieb allerdings dann doch 2 Stunden in diesem Museum, das sich mit schottischer Geschichte ebenso beschäftigt wie mit der naturwissenschaftlichen Entwicklung des Planeten. Außerdem beheimatet es unter anderem einen Original Dali und Werke anderer großer Künstler wie van Gogh und Monet. Eigentlich hätte man allein in diesem Museum einen ganzen Tag verbringen können. Und vor allem: für lau.
  • The University of Glasgow sieht aus wie Hogwarts!
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  • Calton Hill in Edingburgh – einfach nur wegen des schönen Ausblicks:
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  • Edinburgh Castle, das majestätisch über der Stadt thront und zudem noch mit einem spektakulären Ausblick aufwarten kann:
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  • Steak and Ale Pie bei Moms Great Comfort Food in Edinburgh. Falls man mal wissen möchte, wie schottische Muttis kochen, ist das die richtige Adresse. Von der Nachricht, dass deutsche Muttis eigentlich nie Pies mit Fleischinhalt kochen, war man hier übrigens recht überrascht.
  • Londons Towerbridge. Wie man vielleicht weiß, ist die Tower Bridge seit kurzem teilweise mit einem Glasfußboden aufgestattet. Selbigen zu betreten hat mich allerdings unendlich viel Überwindung und eine mächtige Panikattacke gekostet. Ich hätte mir beinahe in die Hose gemacht, aber war dann umso stolzer, dass ich es mich doch getraut habe.
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  • Überhaupt: London!
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  • Muggle Tours. Da ich bei meinem letztjährigen Besuch in London mit meiner Schwester bereits die Leavesden Studios besucht hatte, aber Großbritannien nicht ohne Potter Content verlassen wollte, habe ich eine Harry Potter Tour durch London gebucht, die sich als eines der besten, wenn nicht als das beste Erlebnis der gesamten Reise herausstellte. Unser Tourguide, Steph Black, führte uns an ehemalige Filmsets, zu Orten, die JK Rowling inspiriert hatten, wartete mit Hintergrundinformationen auf und teilte die Gruppe während der U-Bahn Fahrt in die jeweiligen Hogwartshäuser ein (in meinem Fall: “Ravenclaw with a hint of Gryffindor”). Sie stellte zudem allerlei knifflige Fragen, die ich recht häufig beantworten konnte, was mir einmal sogar ein leises “Wow!” aus der Gruppe einbrachte. Das ist eine schöne Abwechslung zu der Reaktion die ich hier oft zu hören bekomme: “Warum merkst du dir denn diesen Scheiß?”. Steph ließ uns außerdem am U-Bahnhof Westmister einmal laut Expecto Patronum rufen, was die Passanten zwar verwirrte, mir aber ausgesprochen gut gefallen hat – insbesondere weil einen die Gruppenmitglieder nicht verurteilt haben.

Worauf ich hätte verzichten können:

  • Belgische Fritten – schmecken nicht anders als hier.
  • Hostelpoint Brighton. Man erwartet natürlich kein 5 Sterne Hotel, wenn man ein Zimmer in einem Hostel bucht. Was ich aber erwarte ist, dass ich mich nicht ekeln muss, wenn der unbekleidete Fuß den Fußboden berührt. Habe nach einer Nacht ausgecheckt und mir ein gemütliches kleines Doppelzimmer im YHA Brighton gebucht (zu empfehlen).
  • Das Wetter in Brighton: Erster Tag: Regen. Zweiter Tag: Zwar Sonne, aber Wind. Mindestens Windstärke 1000:
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  • York. Ich hatte mehrfach gelesen, dass man York bei einer GB Rundreise auf keinen Fall auslassen sollte. Mir ist allerdings nicht ganz klar warum. Ich persönlich fand die Stadt äußerst unspektakulär. Aber letztendlich hatte die Stadt von vornherein schlechte Karten. Auf meiner Route zwischen Edinburgh – wo ich gern noch länger geblieben wäre- und London – wo ich unbedingt hinwollte – gelegen, hatte sie ohnehin verspielt.
  • Wenn man doch mal in York ist, sollte man auf jeden Fall keine Bootstour machen, weil man vom Boot aus nämlich überhaupt nichts von den spärlich gesähten Sehenswürdigkeiten sieht.
  • Sonnenbrand. Von einem Urlaub in GB hätte ich das nun wirklich nicht erwartet.
  • Zwischenstopp in Köln. Ganz ursprünglich hatte ich sogar geplant auch hier noch einen Nacht zu verbringen, hatte die Buchung aber dann gecancelt. Dennoch hatte ich einen 3 stündigen Aufenthalt eingeplant, um mir Dom und Umfeld anzuschauen. Aber irgendwie hat mich das nicht so wirklich beeindruckt. Eventuell lag das aber daran, dass ich Großbritannien eigentlich gar nicht verlassen wollte und etwas schwermütig war, als ich wieder in Deutschland war.
  • Zugfahren bei Dunkelheit ist an Langweiligkeit kaum zu überbieten. Insbesondere wenn der Zug durch die vollkommenen Lichtlosigkeiten Brandenburgs rollt.

Was ich gelernt habe:

  • Der Sicherheitscheck für den Eurostar verläuft ähnlich wie am Flughafen, nur weniger gründlich (kam mir zumindest so vor).
  • Die Fahrt mit dem Eurostar von Brüssel nach London dauert 2 Stunden, von denen man sich lediglich 20 Minuten im eigentlichen Tunnel befindet (40 Meter unter dem Meer).
  • Auf dem Klo im Eurostar hängt die Mona Lisa.
  • Die Bänke in Parks sind in Großbritannien meist mit Widmungen versehen, was mitunter ziemlich herzzerreißend ist:
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  • Die Busse in Bath (und auch anderswo in GB) halten nur an, wenn man sie heranwinkt und außerdem werden die Stationen nicht angesagt, was äußerst ungünstig ist wenn man zwar weiß, wie die Station heißt, aber nicht wie sie aussieht. Insgesamt bin ich deshalb bereits in der ersten Stunde meines Aufenthalts 3 Mal an der falschen Haltestelle ausgestiegen.
  • Die alten Römer hatten schon Fußbodenheizung. Der eigentliche Fußboden lag auf den Türmchen und in die Zwischenräume wurde heißer Dampf geblasen. Die Römer hatten es schon ziemlich drauf.
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  • Die Hauptzutat eines britischen Frühstücks ist Fett.
  • Manchester ist überhaupt nicht so hässlich wie immer alle behaupten. Beweisstück A:
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  • Die Londoner Brücken, über die im 5. Harry Potter Film hinweggeflogen wird, sind in der falschen Reihenfolge.
  • Die Züge in GB sind nicht so komfortabel wie die der DB. Außerdem gibt es viele verschiedene Zuggesellschaften, anders als bei uns. Am schönsten fand ich die Züge von First Great Western, am unkomfortabelsten waren die von Southern Railway.
  • Restaurantbesuche und Lebensmittel sind sehr viel teurer als hierzulande. Am günstigsten kann man sich unterwegs mit dem in den meisten Supermärkten angebotenen Meal Deal – Sandwich, Getränk und ein bisschen Obst für 3 Pfund – ernähren.
  • Ich würde jederzeit wieder allein verreisen.

P.S. God save the queen and mind the gap.

 

No honey, no fun.

Ich blogge ja normalerweise nicht viel über meine Arbeit. Vor allem weil es unter den Kollegen einige Mitleser gibt. Nun ist allerdings in der bürointernen Küche etwas geschehen, etwas so Unglaubliches und Schreckliches, dass ich nicht länger schweigen kann. Ja, die ganze Welt soll es erfahren: Jemand hat meinen Honig gestohlen.
Doch damit nicht genug! Die Flotte Biene Quetschflasche wurde nicht nur unrechtmäßig genutzt, sondern sogar vollständig geleert und dann auch noch wieder zurück ins Regal gestellt. Selten hat man so viel kriminelle Energie gesehen.
Ja, natürlich hört man immer mal wieder von Lebensmitteldieben in Unternehmen – mehr als einmal wurde man gewarnt. Aber man denkt ja doch nicht, dass es einen mal selbst treffen könnte. Denn hier arbeiten ausschließlich rechtschaffende, ausgeglichene und zufriedene Bürger.

Und doch hatte ich schon länger das Gefühl, dass sich jemand ungefragt an meinem Honig bediente. Ich erwog bereits, den Honigstand mit einem Stift zu markieren, verwarf den Plan aber schnell weil ich mir dachte: Wo kommen wir denn da hin, wenn jeder jedem misstraut. Aber heute morgen, als ich meinen Pfefferminztee verfeinern wollte, war die Flasche dann plötzlich leer obwohl sie gestern noch zu einem Viertel gefüllt gewesen war. Nur ein paar Spritzer konnte ich ihr entlocken, was erstens ein ekliges Furzgeräusch gemacht und mich zweitens auf einer sehr ursprünglichen Ebene zutiefst traurig gestimmt hat. Denn die Fixierung auf Pfefferminztee mit Honig ist tief in meiner Psyche verwurzelt und für mein Wohlbefinden von elementarer Bedeutung. Meine Mutter hatte mir oft Pfefferminztee mit Honig zubereitet. Zudem kommt das Getränk auch auf der zweitbesten Benjamin Blümchen Hörspielkassette, “Otto ist krank”, vor (die beste ist übrigens „Der Weihnachtstraum“), die ich immer Pfefferminztee schlürfend gehört hatte, wenn ich selbst krank war, während meine Mutter mir ab und zu kleingeschnittenes Obst ins Zimmer brachte. Pfefferminztee mit Honig – das steht für Geborgenheit und Wärme. Und jetzt sehen wir, wohin der Glaube an die Ehrlichkeit meiner Mitmenschen mich gebracht hat: Pfefferminztee ohne Honig.

Wie vom Donner gerührt stehe ich da, fassungslos ob dieser erschreckenden, gefühlskalten Tat. Die Erkenntniss, dass die Welt böse und kalt ist bricht über mich herein. Hat der Honigdieb etwa noch nie die Werbung gegen Onlinepiraterie gesehen? STEALING. IS. AGAINST. THE. LAW! Mal ganz davon abgesehen, dass es umgangsprachlich gesprochen einfach sau assig ist. Der Honigdieb fände es vermutlich auch gar nicht mal so gut, wenn ich seinen Käse futtern und dann die leere Packung wieder zurück in den Kühlschrank schmeißen würde. Oder den von Mudder gekochten Eintopf essen und dann die ausgeleckte Tupperdose wieder zurück ins Fach stellen würde. Aber vermutlich lagert der Honigdieb selbst gar keine eigenen Lebensmittel im Büro. Er oder sie klaut sich seine Malzeiten aus den angebrochenen Lebensmittelpackungen der anderen Mitarbeiter zusammen – mal eine Scheibe Salami, mal ein Toastbrötchen, dann wieder einen Löffel Honig und dann eine kleine Portion Frischkäse. Ein Büroparasit quasi. Unbemerkt. Blitzschnell. Lautlos – es kann jeden treffen.
Gutmütige Menschen gehen indes vielleicht von einem Versehen aus. Aber ich halte eine Verwechslung für ausgeschlossen. Denn der Honig war büroüblich mit meinen Initialen beschriftet. Und es gibt in der Firma keine andere Person mit den gleichen Initialen und selbst wenn, müsste diesem jemand ja aufgefallen sein, dass er den Honig, der mit seinen Initialien beschriftet ist, gar nicht selbst gekauft hat. Ein vorsätzliches Verbrechen also.

Gerne würde ich Überwachungskameras in der Küche installieren oder Fingerabdrücke nehmen und von der Kripo auswerten lassen. Aber ich befürchte, das würde irgendwelche Persönlichkeitsrechte einschränken. Ebenso gern würde ich Sherlock Holmes verständigen, der vermutlich anhand der, auf dem Küchenboden zurückgelassenen Fußabdrücke, die eine Art von Sand enthalten, die nur im südlichen Teil Berlins vorkommt und der Tatsache, dass Kollege XY, der aus dieser Region stammt, plötzlich sehr glänzendes Haar hat, kombinieren, dass dieser Kollege meinen Honig für die Anfertigung einer Honig-Haarspühlung verwendet hat. Aber Holmes ist fiktional – irgendwas ist halt immer.
Ich stelle die leere Honigflasche deshalb zurück ins Regal und versehe sie mit der Nachricht: Lieber Honigdieb, bitte auffüllen. ASAP! Danke. Aber ich mache mir nichts vor, wer so skrupellos ist, lässt sich von einer passiv-aggressiven Notiz nicht einschüchtern.
Dabei wäre es gar nicht nötig gewesen, kriminell zu werden. Denn wer mich gefragt hätte, hätte den Honig natürlich auch so benutzen können. Ich bin kein Unmensch. Wer in großer Not (leichte Halsschmerzen, stumpfes Haar, Abneigung gegen Zuckerwürfel) nach Honig fragt, dem werde ich ihn nicht vorenthalten. Außer natürlich dem Honigdieb. Er oder sie hat für immer sein Recht auf meinen Honig verwirkt. Insbesondere durch das Zurückstellen der leeren Flasche, was ich als blanke Provokation empfinde. Ich an seiner Stelle würde zukünftig auch mal im Auge behalten, ob der Honig mit der Beschriftung KH nicht zufällig Abführmittel enthällt. Denn wie wusste schon Stromberg: Büro ist Krieg.